Ein Schild verweist auf die Leopoldina in Halle.
Seit zehn Jahren wieder in Halle: Die Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften Bildrechte: imago images/Steinach

Leopoldina *wtfaq* Was macht eine Akademie der Wissenschaften?

25. Mai 2022, 14:33 Uhr

Sind Tierversuche noch immer nötig? Wie riskant ist Embryonenforschung? Was tun bei der nächsten Pandemie? Und wie soll es weitergehen mit dem Klimaschutz? Wenn wir in diesen Fragen nicht weiterwissen, gibt es einen Expertenrat, den wir fragen können: Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina mit ihren 1.600 Experten aus 30 Ländern in Sachen Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften, Lebenswissenschaften, Medizin und Geistes-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften.

An existentiellen Themen und Zukunftsfragen wie dem Klimawandel, dem Pandemiemanagement und dem Artensterben scheiden sich bekanntlich die Geister. Menschliche Sorgen und Bedürfnisse kollidieren mit wirtschaftlichen und politischen Interessen. Auch Fragen wie: "Brauchen wir Embryonenforschung und Tierversuche?" lassen sich nicht in drei Sätzen beantworten. Fast täglich gibt es zu alledem neue Erkenntnisse und wieder neue Fragen. Wenn einer den Überblick darüber hat, dann sind es die Wissenschaftler der Leopoldina. Sie kennen den aktuellen Stand der Forschung und wissen, worauf es in der Praxis ankommt. Sie ziehen ethische Bedenken in Betracht und ordnen ein – unabhängig von Politik und Wirtschaft, wohl aber beratend. Das aktuellste Projekt: Die forschungsbasierten Stellungnahmen für den G7-Gipfel auf Schloss Elmau zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Polarregionen und Ozeane, Maßnahmen zur Dekarbonisierung (Abkehr von Kohlenstoff in der Wirtschaft), die Entwicklung von antiviralen Medikamenten zur Pandemievorsorge sowie die Notwendigkeit eines One Health-, also ganzheitlichen und interdisziplinären Ansatzes in Bezug auf Zoonosen und antimikrobielle Resistenzen. Dabei berät die Leopoldina nicht nur die Bundesregierung, sondern ist Federführer unter allen Wissenschaftsakademien der G7-Staaten.

Ein bis zwei Nobelpreise dürfen es schon sein

Dass die Expertise der Leopoldina hohe Anerkennung genießt, ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass sie die besten Wissenschaftler ihrer Zeit vereint. Derzeit sind das ca. 1.600, die allesamt mehrere Auswahlverfahren durchlaufen haben. Jährlich werden etwa 50 neue Mitglieder hinzugewählt, die von anderen Akademiemitgliedern nominiert werden müssen. Danach müssen sie ihr Können vor den einzelnen internen Gremien unter Beweis stellen. Seit der ersten Verleihung des Nobelpreises 1901 waren 184 Preisträger auch Mitglied der Leopoldina, unter anderem Wilhelm Ostwald, Werner Heisenberg, Max Planck und die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie.

Aktive Mitarbeit auf Lebenszeit

Einmal in die Leopoldina berufen, bleiben die Wissenschaftler ordentliche Mitglieder bis an ihr Lebensende. Sie arbeiten an Stellungnahmen und Empfehlungen mit, erstellen Gutachten, stehen als Experten Rede und Antwort und bringen sich in Veranstaltungen ein. Teil ihrer Arbeit ist auch, neue Forschungsvorhaben mit ins Leben zu rufen, die Arbeit international zu repräsentieren und sich mit anderen Experten auszutauschen.

Gebäude der Forschungsgemeinschaft Leopoldina in Halle.
Heute arbeitet die Leopoldina im Logenhaus auf dem Hallenser Jägerberg. Bildrechte: imago images/Future Image

Historische Institution mit Blick in die Zukunft

1652 als Deutsche Akademie der Naturforscher in Schweinfurt gegründet, wechselte die Akademie für lange Zeit ihren Sitz immer mit dem Wohnort des jeweiligen Präsidenten. Erst 1878 wurde sie in Halle an der Saale sesshaft und residiert heute im ehemaligen Logenhaus auf dem Jägerberg direkt gegenüber der Moritzburg. Darüber hinaus unterhält sie ein Büro im Berliner Regierungsviertel – für den kurzen Draht zu Politik, Medien und den internationalen Vertretungen. Am 14. Juli 2008 wurde sie umbenannt in "Nationale Akademie der Wissenschaften", da sie inzwischen weit mehr als nur die Naturwissenschaften in sich vereint. Ihr Schirmherr ist seitdem der Bundespräsident. Präsident der Leopoldina ist seit 2020 Klimaexperte Prof. Dr. Gerald Haug. Seine wissenschaftlichen Steckenpferde sind die Rekonstruktion historischer Klimaverläufe und Klimaentwicklungen, die Untersuchung von Sedimentkernen aus Ozeanen und Seen und die Wechselwirkungen zwischen Klima und Kulturen.

Wer bezahlt's?

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist ein eingetragener Verein und gemeinnützig tätig. 80 Prozent der erforderlichen Gelder stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereit, weitere 20 Prozent das Land Sachsen-Anhalt, da sich dort der Hauptsitz befindet.

krm

Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Der neue Präsident der Leopoldina Gerald Haug 4 min
Bildrechte: Markus Scholz für die Leopoldina
Eine Gruppe Senioren beim Aqua Aerobic 6 min
Bildrechte: imago/Westend61

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