Menschen halten Transparente in die Höhe mit der Aufschrift "mein größter Fail"; zwei Menschen wenden einem Buch mit der Aufschrift "NetzDG" den Rücken zu.
Bildrechte: MEDIEN360G

Das Altpapier am 10. Januar 2018 In dubio pro Transparenz

Fehler zuzugeben ist grade unter Journalisten angesagt. Aber was ist dabei eigentlich echte Selbstkritik und was eher Koketterie? Die Debatte um’s NetzDG geht immer weiter, heute dienen Algorithmen als Brandbeschleuniger, und auch die Diskussion um den Kika-Film wirft weiter Fragen auf. Dazu gibt’s noch ein bisschen Bling Bling für Jan Böhmermann, Türkei-News und eine neue Runde im Streit um die Tagesschau-App. Ein Altpapier von Nora Frerichmann.

Menschen halten Transparente in die Höhe mit der Aufschrift "mein größter Fail"; zwei Menschen wenden einem Buch mit der Aufschrift "NetzDG" den Rücken zu.
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Kofi Annan ist UFO-Generalsekretär, Mario Adorf spielt in der deutschen Nationalelf, die Überschrift "Jedem das Seine" steht über eine KZ-Bild, Kai N.E. Ahnung in der Bildunterschrift, Merkel heißt Angelika mit Vornamen, Obama wurde auf See bestattet, Christian Neureuther ist eine Ski-Nervensäge, eine Islamwissenschaftlerin wird Islamistin genannt: Alles mehr oder weniger lustige Fehler, die so mal von Journalisten veröffentlicht wurden.

Unter dem Hashtag #MeinGroessterFail twittern wir Medienmenschen ja seit einigen Tagen über peinliche Fehler, die uns bei der Arbeit passiert sind (gestern schon kurz hier im Altpapier angerissen). Zur Erinnerung: Auslöser war der Spott im Netz über eine Kollegin der Dorstener Zeitung bzw. des Medienhauses Lensing und ihre Unkenntnis beim Thema Chip-Design (mehr Erläuterung z.B. beim Deutschlandfunk).


#Fluechtigkeitsfehler

Als "Transparenzoffensive" bezeichnet Business Punk nun die Aktion: "Es stimmt, viel zu oft haben Medien Probleme damit, solche Fehler dann auch zuzugeben. Daher sollten wir der aktuellen Hashtagaktion #MeinGroessterFail dankbar sein, denn: sie zeigt, dass ein ehrlicher und transparenter Umgang mit Fehlern nicht nur Vertrauen schafft, sondern die User auch unterhält."

Das stimmt einerseits, klingt aber angesichts der bisher abgesetzten Tweets etwas nach Journo-Selbstbeweihräucherung, wage ich hier mal zu behaupten. Das Hashtag suggeriert ja: Wir machen Fehler, wir sind nicht perfekt und wir haben die Eier, das zuzugeben. Aber irgendwie verarschen wir uns mit dem Output dazu grade auch ein bisschen selbst, oder? Die Tweets, die unter #MeinGroessterFail zusammenkommen, handeln nämlich größtenteils von peinlichen aber letztendlich mehr oder weniger harmlosen Flüchtigkeitsfehlerchen.

Sicher, solche Fehler sind manchmal richtig peinlich, sie können aber passieren und es ist gut, darüber zu sprechen. Das Ganze kann man auch als ziemlich gute Gegenbewegung zu hämischen Kommentaren sehen, die im Netz häufig als Reaktion auf Fehler entstehen (eine Auswahl zum #chipdesign hier und hier). Aber wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, sehen unsere wirklich beschissenen Fehler anders aus und sie haben größere Auswirkungen, oder?

Wir schütteln z.B. Witwen oder nennen Namen von Verdächtigen. Wir zeigen manchmal der Reichweite zuliebe Fotos auf denen Opfer erkennbar sind und emotionalisieren Dinge unnötig, veröffentlichen der Schnelligkeit zuliebe haltlose Spekulationen und Verdachte, prüfen Informationen nicht immer so gründlich nach, wie wir es sollten, reflektieren nicht immer genug und so weiter. Aber dafür erklärt sich selten jemand verantwortlich. Wir brauchen Selbstkritik nicht nur als Hashtag, sondern als ehrlichen und weitreichenden Teil unserer Medienbubble-Kultur. Strukturen und Motivationen sind doch viel weitreichender als der kleine, wenn auch erstmal peinlichen Fauxpas.

Der Initiator des Hashtags, Roland Grün, schreibt z.B.: "Dabei sind es vor allem die Strukturen in den Redaktionen, die zu solchen Fehlern führen. 'Wir brauchen noch einen Kommentar zum Thema Chipdesign. Kannst du den nicht gerade mal schreiben?'"

Ich wage die These: Umfassende, ehrliche Selbstkritik sieht anders aus als das, was insgesamt bei #MeinGroessterFail rumkommt. Aber dafür ist Twitter als Kurznachrichtendienst wohl auch das falsche Medium.

Ach ja, und die Definition von Chipdesign, wie sie von der Lensing-Autorin verstanden wurde, scheint es übrigens wirklich zu geben. Wenn auch nicht bei Intel & Co., sondern im Museum.


Bandbeschleuniger Algorithmus

Vielleicht landet auch das NetzDG irgendwann mal im Museum, wer weiß? Seit vergangener Woche ist es Dauerthema im Altpapier (gestern, vorgestern, Freitag, Donnerstag) und auch heute gibt es noch jede Menge Senf, den verschiedenste Autoren noch zur Debatte dazugeben wollen. Im Haus der Geschichte oder im Deutschen Historischen Museum werden die Besucher vielleicht irgendwann mal kopfschüttelnd vor den Erklär-Tafeln stehen und sich fragen, was die sich damals dabei gedacht haben, als die digitale Meinungsbildung noch #Neuland für das deutsche Rechtssystem war.

Auch die deutsche Unesco-Kommission fürchtet scheinbar Ähnliches fordert eine neue Gesetzgebung gegen Hass im Netz. Laut einer epd-Meldung bei 3sat empfiehlt Wolfgang Schulz, Vorsitzender des Fachausschusses Kommunikation und Information der Deutschen Unesco-Kommission, eine Überprüfung des Gesetzes von einer unabhängigen Stelle nach wissenschaftlichen Standards und mehr Rechte für Opfer:

"Ein wichtiges Element zur Bekämpfung von Hass im Netz sei die Einrichtung einer Beschwerdestelle. Es komme darauf an, die Opfer zu stärken und mit Informationen zu versorgen, wie sie sich wehren können. Das sei aber in Deutschland im Augenblick kaum in der Diskussion. Zudem müssten die Täter effektiv verfolgt werden, betonte der Direktor des Hamburger Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung. (…) Das NetzDG verpflichte zwar die Plattformen, strafrelevante Inhalte zu löschen, damit finde aber keine Strafverfolgung statt. Ermittlungsbehörden müssten personell und technisch besser ausgestattet werden und dann auch Strategien des Vorgehens gegen Hassreden im Netz entwickeln."

Schulz habe dazu auch eine Selbstkontrolleinrichtung für die Online-Plattformen vorgeschlagen, die ähnliche Aufgaben übernehmen soll, wie es die Landesmedienanstalten als Aufsichtsbehörde für private Sender tun.

Ähnliche Änderungsvorschläge äußert auch Götz Hamann von der Zeit und fordert vor allem beim Löschen mehr Austausch zwischen Staat und sozialen Netzwerken, um die Kontrolle über die Meinungsfreiheit zu behalten:

"Zu schnell wurde es (NetzDG) im vergangenen Sommer entworfen, zu offensichtlich fehlt zum Beispiel eine vom Staat finanzierte Stelle. In der müssen Fachjuristen sitzen, mit denen sich Twitter, Facebook und andere Digitalkonzerne austauschen, wenn sie einen Post oder einen Tweet löschen wollen, aber sich nicht sicher sind. Das würde Fehler wie im Fall des Satire-Magazins verringern. Und der Staat würde in den so wichtigen sozialen Medien die Hoheit über die Grenzen der Meinungsfreiheit behalten und sie nicht Konzernen überlassen."

Das Gesetz komplett abzuschaffen, wie es teilweise die Opposition und der DJV fordern, hält Hamann allerdings für falsch. Denn durch Grenzfälle werde eine gesellschaftliche Diskussion angeregt.

"Dieses Gesetz nun zurückzunehmen, bloß weil es Schwächen hat und das Problem nicht binnen Tagen löst, dessentwegen es erschaffen wurde, wäre absurd. Im Gegenteil, die Aufmerksamkeit, die das NetzDG auf die Grenzfälle der Meinungsfreiheit lenkt, ist gut. Das Gesetz führt ja eben nicht dazu, dass Äußerungen aus dem Internet verschwinden, sondern überweist üble Wortmeldungen in eine Quarantäne-Station, bis sich Gerichte damit beschäftigen. In der Zwischenzeit wird das Gesagte zum Gegenstand einer gesellschaftlichen Diskussion."

Aktuell ist das wohl so, wenn die Löschungen in größerem Rahmen auffallen. Adrian Lobe befürchtet bei spektrum.de aber für die Zukunft genau das Gegenteil:

"Das Problem ist, dass Auslegungsstreitigkeiten wie etwa die Frage, ob eine Hitler-Kostümierung unter Kunstfreiheit fällt, nicht einer offenen Diskussion zugeführt, sondern autoritativ in einem intransparenten Verfahren entschieden werden. Der Algorithmus identifiziert per Mustererkennung ein Hakenkreuz und sagt: Das darf nicht gezeigt werden! Graubereiche gibt es in den binären Entscheidungsstrukturen nicht. Für Algorithmen ist alles alternativlos."

Der Digitalkolumnist bemüht schließlich noch die alten Römer und ihre Handhabe zur Freilassung von Sklaven, um dem NetzDG in seinem Text endgültig den Todesstoß zu verpassen. Das hätte wohl auch perfekt in eine FDP-Pressemitteilung zum Thema gepasst:

"Im Ergebnis führen die algorithmischen Filtersysteme zu einer Umkehr des Prinzips "in dubio pro libertate" (im Zweifel für die Freiheit). Unter dem Regime des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes gilt: im Zweifel gegen die Freiheit."

Was bei der Debatte wohl auch noch erschwert sind persönliche Animositäten, die den Blick auf’s große Ganze erschweren. Maas will natürlich nicht sein Gesicht verlieren, die Koalition auch nicht. Interessensverbände bringen mit einer Rhetorik wie "Gaga-Vorschrift" (Grüße an den DJV) die "hysterische Debatte" (Lobe) inhaltlich auch nicht grade konstruktiv voran. Aufmerksamkeitsökonomie rules! Gut, dass es da immerhin noch Algorithmen gibt, die die Schuld auf sich nehmen können. Nochmal Lobe:

"Dass die Zensurvorwürfe ausgerechnet von der AfD kommen, welche die Grenzen der Meinungsfreiheit strapaziert und teils auch überschreitet, ist eine unangenehme Begleiterscheinung dieser hysterischen Debatte. Die Vorwürfe einer privaten Meinungspolizei lassen sich angesichts der Zensurpraxis kaum entkräften. Man sollte wissen, dass Algorithmen als Brandbeschleuniger wirken, indem sie durch Hyperpersonalisierung das Diskursklima zusätzlich anheizen – und als Feuerlöscher dieses Flächenbrands denkbar ungeeignet sind."

Noch kurz zur Lesermeinung: Bei dem Opinary-Tool unter dem Welt-Artikel zum NetzDG befanden bis zum Mittwochmorgen 82 Prozent der Leser, die Regelung bedrohe die Meinungsfreiheit. Natürlich nicht repräsentativ, aber immerhin eine ganz grobe Orientierung.


Liebe, Shitstorm, kulturelle Differenzen

Ein weiteres Thema, das die Gemüter anheizt und (vor allem in den sozialen Netzwerken) zuweilen ins Hysterische abzugleiten scheint, ist die Diskussion um den Kika-Film "Malvina, Diaa und die Liebe". Wie bereits gestern hier im Altpapier festgestellt, ist die Aufregung bereits mehrstufig eskaliert.

Auch mit dem Statement von Kika (Disclaimer: der MDR wirkt federführend beim öffentlich-rechtlichen Kika mit) hat die Diskussion nicht beruhigt. Stefan Winterbauer findet die Alterskorrektur "ein wenig seltsam" und die Kommunikation der Korrektur "etwas zu lapidar". Bei meedia.de schreibt er:

"Folgt man der Äußerung des Senders, war Malvina zum Zeitpunkt des Drehs 16 Jahre alt und Diaa 19. Wenn Diaa zum Zeitpunkt des Kennenlernens 17 Jahre alt war, müsste Malvina dann 14 oder 15 Jahre alt gewesen sein. Die Problematik, dass einige Jahre Altersunterschied wenige Monate später Auslöser einer Debatte sein können, war den Produzenten womöglich nicht bewusst. Vertrauenserweckend wirkt diese Form der Korrektur aber auch nicht."

Und weiter:

"Bei der Altersangabe von Diaa findet sich nun ein Sternchen mit dem lapidaren Vermerk 'Aktualisierung der Redaktion am 08.01.2018, 17:06 Uhr'. Die ausführliche Erklärung, wie es zur falschen Altersangabe kam, muss man sich selbst im Netz suchen. Zumal mancher Zeitgenosse nun womöglich auch die neue Altersangabe bezweifeln mag. Der Fall zeigt einmal mehr wie wichtig größtmögliche Transparenz bei der Fehlerkorrektur durch Medien im Zeitalter von Social Media ist."

Dass es bei der Kommunikation eigener Entscheidungen mit Diskussionspotenzial, eigener Fehleinschätzungen und deren Transparenz bei den Öffentlich-Rechtlichen noch, nun ja, Optimierungspotenzial gibt, haben im vergangenen Jahr ja einige Fälle bewiesen (Stichwort: Antisemitismus-Doku oder die Nachricht über Tod einer Studentin in Freiburg).

Alexander Krei wirft bei dwdl.de die Frage auf, ob die Machart des Films angemessen sei für die Kika-Zielgruppe. Obwohl die HR-Produktion ohne Kommentar auskomme, würden die Probleme der deutsch-syrischen Beziehung zwischen Malvina und Diaa zwar "keineswegs ausgespart", aber:

"Fraglich bleibt am Ende, ob der große Teil der Kika-Zielgruppe der 3- bis 13-Jährigen die angesprochenen Probleme in der Beziehung zwischen Malvina und Diaa einzuordnen weiß. Der Kika verteidigt jedoch das Vorgehen. ''Schau in meine Welt' ist eine Dokumentations-Reihe und erzählt Geschichten konsequent aus der Sicht von Protagonistinnen und Protagonisten. Es geht darum, möglichst authentisch ihre Innensicht zu zeigen und die Welt aus ihrer Sicht zu erzählen', heißt es."

Der rechte Shitstorm bei Twitter inklusive Staatsmedien- und Zuwanderungspropaganda-Rhetorik geht übrigens noch immer weiter. In der Berliner Zeitung wirft Harry Nutt einen Blick darüber hinaus und schaut auf das gesellschaftliche Klima und warum es vielen scheinbar so schwer fällt, den Film einfach als "genaue Studie über kulturelle Differenzen" zu sehen:

"Dem neutralen Beobachter dieser einfühlsamen Beschreibung des Paares kommen natürlich Zweifel, ob diese Beziehung eine Chance haben kann. Der gesellschaftliche Druck, der auf ihr lastet, ist unübersehbar. Und so ist der Film nicht zuletzt eine genaue Studie über kulturelle Differenz. Dass er so nicht gesehen werden kann, ist das Ergebnis einer ideologischen Debatte, in der Aufklärung nur noch eine geringe Rolle spielt."

Kritik an der Kommunikation rund um das Alter Diaas ist sicherlich berechtigt. Aber würde eigentlich jemand schreien, wenn über solche Themen – die ja nun mal ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind – aus Angst vor den Reaktionen nicht mehr berichtet würde? Ich wage zu bezweifeln, dass rechte Twitter-Aktivisten dann von Selbstzensur sprechen würden. Zum Nachdenken dazu noch ein kurzer Absatz dem bereits erwähnten NetzDG-Text von Adrian Lobe bei spektrum.de:

"Der moralische Furor über Fake News hat dazu geführt, dass alles, was annähernd nicht der objektiven Wahrheit entspricht, im Verdacht der Meinungsmanipulation steht. So haben im vergangenen Jahr norwegische und schwedische Tageszeitungen in vorauseilendem Gehorsam auf den obligaten Aprilscherz verzichtet, aus Angst, zensiert zu werden – und sich am Ende selbst zensiert."

In dubio pro Selbstzensur wäre allerdings ganz sicher die falsche Antwort auf solche Reaktionen. In dubio pro Transparenz, das sollten wir ausrufen.


Altpapierkorb (Türkei, Tagesschau-App, Bannon, BlingBlingBöhmi):

+++ Tut sich da etwa was im Land mit den meisten inhaftierten Journalisten weltweit? Das türkische Verfassungsgericht will sich am Donnerstag mit den Beschwerden zweier Journalisten und eines Mitarbeiters der Oppositionszeitung Cumhuriyet gegen ihre Haft auseinandersetzen, schreibt Hasan Gökkaya bei Zeit Online: "Als oberstes Gericht könnte es demnach auch eine Grundsatzentscheidung fällen, die Auswirkungen auf die Inhaftierung der etwa 150 Journalisten in der Türkei hat." Hoffnung für Deniz Yücel? Sein Anwalt Veysel Ok zeigt sich sehr verhalten optimistisch. "Es könnte positive Auswirkungen auf seine Situation haben, allerdings hängt das wirklich davon ab, wie das Urteil am Ende konkret lautet."

+++ Kleines Update zum Streit um Presseähnlichkeit beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Man hätte annehmen können, der Streit um die Tagesschau-App sei erledigt, nachdem das OLG Köln die App als zu presseähnlich eingestuft und der Bundesgerichtshof eine Revision nicht zugelassen hatte. Der NDR wolle das nicht akzeptieren und habe eine Anhörungsrüge beim BGH eingereicht, heißt es in einer epd-Meldung auf der FAZ-Medienseite (online nur bei Chrismon). Der NDR sieht "einen Verstoß gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör".

+++ Zwei Herren können/wollen/sollen/dürfen nicht mehr: 1. Stephen Bannon, ehemaliger Trump-Berater und Breitbart-Chef, gibt seinen Posten bei dem rechtskonservativen Nachrichtenportal ab. SZ.de und Zeit Online bringen das mit seinen Äußerungen zum Trump-Skandalbuch "Fire and Fury" in Verbindung.  +++ 2. Jürgen Todenhöfer tritt als Herausgeber des Freitags zurück. Mehr dazu unter anderem bei Spiegel Online.

+++ Kann man bzw. frau Jan Böhmermann und das ZDF bald bei Tiffany’s kaufen und am Ringfinger tragen? Hört sich jedenfalls so an, wenn man das Statement von ZDF-Intendant Thomas Bellut zum Start des "NeoMagazins" am 1. Februar liest: "Ich bin froh, dass wir ihn haben und ich denke, er ist auch froh, dass er uns hat. Wir sind der ideale Ring um dieses Juwel". Stellt sich nur noch die Frage: Silber, Gold oder Platin? In voller Schönheit gibt’s das Ganze z.B. in einer dpa Meldung bei der Hamburger Morgenpost. Lassen Sie sich verzaubern! +++ Und für Fanboys: Ab Februar gibt’s beim "NeoMagazin Royale" ein neues Studio und auch inhaltlich soll einiges anders werden, schreibt Alexander Krei bei dwdl.de. Vielleicht gibt’s da mehr BlingBling?

+++ Um mal einen Blick über Deutschland hinaus zu werfen: Bei Deutschlandfunks @mediasres gibt es einen hörenswerten Beitrag über den Stellenabbau in der argentinischen Medienbranche, über regimekritische Journalisten und wie sie für ihre Freiheiten kämpfen. In den ersten beiden Regierungsjahren der Mitte-rechts-Regierung Macri haben demnach über 3.000 Journalistinnen und Journalisten ihre Stellen verloren.

+++ Gute Nachrichten für Leichtathleten und Menschen, die lieber auf der Couch sitzen und ihnen dabei zuschauen: ARD und ZDF haben ihre Übertragungsrechte vorzeitig verlängert und übertragen die Wettkämpfe bis mindestens 2024, berichten digitalfernsehen.de und dwdl.de.

+++ Noch kurz vor Altpapier-Deadline veröffentlicht: Der Report "Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2018" des Oxforder Reuters Institut. Passend zu Zensur-Diskussion um das NetzDG ist die steigende Besorgnis von Medienmachern gegenüber großen Plattformen und deren Einfluss auf Medieninhalte ein Teil davon. 

+++ In ihrer Serienkritik für FAZ.net vergleicht Heike Hupertz den Amazon-Neuling "The Collection" mit "Mad Men". Die französisch-britische Produktion wirke allerdings "insgesamt weniger modern denn märchenhaft. (…) Von der reduzierten erzählerischen Komplexität einmal abgesehen, überzeugt die Besetzung der Hauptrollen mit britischen und amerikanischen Schauspielern fast durchweg." Sie zieht Parallelen zu "Babylon Berlin": "‘The Collection‘, 2016 mit France Télévisions und BBC Worldwide entstanden, ist auch das erste britisch-französische Beispiel eines Fernsehgeschäftsmodells, bei dem wie bei 'Babylon Berlin' öffentlicher Sender mit Privatwirtschaft gemeinsam produziert."

+++ Nach einer Mischung aus Orwell und Black Mirror (die vierte Staffel ist ja seit einer Woche bei Netflix online) hört sich das an, was da rund um die CES (Consumer Electronics Show) berichtet wird. Presselieblinge sind die intelligenten Kiffergadgets, ein selbstfahrender Bus und zusammensteckbare TV-Bildschirme. Hauptsache, es ist smart und kann sprechen…

+++ An dieser Stelle hatten wir gestern aufgegriffen, dass Silke Burmester zu Springer geht. Die Nachricht sorgte scheinbar für Irritationen. Jedenfalls sah Burmester sich wohl gezwungen, dazu nochmal ein eigenes Statement zu schreiben. Als neue Macherin wird sie das Kulturmagazins Die Dame leiten, ein "anspruchsvolles Magazin mit großem feministischem Wumms", wie sie schreibt. Zu ihrer einstigen Abneigung dem Medienkonzern gegenüber schreibt die Journalistin: "Ist Springer überhaupt noch 'schlimm'? Werde ich langsam altersmilde? Nein? Ja? Vielleicht? Und nein, egal sind die Antworten nicht. Aber für mich entscheidend ist die Möglichkeit, eine Situation – zumindest temporär – verlassen zu können, die zusehends perspektivlos wird."

Neues Altpapier gibt’s wieder am Donnerstag.