16. Juli 1945: Erster amerikanischer Atombomben-Test am  am 16. Juli 1945
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Sowjetische Atombombenziele in der Bundesrepublik

Die Sowjetunion plante im Ernstfall einen atomaren Angriff auf die Bundesrepublik. Einen kleinen Ausschnitt der Pläne zeigt ein Papier aus dem Jahr 1955, das dem MDR vorliegt. Es listet die Zielplanungen für eine Bomberstaffel auf, die in der Weißrussischen SSR stationiert war. An der Spitze der dort aufgelisteten 13 Ziele: Die Hauptstadt Bonn.

16. Juli 1945: Erster amerikanischer Atombomben-Test am  am 16. Juli 1945
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1955 erhielt die 157. Bomberfliegerstaffel, stationiert in Schutschin, im Gebiet Grodno in der Weißrussischen Sowjetrepublik, eine Auflistung von 13 Zielen in der Bundesrepublik. Die Staffel verfügte über IL-28-Bomber als Träger von nuklearen Waffen, der Atombombe "RDS 4". Die Bundesrepublik galt für die Militär-Strategen in Moskau als das wichtigste Zielland in Europa. Denn dort waren die entscheidenden NATO-Kontingente konzentriert.

Schmaler als das USA-Pendant

Das Dokument ist noch keine finale Gesamtplanung und es ist auch nur ein Puzzlestück aus einem Gesamtplan. Daher ist es auch deutlich schmaler als das US-Pendant aus dem Jahr 1956, dem Planungs-Papier des Strategischen Luftkommandos der USA. Vor allem sind Luftwaffenstützpunkte auf der sowjetischen Liste zu finden: der Luftwaffenstützpunkt Binsfeld etwa, der Militärflughafen und das Atomwaffendepot in Bitburg sowie der Frankfurter Flughafen. Auch Wiesbaden befand sich im Visier der sowjetischen Militärs.

Nicht genügend Atombomben

Nikita Chruschtschow
Nikita Chruschtschow Bildrechte: dpa

Kreml-Chef Nikita Chruschtschow und seine Militärs hatten allerdings ein entscheidendes Problem: Sie verfügten tatsächlich über viel weniger Atombomben als die USA. Mitte der 1950er-Jahre gab es zum Beispiel nur 20 bis 30 Atombomben, die insgesamt für die Bundesrepublik eingeplant waren, berichtet Alexander Jazakow, Militärhistoriker und einst Stabsoffizier bei den Strategischen Raketenstreitkräften der UdSSR. Entsprechend bescheiden musste daher auch die Anzahl der Ziel-Objekte ausfallen. Und es waren insgesamt auch viel weniger Atombomben in der Sowjetunion vorhanden, als der Westen annahm. Chruschtschows unablässiges Prahlen mit seiner atomaren Streitmacht hatte durchaus Früchte getragen. Die Furcht vor den sowjetischen Atomwaffen war im Westen jedenfalls riesig.

Angst vor einem Atomkrieg

Alexander Yazakow
Der russische Militärhistoriker Alexander Jazakow Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gut die Hälfte der westdeutschen Bevölkerung hielt laut Meinungsumfragen Mitte der 1950er-Jahre einen Dritten Weltkrieg für durchaus möglich. Und auf jenen Dritten Weltkrieg bereitete sich die 157. Bomberfliegerstaffel auch vor. Die IL-28-Staffel in Schutschin sollte im Ernstfall in die Bundesrepublik aufbrechen. Es wäre eine sehr lange und schwierige Route gewesen und ein Großteil der Bomber hätte Deutschland vermutlich nicht erreicht. Das wussten die Offiziere auch. Doch "drei von zehn Flugzeugen wären wahrscheinlich durchgekommen", vermutet Alexander Jazakow. Es wären natürlich immer noch genug gewesen, um ein nukleares Inferno im Westen Deutschlands zu entfachen.

Wichtigstes Ziel: Bonn

1945, Hiroshima nach der explosion der ersten Atom-Bombe
Hiroshima 1945 Bildrechte: imago/United Archives

Das Hauptziel der nuklear bestückten IL-28-Bomber war von Anfang an Bonn, die Hauptstadt der Bundesrepublik. Die politische Führung Deutschlands sowie die Stadt selbst sollten vernichtet werden. Die Atombombe "RDS 4" besaß die doppelte Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. "In Hiroshima sind 70.000 Menschen durch den Atomschlag gestorben, in Bonn wären 150.000 oder gar 200.000 Menschen vernichtet worden", schätzt Alexander Jazakow ein. "Die Stadt hätte aufgehört zu existieren."

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in MDR Zeitreise 28.04.2019 | 22:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 09:43 Uhr