Collage zur Medienkollumne Das Altpapier vom 11. Januar 2018
Bildrechte: Collage MEDIEN360G/Panthermedia/dpa

Das Altpapier am 11. Januar 2018 Ein nicht enden wollender Unfall

Wenige Tage vor Donald Trumps Einjährigem verhindert ein Enthüllungsbuch, dass die Spannung in der Präsidenten-Soap nachlässt – gerät dabei aber in die Kritik. Und endlich gibt es ein abschließendes Urteil über die Kika-Liebes-Doku.

Collage zur Medienkollumne Das Altpapier vom 11. Januar 2018
Bildrechte: Collage MEDIEN360G/Panthermedia/dpa

Die bislang steilste Karriere in diesem kurzen Jahr hat wahrscheinlich Michael Wolff gemacht, der Autor des Trump-Enthüllungsbuchs "Fire and Fury". Und das scheint sogar den Autor selbst etwas überrascht zu haben. Über seinen Auftritt in der Late-Night-Show von Stephen Colbert schreibt Meedia:

"Die Nachfrage von Colbert, ob ihn die mediale Wucht seiner Äußerungen überrascht habe, bejaht Wolff. Er dachte, dass man vieles doch ohnehin schon gewusst hat. Gegenüber seinem Verleger äußerte der 64-jährige Autor ebenfalls Bedenken wegen der enorm hohen Auflagenzahl. Schließlich stünde doch nicht viel Neues in seinem Buch."

Das klingt angesichts des großen Erfolgs doch irgendwie sympathisch bescheiden. Der Erfolg ließe sich aber trotzdem einfach erklären. Tageszeitungen haben das jahrelang so gemacht. Die große Nachricht aus den Abendnachrichten groß auf die Titelseite. Die Leute vergewissern sich ja eh am liebsten der Dinge, die sie eh schon wissen. Und im Prinzip funktioniert ja so auch die weltweit vielleicht größte Bestätigungsmaschine: Facebook.

Kerstin Kohlenberg hat Wolff in einem Interview für die Zeit, das in der aktuellen Ausgabe erschienen ist (leider noch nicht frei verfügbar), mit der Frage konfrontiert, ob es sich bei seinem Buch nicht einfach um Bestätigungsjournalismus handelt.

Michael Wolff:

"Nein, das Buch ist kein Bestätigungsjournalismus. Es ist Harry Potter."

Ach so. Eine fantastische Geschichte, die fantasievoll erzählt ist, aber doch nur Fiktion? Was davon sollte man dann denn überhaupt glauben?

Die Antwort auf diese Frage gibt Wolff bei Meedia:

"Sie sollten alles glauben."

Wenn man einige Texte über "Fire and Fury" gelesen hat (im Buch selbst hab ich leider erst hundert Seiten geschafft. Wirklich sehr spannend. Wie Harry Potter!), bleibt der Eindruck zurück, dass möglicherweise nicht nur Donald Trump ein Typ mit zweifelhaften Methoden sein könnte, sondern auch Michael Wolff selbst, wobei eine Erklärung dafür natürlich der Neid von Kollegen sein könnte. Im Falle der schlechten Kritik der New York Times hält Wolff das jedenfalls für die plausibelste Erklärung.

"Ich glaube, die New York Times wurde von meinem Buch genauso überrascht wie Trump. Sie dachte, die Geschichte über Trump gehört ihr. Und da komme ich daher, ein freier Journalist außerhalb der journalistischen Clubs und dem Washingtoner politischen Zirkel. Und jetzt sind sie beleidigt, weil ich ihnen den Scoop des Jahrhunderts weggenommen habe."

Dass Wolff seine Enthüllung zum einen als "Scoop des Jahrhunderts" bezeichnet, selbst aber gleichzeitig einwendet, er sagte ja nicht viel Neues, spiegelt auch ein Problem des Buches wider, vor dem Wolff während der Recherche stand und nun nach der Veröffentlichung leider immer noch der Leser: Man weiß nicht so recht, was man glauben darf. Ein Problem, das jeder Journalist kennt, das üblicherweise aber einfach durch Recherche gelöst wird. Wolff hat zwar nach eigenen Angaben drei Faktenchecker beschäftigt, behauptet aber mehr, als er belegen kann, was nun Inhalt der Kritik an seiner Arbeitsweise ist.

"In seinem Vorwort zu 'Fire and Fury' schreibt er (...), dass er nicht immer wisse, ob alle ihm mitgeteilten Informationen und Anekdoten der Wahrheit entsprechen würden. Aber warum hat er die Fakten nicht gecheckt? Wieso lässt er dem Leser einen derart großen Interpretationsspielraum? Und wie soll ein durchschnittlich interessierter Bürger überhaupt zwischen Fakt und Fiktion unterscheiden? Es sollte die Aufgabe eines Chronisten sein (gerade in Zeiten von Trump und Co.) eben jene Unwägbarkeiten zu klären und dem Leser ein möglichst wahrhaftiges Bild zu präsentieren. Oder klar darauf hinzuweisen, wann die Grenze des Faktischen überschritten wird und die Spekulation beginnt",

bemängelt Thomas Borgböhmer für Meedia. Kein guter Ratschlag ist jedenfalls der, den Wolff selbst gibt, nämlich "dass etwas wahr sei, wenn es wahr klinge". Danach würden vom gesamten Buch allenfalls ein paar Seiten stimmen.

Einen Eindruck davon, um welche Textstellen es überhaupt geht, gibt Marc Pitzke in seinem Faktencheck für Spiegel Online. Wolff selbst weist alle Vorwürfe von sich. Er sagt, er habe Notizen und Audio-Mitschnitte, was in Stephen Colberts Late-Night-Show zu einer Szene führte, die für einen kurzen Moment die Erinnerung an den Fall Comey wieder wach werden ließ.

"Late-Night-Talker Colbert beendet das Interview elegant, indem er sich bei Wolff für das Buch 'Fire and Fury' bedankt und hinzufügt, dass er sich schon sehr auf die Audio-Aufnahmen seiner Gespräche freue. Denn zuvor war der Autor geschickt bei der Frage ausgewichen, warum er seine Belege für den Wahrheitsgehalt vieler seiner Behauptungen nicht einfach veröffentlichen würde."

Ein weiteres Déjà-vu löst die Diskussion um Trumps Geisteszustand aus. Michael Wolff berichtet in "Fire and Fury", dass Menschen, die Donald Trump nahestehen, sagen, er leide unter Demenz in einem frühen Stadium. Der Fernsehmoderator Joe Scarborough hat vor zwei Tagen öffentlich gemacht, dass die Washington Post Passagen in seiner Kolumne, in denen er das ebenfalls zur Sprache brachte, gestrichen habe.

Margaret Sullivan greift das für die Washington Post in ihrer Medien-Kolumne auf. Sie hat den verantwortlichen Redakteur gefragt, und der kann die Streichung auch ganz plausibel erklären:

"He told me that he was uncomfortable with Scarborough’s reporting that suggested a specific medical diagnosis, especially since it would have been attributed to an unnamed source who was not a medical professional."

Vor allem aber schreibt Margaret Sullivan einen klugen Satz, den man sich auf jeden Fall merken sollte:

"There’s a fine line between taking up - in reporting and commentary - Trump’s fitness for office and outright speculating that he is mentally ill."


Wie echt ist Steven Bannon?

Beim Blick in den Kalender fiel mir soeben auf, dass in spätestens neun Tagen viele Texte erscheinen werden, die das erste Jahr der Welt unter Donald Trump bilanzieren werden. Und möglicherweise wäre das auch ein guter Anlass, um wissenschaftlich die Frage zu untersuchen, ob die Gesetze der Aufmerksamkeit hier zum ersten Mal in der Geschichte außer Kraft gesetzt wurden. Normalerweise ebbt das Interesse ja auch nach den größten Katastrophen spätestens nach wenigen Wochen wieder ab. Hier scheint es wie mit einem Autofahrer zu sein, dem man ein Jahr lang dabei zuschaut, wie er beim Versuch auszuparken den vor ihm stehenden Wagen rammt, zurücksetzt und gegen das hinter ihm stehende Auto fährt, den ersten Gang einlegt und das davor rammt, und man wartet gespannt darauf, dass irgendwann eines der beiden Autos endlich explodiert, was aber doch nie passiert, und so geht es dann eben weiter.

Die meisten dieser Katastrophen können uns hier im Altpapier zum Glück egal sein, solange es keinen Atomkrieg gibt, aber vielleicht doch ein kleines Detail aus Fall Stephen Bannon, der von der Dramaturgie her ein bisschen an die Bundesliga-Hinrunde des 1. FC Köln erinnert. Im Zusammenhang mit der Meldung, Bannon habe nun auch seinen Posten als Breitbart-Chef verloren las man unter anderem bei DWDL, er habe bei Twitter angekündigt, dass man noch von ihm hören werde.

"(…) ob das Zitat echt ist, daran bestehen große Zweifel. So ist das angebliche Bannon-Profil nicht von Twitter verifiziert worden. Zudem nennt sich Bannon hier 'Steven Bannon' – tatsächlich heißt er Steve oder Stephen. Darüber hinaus existiert dieser Twitter-Account zwar bereits seit Februar 2017, war aber kaum aktiv. Lediglich 14 Tweets setzte 'Steven Bannon' bislang ab."

Hier machen wir jetzt mal einen überraschenden Schnitt und kommen zu einem anderen eigentlich schon gestern ausgelutschten Thema, das aber weiterhin Journalisten-Deutschland in Atem hält.


Die Kika-Doku über Liebe

Michael Handfeld widmet sich der verspäteten Diskussion über den Film auf der FAZ-Medienseite (für 45 Cent bei Blendle) in seiner ganzen Länglichkeit und nennt den Flüchtling Diaa, einen der beiden Protagonisten des Films, der sich später in einer Talkshow Mohammed nannte, durchweg "Diaa oder Mohammed" und ist sich erwartungsgemäß mit dem Kika und dem Hessischen Rundfunk nicht ganz einig über die Qualität des Films (was bisher geschah: Altpapier von gestern):

"Der Hessische Rundfunk, der den Film für den Kika erstellt hat, teilt mit: Die Beziehung zwischen dem Mädchen und dem jungen Mann werde 'weder idealisiert noch als unmöglich dargestellt. Was macht eine solche Beziehung aus? Wo liegen die Schwierigkeiten? Ungeschönt zeigen die Protagonisten selbst die Probleme auf, die es gibt und die so einfach nicht zu lösen sind.' Da haben wir wohl einen anderen Film gesehen.’"

Hanfeld bezweifelt vor allem, dass der Film so für sich stehen kann:

"Dass es sich hier um eine Liebesgeschichte handelt, die zwischen 'gleichberechtigten Partnern' spielt, darf einem indes fragwürdig erscheinen: Wir sehen, wie eine Jugendliche, die noch keinen klaren Lebensentwurf hat, auf einen jungen Mann trifft, der genau weiß, welche Rollen er und 'seine Frau' in der Welt spielen sollen. Sie gibt Freiheiten auf, bevor sie sich ausprobiert hat, passt sich seinen Vorstellungen und Vorschriften an und ordnet sich unter. Er nutzt die Freiheiten, die er in diesem Land hat, und verbindet sie mit den aus seinem Kulturkreis stammenden kulturellen und religiösen Regeln, nach denen er auch hier leben will. Was das für seine künftige Frau bedeuten könnte, muss einem nicht unbedingt als Gipfel der Emanzipation erscheinen."

Allen, die immer noch nicht ganz im Bilde sind, aber langsam anfangen, sich für den Fall zu interessieren, sei der Text von Boris Rosenkranz empfohlen, in dem er sich für Übermedien die Mühe gemacht hat, den kompletten Hergang zu schildern, und in dem er ebenfalls das Format kritisiert.

"Es gibt ja durchaus Punkte, die man diskutieren kann. War es zum Beispiel klug, dass der Kika dieses Thema in dieses Format gegossen hat? Ganz ohne Kommentierung? Eher nicht. Zumal man hätte ahnen können, was kommt, wenn das jemand entdeckt."

Gleichzeitig weist er auf die Absurdität der Situation hin:

"Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird ja gerne von Rechts vorgeworfen, er versuche zu vertuschen, zum Beispiel die 'Wahrheit' über Migranten. Hier hat er sie mal ungefiltert gezeigt: die Weltsicht eines jungen syrischen Mannes – und alle geißeln den Sender."

Und dann nahm alles doch noch eine überraschende Wendung. Der Kika löschte die sich an die Doku anschließende Talkrunde, die einige der offenen Fragen möglicherweise hätte beantworten können.

Boris Rosenkranz:

"Seit gestern ist sie nicht mehr abrufbar, ohne Hinweis. So kann man eine ohnehin schon brennende Debatte natürlich noch zusätzlich anheizen, weil immer irgendwer eine Verschwörung riecht, wenn etwas aus einer (öffentlich-rechtlichen) Mediathek gelöscht wird. Auf Anfrage teilt der Kika mit, man habe die Talkrunde 'zum Schutz der beiden noch jungen Protagonisten' offline gestellt. Wieso ohne Hinweis, sagt er nicht. Aber, gut: Wann hat der Kika einen solchen Sturm schon mal erlebt? Es bleibt trotzdem unprofessionell."

Und das ist alles wirklich sehr schade, weil es ja eine sehr gute Gelegenheit gewesen wäre, über das Thema so zur sprechen, dass am Ende der Diskussion keine verzweifelte Genervtheit steht, sondern vielleicht sogar so etwas wie ein Erkenntnisgewinn. Schön wäre das. Eigentlich. Aber dann fällt einem auch gleich schon wieder ein: Wenn der Kika alles richtig gemacht hätte, hätte es wahrscheinlich auch keinen interessiert und wir hätten gar nicht von der Existenz dieses Films erfahren.


Bequemlichkeit is King

In gewisser Weise geht es um ein entfernt mit der Ignoranz verwandtes Thema in dieser Woche auch in Sascha Lobos Spiegel-Online-Kolumne. Sie merken schon die Überleitung ist etwas holprig, aber Sie werden sich wahrscheinlich eh nicht die Mühe machen, hier alles noch mal nachzurecherchieren – jedenfalls dann nicht, wenn Lobos These stimmt.

"Die Weltmacht Bequemlichkeit schlägt alles, sogar deutsche Bedenken."

Der Text handelt von Smart Speakern, Lautsprechern, die auf Fragen antworten (nicht zu verwechseln mit dem thailändischen Ministerpräsidenten – einem Lautsprecher, der nicht auf Fragen antwortet, jedenfalls nicht auf die von Journalisten), und erst mal haben Smart Speaker natürlich nichts in einer Medienkolumne zu suchen. Aber es steht ein schöner Gedanke im Text, der, wenn man ihn vorher gekannt hätte, wahrscheinlich viele später gescheiterte Projekte verhindert hätte, deren Ziel es war, den Journalismus vom Papier ins Digitale zu übertragen.

Falls hier also gerade ein Vertriebsverantwortlicher eines Verlags mitlesen sollte, der sich fragt, warum kaum ein Leser bereit ist, nur mal eben seine Adresse, seine Bankverbindung und noch ein paar weitere unwesentliche Information zu geben, um dann auf eine Bestätigungs-E-Mail zu antworten und via Tagespass nach nur wenigen Minuten Zugriff auf einen Artikel zu haben, in dem ihn im Grunde nur ein Foto interessierte – der Gedanke lautet wie folgt:

"Erst wenn die Zukunft unkompliziert, unnerdig und unanstrengend genug ist, ist sie reif für die Bevölkerung. Wer vor der Erfindung des App Store versucht hat, Software auf dem Mobiltelefon zu installieren, weiß, dass Niedrigschwelligkeit Märkte entstehen lässt, auf Kosten bestehender Märkte."

Und damit kommen wir auch schon gleich zum…


Altpapierkorb

+++ Der hier am Montag schon behandelte Dreiteiler Tannbach (Altpapier) ist vor der Ausstrahlung des letzten Teils heute Abend (20.15 Uhr, ZDF) noch einmal im Tagesspiegel Thema. Bernhard Schulz hält die Serie erzählerisch für nicht ganz so gelungen, findet den Ansatz aber hervorragend: "Geschichte kommt zur Darstellung, auch wenn "Tannbach" seine Figuren mit tausendundeinem Thema überfrachtet, von den Heimkindern bis zum §175, und auch noch eine Spionage-Klamotte dranhängt, dass ein John Le Carré die Augen verdrehen müsste. Doch vorm Bildschirm werden sich Diskussionen entsponnen haben, ob das denn alles so gestimmt hat – hat es nicht, wie denn auch – und wie es "in Wahrheit" gewesen ist, wo doch die Wahrheit für jeden Einzelnen eine andere war und bleibt. Und das ist eine große Leistung, die am Anfang stehen kann einer tieferen, einer emotionalen, scham- und angst- und wutbesetzten Auseinandersetzung mit der Geschichte und was sie mit uns und unseren Eltern und Vorfahren gemacht hat. Vielleicht ist 'Tannbach' als Fernsehserie gescheitert. Aber es ist ein Scheitern, das aller Ehren wert ist. Immerhin."

+++ Überall in Europa stehen öffentlich-rechtliche Sender in der Kritik. Caroline Schmidt, Gabriella Balassa, Daniel Bouhs und Stefanie Groth haben sie für das Medienmagazin "Zapp" besucht und gefragt, wie man dort mit der Kritik umgeht.

+++ Der Nordkurier hat 60 Zeitungszustellern gekündigt, berichtet Gregory Lipinski für Meedia. Nach eigenen Angaben, weil es zu teuer ist, die dünn besiedelten Regionen in Mecklenburg-Vorpommern mit Zeitungen zu beliefern. Die Gewerkschaft Verdi vermutet einen anderen Hintergrund. Sie hält den Rauswurf für eine "Reaktion des Verlags darauf, dass die Mitarbeiter einen Betriebsrat gründen wollten. Er hätte unter anderem dafür gesorgt, dass die Arbeitszeiten eingehalten werden. Denn die Zusteller klagen laut Verdi über nicht bezahlte Überstunden. 'Der Nordkurier hat miserable Arbeits- und Einkommensbedingungen. Anstatt sich mit Betriebsräten und verdi sachorientiert auseinanderzusetzen, wählt die Geschäftsführung den vermeintlich einfachen Weg der Betriebsschließung und entlässt 60 loyale Zeitungs- und Briefzusteller in die Arbeitslosigkeit', rügt Verdi-Vertreter Lars-Uwe Rieck das Vorgehen."

+++ Deutsche Verlage haben im vergangenen Jahr mit Bezahlinhalten einen Umsatz von 320 Millionen Euro erzielt. Das 16 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, wie Meedia berichtet. Allein neun Prozent gehen an Springer. Für Magazine sieht es weiter eher mau aus, aber es keimt etwas Hoffnung. "Noch immer scheinen also vor allem die großen Magazin-Marken keine funktionierende Bezahlstrategie im Web gefunden zu haben. Bereits im vergangenen Jahr monierte die Untersuchung, dass es bei den Zeitschriften zu langsam voran geht. (…) Diese harsche Aussage gilt für 2017 nicht mehr so. 'Bei der Zeit ist Paid Content eingeführt worden, der Spiegel hat Spiegel Daily gelauncht', erklärt PV-Digest-Herausgeber Markus Schöberl gegenüber MEEDIA. Er sagt aber auch: 'Aber von einer massiven Paid Content-Forcierung ist ganz überwiegend immer noch nichts zu sehen.'"

+++ Vor 40 Jahren musste das Ost-Berliner Büro des Spiegels schließen, nachdem die Redaktion ein Manifest der Opposition veröffentlicht hatte. Das Manifest habe ich gestern bei Twitter gefunden, deswegen verweise ich hier auch noch mal auf den bei Spiegel Online erschienenen Text dazu vom Montag.

+++ Johannes Kram erklärt in seiner Bildblog-Kolumne, warum Rassismus auch Rassismus ist, wenn er nicht beabsichtigt ist.

+++ Der ehemaligen Freitag-Chefredakteur Christian Füller begründet in einer Replik auf einen Kommentar von Marvin Schade, warum die Berichterstattung des Zeit-Magazins über den Fall Wedel seiner Meinung nach absolut richtig ist. "Wahba und Simon haben auch nicht Sex, Macht-Missbrauch und das autoritäre Verhalten Wedels am Set unzulässig zu Lasten des Regisseurs verquirlt. Die Reporterinnen liefern kein simples #metoo-Remake, sie skizzieren vielmehr ein Big Picture, das große Drama nicht eindeutig zu klärender Vorwürfe. Dass das Film-Milieu mit seinen traumhaften Karrierechancen, aber brutalen Rekrutierungsbedingungen dafür ein ideales Umfeld bietet, wird nicht nur in den Schilderungen der Autorinnen deutlich."

+++ Und warum nicht zum Abschluss mal eine Umfrage? Die Meinungsforscher von marketagent.com haben, wie horizont.at berichtet, 630 Journalisten befragt und herausgefunden: Fast jeder Fünfte würde gern für die Zeit arbeiten, jeder Zehnte für die Bild-Zeitung. Fast jeder vierte männliche Journalist würde gerne Kim Jong-un interviewen. Aber für mich wirklich am überraschendsten: "Als besonders mühsam in Interviews entpuppt es sich für mehr als 4 von 10 Journalisten, wenn der Interviewpartner ununterbrochen ausweichend und nicht auf die eigentlichen Fragen antwortet." Mich würde ja wirklich interessieren: Was ist mit den anderen?

Neues Altpapier gibt es am Freitag.