Ein Geschenk-Papier von Markus Beckedahl Welten, die leider (!) immer noch (!) parallel (!) leben

Markus Beckedahl von netzpolitik.org schreibt in seinem Geschenkpapier über die Notwendigkeit des Brückenbauens und des Zusammendenkens unterschiedlicher Perspektiven, Sichtweisen und Kulturen.

Porträt von Markus Beckedahl
Bildrechte: MDR MEDIEN360G | Markus Beckedahl

Einmal am Tag freue ich mich, wenn das neue Altpapier erschienen ist. Ich bekomme das dann wahlweise über Twitter oder meinen Posteingang mit und klicke immer sofort drauf. Nirgendswo anders im Netz bekomme ich eine so komprimierte und doch umfassende Zusammenstellung darüber, was aus medienjournalistischer Sicht gestern und vielleicht noch heute Morgen relevant war. Einiges kenne ich zwar dann schon, aber es gibt meist noch weitergehenden Kontext und damit bleiben auch schon bekannte Inhalte spannend.

Ich kann nicht sagen, wie lange ich das Altpapier schon lese. Vielleicht keine 20 Jahre, aber einen Großteil davon schon. Was ich immer sehr spannend und inspirierend fand, war die Verbindung von (klassischen) Medien-  und Netzthemen und das auch in vielen medien- und netzpolitischen Fragestellungen und Debatten. Das Altpapier war damit immer schon ein Brückenbauer zwischen Welten, die heute (!) leider (!) immer noch (!) weitgehend parallel leben (!) und wo beides zu wenig zusammen gedacht wird. Wo wir uns bei netzpolitik.org aus der Netzpolitik Richtung Medien bewegten, kam das Altpapier von den Medien her.

Gerade diese Brückenbauer-Funktion finde ich sehr wichtig und notwendig, auch um unterschiedliche Perspektiven, Sichtweisen und Kulturen zusammen zu bringen, zu aggregieren – oder zumindest zusammen zu denken. Alles ist Netz und alles ist Medien in diesen neuen Öffentlichkeiten, auch wenn das viele immer noch nicht realisiert haben.

Aber nicht alles ist perfekt beim Altpapier. Warum nicht mehr Geld drauf schmeißen und zwei Ausgaben am Tag veröffentlichen? Themen und Debatten gibt es doch mehr als genug, die miteinander in Kontext gesetzt werden könnten.

Ich verstehe ja, dass das Altpapier auch ständige Legitimationsherausforderungen in Zeiten von Kostensparungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat und deswegen wahrscheinlich auch die Zugriffe auf die Webseite notwendig sind. Aber eigentlich hätte ich lieber gerne die Inhalte gleich per Mail, nicht nur den neuen Link, und noch besser wäre natürlich ein RSS-Feed mit dem gesamten Inhalt. Auch wenn das so nach Nuller Jahren klingt. Immerhin haben wir Leser:innen ja durch unsere Rundfunkgebühr schon für die Inhalte gezahlt.

Ich wünsche mir und hoffe es, dass das Altpapier und seine motivierte Redaktion uns noch sehr lange erhalten bleibt. Falls es mal Probleme mit dem aktuellen Träger MDR geben sollte, würden wir bei uns notfalls schauen, ob wir noch Spenden zusammenkratzen könnten, um einen Weiterbestand gewährleisten zu können. Auch wenn wir uns das in dieser Qualität und Umfang wahrscheinlich mit unserem Budget nicht leisten könnten. Aber jemand müsste es tun!

Aber so lange bin ich froh, dass mit unseren Rundfunkgebühren auch so hochwertige Formate wie das Altpapier weiter finanziert werden. Prost.


Unser Gastautor: Markus Beckedahl hat schon 2002 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und entwickelt die Plattform seit 2004 als Chefredakteur. Außerdem hat er die re:publica-Konferenz mitgegründet.

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