Todestag am 02. Juli 1843 Samuel Hahnemann: Begründer der Homöopathie

Wirkt Homöopathie? Wer muss für ihre Kosten aufkommen? Und wer darf homöopathisch arbeiten? Bislang war bspw. eine entsprechende Weiterbildung bei Ärzten gerne gesehen. Nun streichen die Landesärztekammern diese Zusatzausbildung nach und nach. In Sachsen-Anhalt wird darüber gerade noch verhandelt, in Bremen ist sie mit Stichtag 1. Juli in Kraft getreten. Doch wer kam eigentlich auf die Idee, medizinische Substanzen x-fach zu verdünnen?

Portrait von Christian Friedrich Samuel Hahnemann
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Geboren wird Christian Friedrich Samuel Hahnemann am 10. April 1755 als Sohn eines Porzellanmalers in Meißen. Der eher schwächliche, aber begabte Knabe besucht die Fürstenschule in Meißen und erteilt dort bereits im Alter von zwölf Jahren Mitschülern Nachhilfe in Griechisch. Obwohl Hahnemanns Vater seinen Sohn aus finanziellen Gründen nicht studieren lassen will, setzt der Sohn sich durch. Allerdings ist er mit dem Beginn seines Medizinstudiums 1775 in Leipzig, gerade 20-jährig, auf sich allein gestellt. Seinen Lebensunterhalt muss er selbst verdienen. Dank der hervorragenden Ausbildung in Meißen kann er Übersetzungen von medizinischen und naturwissenschaftlichen Arbeiten anfertigen. Hinzu kommt seine Tätigkeit als Privatlehrer. Beides ermöglicht ihm ein bescheidenes Auskommen.

Samuel Hahnemann
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Insgesamt stärkt Hahnemann sich in dieser Zeit intellektuell wie körperlich. Er beschließt, seinem "Körper durch Übungen, Bewegungen und freie Luft diejenige Munterkeit und Stärke zu verschaffen, bei der nur allein fortgesetzte Geistesanstrengung mit Glück bestehen kann." Nur in einem gesunden Körper stecke auch ein gesunder Geist und zwar durch körperliche Ertüchtigung - ein Rezept, das er als Mediziner später auch seinen Patienten empfiehlt.

Geisteswissenschaftliche Studien in Leipzig

Samuel Hahnemann (1755-1843), der deutsche Begründer der Homöopathie, veröffentlichte seine medizinischen Theorien in seiner Abhandlung, DIE ORGANE DER RATIONELLEN HEILUNG, 1810.
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In Leipzig studiert Hahnemann ausschließlich klassische, theoretische Texte, denn eine praktische Ausbildung im eigentlichen Sinne existiert damals nicht. Die Messestadt hat nicht einmal eine angeschlossene Universitätsklinik. Bereits 1776 geht Hahnemann deshalb an das Spital der Barmherzigen Brüder in Wien. Sein dortiger Lehrer ist der berühmte Quarin. Bei ihm lernt er die praktische Heilkunde.

Als Bibliothekar und Hausarzt bei Baron von Brukenthal, dem Statthalter in Siebenbürgen, gelangt Hahnemann nach Hermannstadt, dem heutigen Sibiu in Rumänien. In der umfangreichen Bibliothek seines Dienstherrn studiert Hahnemann eifrig weiter. Aber er sammelt auch medizinische Erfahrung, denn in den umliegenden sumpfigen Tiefebenen ist die Malaria, das Wechselfieber, überall verbreitet. Angeregt durch von Brukenthal wird er Mitglied der Freimaurerloge, deren Idealen er bis zum Ende seines Lebens treu bleibt.

1779: Promotion in Erlangen

Eine Büste des Begründers der Homöopathie Samuel Hahnemann
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Hahnemann kehrt 1779 nach Deutschland zurück, wo er in Erlangen zum Doktor der Medizin promoviert. Danach führt er ein unstetes Leben. Es folgen Stationen in Hettstedt im Harz, Dessau und Gommern bei Magdeburg, wo er die Tochter eines Apothekers heiratet und immerhin drei Jahre sesshaft bleibt.

Insgesamt führt er jedoch in diesen Jahren ein äußerst bewegtes Leben und praktiziert nur selten als Arzt. Jahre später erklärt er dies in einem der Briefe an Christoph Wilhelm Hufeland, den Herausgeber von "Hufelands Journal", so:

Ich machte mir ein empfindliches Gewissen daraus, unbekannte Krankheitszustände bey meinen leidenden Brüdern mit diesen unbekannten Arzneyen zu behandeln, die als kräftige Substanzen ... leicht das Leben in Tod verwandeln, oder neue Beschwerden und chronische Übel herbeyführen können, welche oft schwerer als die ursprüngliche Krankheit zu entfernen sind. Auf diese Weise ein Mörder oder Verschlimmerer des Lebens meiner Menschenbrüder zu werden, war mir der fürchterlichste Gedanke, so fürchterlich und ruhestörend für mich, daß ich in den ersten Jahren meines Ehestandes die Praxis ganz aufgab, und fast keinen Menschen mehr ärztlich behandelte und bloß - wie sie wissen - mich mit Chemie und Schriftstellerey beschäftigte.

Samuel Hahnemann

Mit seiner Familie - Hahnemann hat bereits vier Kinder - zieht er 1789 zurück nach Leipzig, der Universitäts- und Buchhandelsstadt, die auf Akademiker dieser Zeit eine besondere Anziehung ausübt. Im Jahre 1793 wird er in die Deutsche Akademie der Naturforscher in Halle gewählt, die "Leopoldina".

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Eine Frau hält eine kleine Flasche 4 min
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Sein Standardwerk "Organon" stößt in der Universitätsmedizin fast durchweg auf Ablehnung. Trotzdem folgt 1812 seine Habilitation in Leipzig, wo er Anhänger um sich schart. Doch Hahnemanns Thesen polarisieren, und selbst seine Anhänger sind sich uneins: Auf der einen Seite stehen die "naturwissenschaftlich-kritischen" Homöopathen und auf der anderen Seite die "klassischen" Homöopathen, die im Gegensatz zu ersteren bereits ein eindeutiges Feindbild haben: die Schulmedizin.

Spaltung: Schulmedizin versus Homöopathie

Arzneimittel in Form von kleinen Kügelchen neben einer Arzneiflasche.
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Dieser Gegensatz zwischen Homöopathie und Schulmedizin bleibt bestehen. Im Prinzip spiegelt sich diese Aufspaltung auch in Hahnemanns Lebensweg wieder. Er gehört bis ins Jahr 1821 der naturwissenschaftlich-kritischen Richtung der Homöopathie an. Danach verlässt er freiwillig die Universität, die Homöopathie ist dann kein Teil der Schulmedizin mehr.

Seine Technik ist zu diesem Zeitpunkt deutlich verfeinert. Gerade wegen seiner Angst, zu starke Arzneien zu verabreichen, die mehr schädigen als nutzen, verdünnt er zunehmend die Arzneimittel in Alkohol, zum Teil bis zu Dezimalpotenzen von 1:100, oder verreibt sie im Mörser mit so genannten Trägerstoffen wie Milchzucker zu entsprechenden Mischungsverhältnissen. Hahnemann nennt dies Potenzierung. Teilweise bestehen diese Mischungen aus winzig kleinen Beigaben von Stoffen, die als giftig gelten. Diese unorthodoxe Herstellung von Arzneien bringt ihn schnell in Konflikt mit der Apothekerzunft, die die klassische Arbeitsteilung zwischen Ärzten und Apothekern gefährdet sieht.

Lebensstation Köthen: Arbeit an seinen Standardwerken

Das fast vollständig sanierte Wohnhaus von Samuel Hahnemann in Köthen.
Hahnemanns Wohnhaus in Köthen. Bildrechte: dpa

Hahnemann wechselt 1821 nach Köthen, wo er unter dem Schutz Herzog Ferdinands von Köthen steht. Dort verfasst er 1828 die ersten drei Teile seines Werkes "Die chronischen Krankheiten, ihre eigenthümliche Natur und homöopathische Heilung". Er unterhält über Jahre hinweg eine umfangreiche homöopathische Praxis. Während der Cholera-Epidemie 1831/32 gewinnen seine Empfehlungen zur Prophylaxe und Therapie große Popularität. "Ich glaube jetzt eifriger denn je an die Lehre des wundersamen Arztes, seitdem ich die Wirkung einer allerkleinsten Gabe so lebhaft gefühlt und immer wieder empfinde." Diese Worte stammen von niemand anderem als von Johann Wolfgang von Goethe. Seine Begeisterung dokumentiert die gewachsene Akzeptanz der Homöopathie im Deutschland dieser Zeit.

Hahnemann selbst siedelt mit seiner zweiten Frau Melanie d'Hervilly 79-jährig nach Paris um, wo seine Lehre ebenfalls schnell Anhänger findet. Am 2. Juli 1843 stirbt der Begründer der Homöopathie in der französischen Hauptstadt.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Radio: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 05. März 2020 | 12:00 Uhr