Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 9. November 2018: In gelber Schrift steht auf schwarzem Hintergrund #unten.
Bildrechte: Collage MEDIEN360G

Das Altpapier am 9. November 2018 Halb Mensch, halb Bot

Ist der CNN-Reporter Jim Acosta, dem das Weiße Haus gerade die Akkreditierung entzogen hat, ein "Selbstdarsteller"? So what? Und wenn schon! Ist das zu diesem Zeitpunkt nicht die völlig falsche Frage? Außerdem: #unten ist das neue #MeToo. Ein Altpapier von René Martens.

Collage zur Medienkolumne Das Altpapier vom 9. November 2018: In gelber Schrift steht auf schwarzem Hintergrund #unten.
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Gehen wir heute einmal einen nicht ganz gewöhnlichen Weg und steigen beim Aufmacher des Tages mit einer Art Fazit ein und widmen uns erst später einigen Detailaspekten. Natürlich geht es zunächst um die Rüpeleien des amerikanischen Präsidenten gegen den CNN-Reporter Jim Acosta (siehe Altpapier und "GRIMBERG") und die Entscheidung des Weißen Hauses,  Acosta die Akkreditierung zu entziehen. Was sollten nun andere Journalisten tun?

"In response to a man who treats his Presidency as if it's a series of a particularly bizarre reality-TV show, the entire White House press corps should walk out. Deny him coverage. Take him off the air. Cancel his series. Leave him to rage into Twitter's echo chamber, which is all he deserves",

schreibt Jane Merrick in einem Kommentar bei CNN. Richtig so! Aber selbst daran halten wird sich der Sender wohl kaum. Darauf deutet schon die Autorenzeile hin: "Jane Merrick is a British political journalist and former political editor of the Independent on Sunday newspaper. The opinions expressed in this commentary are hers." Notierenswert ist allemal, dass der Sender aufgrund der Tatsache, dass er als Arbeitgeber Acostas in diesem Fall noch stärker Partei ist als andere Medienhäuser, eine freie Journalist*in und nicht eine Redakteur*in hat kommentieren lassen.

Zur gröberen Einordnung der Vorfälle heißt es bei @mediasres:

"In der Bundespressekonferenz wäre das nicht möglich. Denn hier ist die Presse selbst Gastgeber."

Darüber hat das DLF-Medienmagazin mit Wulf Schmiese, dem Redaktionsleiter des "Heute-Journals" gesprochen. Der sagt:

"Ich bin sehr dankbar für dieses einzigartige System bei der Hauptstadtberichterstattung."

Wobei wohl auch sehr viele US-Journalisten das in ihrem Land auch nicht für möglich gehalten hätten:

"This is something I’ve never seen since I started covering the White House in 1996. Other presidents did not fear tough questioning”,

twittert dazu jedenfalls Peter Baker von der New York Times.

Hubert Wetzel stellt heute auf der Seite 2 der SZ den CNN-Mann Acosta vor:

"Jim Acosta bot sich für eine Strafaktion geradezu an",

meint Wetzel. Klingt nach: Ein bisschen selbst Schuld hat der Bursche ja.

Weiter schreibt Wetzel:

"Der 47-jährige (…) hat es zu seinem Markenzeichen gemacht, Trump bei Pressekonferenzen herauszufordern. Er stellt dabei oft Fragen, die eigentlich keine echten Fragen sind, sondern als Fragen formulierte Vorwürfe oder Anschuldigungen. Wenn der Präsident dann eine Antwort verweigert, redet Acosta wie am Mittwoch einfach weiter. Der journalistische Erkenntnisgewinn solcher Duelle ist meist klein. Aber Acosta hat sich dadurch bei Trump-Kritikern den Ruf eines furchtlosen Kämpfers für die Presse- und Meinungsfreiheit erarbeitet."

Es seien aber

"nicht alle Kollegen in Washington überzeugt, dass die Medien so offen im Lager der Trump-Gegner stehen sollten: 'Das Problem bei Acostas journalistischer Methode ist, dass dabei nur sehr selten genug herauskommt, um entscheiden zu können, ob er nun ein beinharter Reporter ist, der sich einfach nicht abwimmeln lässt, oder nur ein Selbstdarsteller', schrieb Jack Shafer, Medienredakteur bei der Internetzeitschrift Politico, am Donnerstag. Und tatsächlich gibt es Reporter - allen voran Maggie Haberman von der New York Times und Jonathan Swan von Axios -, die viele unangenehme Dinge über Trump herausfinden und berichten, ohne sich je öffentlich mit ihm zu zoffen."

Was Maggie Haberman leistet, wissen wir ja seit Dienstag, seit wir die von Arte gezeigte Doku-Serie über die New York Times ("Mission Wahrheit") gesehen haben (siehe Altpapier). Ich bin mir angesichts des dort Gesehenen relativ sicher, dass es Haberman - derzeit zumindest ein kleiner Star im deutschen Nischenfernsehen - kaum Recht wäre, dass ihre und Acostas Arbeitsweisen hier gegeneinander ausgespielt werden, erst recht nicht aus diesem aktuellen Anlass.

Vor allem macht Wetzel hier ja nun eine völlig falsche Debatte auf: Ob Jim Acosta ein "Selbstdarsteller" ist - in Shafers Original ist von "grandstander" die Rede, was man auch mit Angeber, Wichtigtuer oder Effekthascher übersetzen könnte -, ist doch eine völlig irrelevante Frage. Selbst wenn er einer ist, rechtfertigt das nicht das Sandkistenrocker-Verhalten des Pressefreiheitshassers Trump.

Und überhaupt: Ist nicht jede Pressekonferenz immer auch eine Bühne zum Ausleben von Selbstdarstellungsgelüsten? Nicht zuletzt: Sind nicht verdammt viele großartige Journalist*innen nebenbei bzw. gleichzeitig eitle, wichtigtuerische Säck*innen?

Acostas Arm

Um einen technischen Aspekt geht es in der Acosta-Sache aus. Das Weiße Haus hat als Begründung für die Entziehung der Akkreditierung nämlich ein zwar vielleicht nicht im klassischen Sinne manipuliertes, aber an entscheidender Stelle bearbeitetes Video genutzt, das Paul Joseph Watson, Mitarbeiter der rechtsextremen Verschwörungs-Website Infowars, verbreitet hatte - was im übrigens so ungefähr ist, als würde die Bundesregierung was von Journalistenwatch retweeten.

Es geht um die Szene, in der eine Praktikantin des Weißen Hauses Acosta das Mikrofon abzunehmen versucht. In der offenbar in propagandistischer Absicht bearbeiteten Fassung ist aufgrund einer kurzzeitigen Veränderung der Bildgeschwindigkeit eine vermeintlich unzulässige Hand-/Armbewegung Acostas zu sehen. Tatsächlich verhält es sich aber, um es mit Gizmodo zu sagen, folgendermaßen:

"The only person who intentionally put their hands on someone is the intern."

Die Washington Post hat dazu Jonathan Albright vom Tow Center for Digital Journalism an der Columbia University befragt:

"Albright said videos like this pose an even greater risk of perpetuating misinformation than completely faked news videos, because they contain a grain of truth and will likely be given the assumption of accuracy.

'The most dangerous type of fake news and reporting and evidence is when you get into the fine details, the nuanced things that are shaped to present a certain viewpoint or decision or news a certain way,' he said. 'It’s not AI-generated or completely false. It’s something that’s real but has been literally stretched ... and molded into weaponized evidence.’”

Im Ton nach fatalistischer fällt das Fazit von Charlie Warzel bei Buzzfeed News aus, der von "a handy example of the coming video manipulation dystopia" spricht:

"To sum it up: A historically unreliable narrator who works for a conspiracy website tweets out a video in order to show alleged bad behavior on the part of a journalist. The clip goes viral. The White House picks up and disseminates that video and uses it as proof to ban the journalist from reporting at the White House. Outraged journalists decry the White House's use of a video taken from a historically unreliable narrator. Then, users attempt to debunk the video as 'actual fake news.' Others, unclear if the video is fake, urge caution, suggesting the media may be jumping the gun. An argument breaks out over the intricate technical details of doctoring a clip.

Fox News als Akteur der Indoktrination

Was macht eigentlich Georg Diez? Er ist weiterhin in der Spiegel-Welt unterwegs, obwohl er vor einigen Wochen sang- und klanglos als Spiegel-Online-Kolumnist ausgeschieden ist (anders als Jakob Augstein, der ein paar Abschiedsworte formulierte). Diez beschäftigt sich nun mit einem anderen Aspekt aus dem weiten Themenfeld Trump und die Medien, nämlich der Rolle von Fox News:

"Der Journalismus (…), wenn man das, was Fox News betreibt, überhaupt so nennen will, hat den Schritt von der Information zur Indoktrination gemacht. Für die Demokratie, die auf Informationen beruht, bedeutet das: Ihr fehlen von dieser Seite die wesentlichen Grundlagen. Aber schon vor der Wahl von Donald Trump wurde die amerikanische Gesellschaft ja von wichtigen Ökonomen wie Joseph Stiglitz eher wie eine Oligarchie beschrieben, die Herrschaft der Wenigen, und nicht wie eine funktionierende Demokratie, die Herrschaft der Vielen. Fox News ist der Sender, der zu dieser Realität passt, weil er hilft, sie zu erschaffen."

Eine Verwirrung der neueren Art

Der eben schon zitierte Charlie Warzel beleuchtet in einem weiteren aktuellen, an dystopischen Elementen ebenfalls nicht armen Beitrag für Buzzfeed News aus einer anderen Perspektive als Diez die einschneidenden Veränderungen in der amerikanischen Medienöffentlichkeit.

"There Was No Midterm Misinformation Crisis Because We've Democratized Propaganda. Years of algorithmically powered information warfare have ALREADY rewired our political discourse",

lauten Überschrift und Vorspann. Aufgreifenswert wäre eigentlich alles aus dem Artikel. Vielleicht die instruktivste Passage:

"For Geoff Golberg, a researcher who tracks political misinformation on Twitter, that means it’s getting harder to tell what’s authentic and what’s not. 'People get hung up on bots, but it’s so much more than that,' Golberg told BuzzFeed News. 'There’s all kinds of inauthentic accounts from automated spammers to sock puppets to human-run accounts that misrepresent themselves.' But it’s not just inauthentic accounts. Golberg’s network analyses of Twitter data reveal that, among many far-right and far-left influencer accounts, human and nonhuman users constantly interact with each other and often times leading to hostile interactions. And as inauthentic accounts grow more convincingly human, there’s evidence that human accounts have begun to adopt the mannerisms of automated Twitter users. ‚Real people are becoming more botlike, both in tweeting behavior and the way their profiles look, which only adds to the confusion,’ Golberg said."

Kleine privatempirische Ergänzung: Dass Bot-Profile bei Twitter immer schwerer zu erkennen sind, ist mir zumindest in den letzten Tagen auch aufgefallen.

Wer alles #unten ist

Die nächste Hashtag-Kampagne ist da, und, ja, das ist eine etwas unsensible Formulierung angesichts der Inhalte, um die es geht, aber ein bisschen plakativ muss man ja an die Sache rangehen. So auch der Freitag, der die neue Kampagne initiiert hat:

"Was fehlt: ein #MeToo  für das #Prekariat".

Mit diesen Worten kündigt die Wochenzeitung auf der Titelseite seiner aktuellen Ausgabe einen dreiseitigen Schwerpunkt. #unten heißt übrigens der entsprechende Hashtag. Britta Steinwachs schreibt dazu:

"Wieso existiert keine größere gesellschaftliche Sensibilität dafür, wie stark das Elternhaus darüber entscheidet, ob ein Mensch in der Gesellschaft seinen Platz finden kann? Weshalb klagen noch immer kein einflussreicher Hashtag und keine mediale Debatte die Klassengesellschaft an? Ein Grund für die Randständigkeit des Themas: Die Betroffenen befinden sich selten in diskursprägenden Positionen. Wichtige Akteure im Kampf um Deutungsmacht sind Journalisten. Die Sozialwissenschaftlerin Klarissa Lueg fand heraus, dass mehr als zwei Drittel der Journalisten in Deutschland einer privilegierten sozialen Herkunft entstammen und Eltern haben, die als Beamte oder Angestellte mit Hochschulabschluss im gehobenen bis sehr gehobenen Dienst tätig (gewesen) sind."

Es gebe daher

"eine Leerstelle in den bisherigen Hashtag-Kampagnen #MeToo und #MeTwo (…) Stimmen mit direkten Bezügen zu unteren Klassen (sind) dort systematisch unterrepräsentiert."

Und der in dem Themengebiet auch als Buchautor aufgefallene Redakteur Christian Baron schreibt:

"Dass ich Journalist werden konnte, lag nicht an einem Talent. Es lag daran, dass ich viele Tausend Euro an Schulden in Kauf nahm, dass ich Unsicherheiten aushielt – vor allem aber lag es daran, dass ich die 'richtigen' Leute traf. Zufall und Mut statt Neugier und Bildungshunger. So läuft das in der Klassengesellschaft."

Barons Aufruf lautet:

"Welche Erfahrungen mit sozialer Abwertung haben Sie gemacht? Empfinden Sie Angst vor sozialem Abstieg? Wann spürten oder spüren Sie die Unsicherheit als soziale Aufsteigerin beziehungsweise sozialer Aufsteiger? Welche Erniedrigungen erleben Sie durch Ihre Vorgesetzten am Arbeitsplatz? Wo begegnen Sie im Alltag den Vorurteilen gegen 'die Unterschicht'?"

Ein paar Beispiele hat der Freitag bereits gesammelt. Das Lower Class Mag hat einen Thread rausgehauen, in dem es begründet, warum es überhaupt nicht unten mit #unten ist. Um mal zwei Tweets daraus zu bündeln:

"Twitter ist das Medium eines bestimmten Milieus. Klar, dazwischen schon auch mal paar Accounts aus der Klasse, aber im wesentlich ist das hier der Spielplatz von Aktivist*innen, Journos, Funktionär*innen irgendwelcher Parteien, Künstler*innen, Intellektuellen. Die schreiben sich jetzt von der Seele, wie schwer sie's hatten, bevor sie den Aufstieg zu dem hingekriegt haben, was sie heute sind - wobei die Verhältnisse, in denen der 'Aufstieg' stattfindet und welche Voraussetzungen der seinerseits hat, egal bleiben."

Aus anderen Gründen unten als die meisten, die nun unter dem Hashtag #unten über ihre Erfahrungen schreiben, sind in Deutschland lebende Exiljournalisten - jedenfalls wenn sie nicht Can Dündar heißen. Fürs "Tagebuch" der neuen epd-medien-Ausgabe blickt Malte Werner zurück auf das "Exile Media Forum" in Hamburg, das in der vergangenen Woche bereits Thema im Altpapier war:

"Dündar (…) schreibt (heute) eine Kolumne für Die Zeit (…) Doch die meisten der mehrere Hundert Journalisten (darunter auch sogenannte Bürgerjournalisten) im deutschen Exil haben Schwierigkeiten, mit deutschen Redaktionen in Kontakt zu kommen. Dabei täten hiesige Medien gut daran, ihre Redaktionen 'bunter' aufzustellen. Das gilt für Frauen, Ostdeutsche und Nichtakademiker genauso wie für Migranten."

An genau dieser Stelle ließe sich ein Bogen schlagen zur #unten-Kampagne, von deren Start Werner beim Schreiben seiner Kolumne aber natürlich noch nichts wissen konnte. Weiter heißt es:

" 'Ich erlebe deutsche Redaktionen als nicht sehr offen', sagte Julia Stein, Leiterin der Redaktion Politik und Recherche im NDR-Landesfunkhaus Schleswig-Holstein und Vorsitzende von Netzwerk Recherche. Sie forderte, mangelnde Sprachkenntnisse nicht mehr als Ausschlusskriterium bei der Besetzung freier Stellen zu sehen. Der NDR hat ein Volontariat an einen Bewerber vergeben, der kaum die deutsche Sprache beherrscht, dafür aber das filmische Handwerk."

Mit Bezug auf Sheila Mysorekar von den Neuen Deutschen Medienmachern fragt der Autor schließlich:

"Warum fangen Redaktionen eigentlich erst jetzt damit an? (…) Mysorekar (…) sagt zu Recht: 'Wir sind schon länger hier. Man hätte uns schon früher einstellen können.’ Verpasste Chancen, die dazu geführt haben, dass sich die Exilgesellschaft derzeit in den Themen und in den Autorenzeilen deutscher Medien kaum wiederfindet - und mit ein Grund, warum deutsche Medien einen Teil ihres potenziellen Publikums nicht anzusprechen vermögen."

Altpapierkorb (Inside MDR, David Attenborough, Dunja Hayali, Perlentaucher, Cybermobbing)

+++ Was sich anlässlich der Berichterstattung in Sachen Hansi Maaßen sagen lässt, aber gewissermaßen allgemeingültig ist: "Gegen Instrumentalisierung aller Art – durch Algorithmen und Bots wie durch Parteien oder Prominente – als auch im publizistischen Wettbewerb hülfe den Nachrichtenmedien, etwas unberechenbarer zu sein. Auch mal Themen setzen zu wollen, die andere nicht setzen, und dabei zu bleiben, wenn sie nicht durchdringen. Oder nicht jede Aufregung in immer mehr, neuen Meldungen inklusive all dessen, was weitere Personen gesagt oder getwittert haben, um auch noch zitiert zu werden, weiterzuverbreiten." Das schreibt Altpapier-Autor Christian Bartels in seiner aktuellen Medienkolumne bei evangelisch.de.

+++ Wenn man es gut meinte mit der Dessauer Bauhaus-Direktorin und Feine-Sahne-Fischfilet-Konzert-Absagerin Claudia Perren, könnte man sie weltfremd und hasenfüßig nennen, aber Reinhard Bärenz, Leiter der Hauptredaktion Kultur beim MDR, würde selbst das never ever sagen. Jedenfalls hat er sich "in einer an Politiker und Medienvertreter geleakten Mail" (Flurfunk Dresden) vor einiger Zeit folgendermaßen geäußert: "…wir haben uns intern darauf verständigt, uns nicht am 'Perren-Bashing' zu beteiligen und nicht mit einem Kommentar oder einer Bewertung rauszugehen, sondern die Lage im Blick zu behalten." Ob dieser mutmaßlichen Richtungsvorgabe sind nun zwei Rundfunkräte auf Zinne, wie die Mitteldeutsche Zeitung bereits am Dienstag berichtete.

+++ Bärenz, schreibt die MZ ebenfalls, "werden Chancen nachgesagt, jetzt Nathalie Wappler Hagen nachzufolgen", also der scheidenden, in die Schweiz zurückkehrenden Programmdirektorin am Standort Halle. Diese wiederum wird von Ulrike Simon in ihrer Medienkolumne (€) bei Spiegel Online folgendermaßen zitiert: "Wenn du nach zwei Jahren spürst, dass sich auch in den nächsten drei Jahren viel weniger verändern wird als du es dir wünschen würdest, steigst du eben ab vom Pferd."

+++ George Monbiot kritisiert im Guardian David Attenborough, den legendären - ja, ja, darf man sagen in diesem Fall - Naturfilmer, für seine politische Ahnungslosigkeit bzw. Naivität: "I have always been entranced by Attenborough’s wildlife programmes, but astonished by his consistent failure to mount a coherent, truthful and effective defence of the living world he loves."

+++ Am morgigen Samstag moderiert Dunja Hayali zum dritten Mal das "Aktuelle Sportstudio". Anhand der ersten beiden Sendungen habe ich mich für die Medienkorrespondenz zu einigen grundsätzlichen Überlegungen zum "Sportstudio" inspirieren lassen.

+++ "Unser Geschäftsmodell wird immer prekärer", schreibt der Perlentaucher in eigener Sache. Eine "Zahlschranke" wolle man aber "niemals hochziehen". Statt dessen bittet man die Leser nun um eine "freiwillige Honorierung" via Steady.

+++ Der TV-Film "Rufmord" erzählt die Geschichte einer beliebten Grund­schul­leh­re­rin, die zu einem Cybermobbing-Opfer wird. Die "anspruchsvolle ZDF/Arte-Koproduktion" gehe aber "über ein Opferdrama hinaus", schreibt Oliver Jungen auf der FAZ-Medienseite.

+++ Oft besprochen heute: die Amazon-Prime-Serie "Beat", die "die Club-Welt der Hauptstadt mit dem Thema Organraub verknüpft", wie der in der Hauptstadt ansässige Tagesspiegel schreibt. Dessen Urteil: "Eine der besten Berlin-Serien nach 'Im Angesicht des Verbrechens.'" Die FAZ findet: "So­bald sich die Se­rie auf Dia­lo­g­ri­tua­le und dra­ma­tur­gi­sche Kon­ven­tio­nen ver­lässt, wird es be­tu­lich oder un­glaub­wür­dig. Es ist Jan­nis Nie­wöh­ner und den an­de­ren jun­gen Schau­spie­lern und Prot­ago­nis­ten der Ber­li­ner Tech­no­sze­ne zu ver­dan­ken, dass ihr Mi­lieu ge­las­sen und mit Selbst­iro­nie dar­ge­stellt wird." Die SZ hat ihren für Pop zuständigen Feuilleton-Redakteur Jan Kedves beauftragt, und der ist bestenfalls amüsiert: "In der Berliner Clubszene darf man jedenfalls aufatmen. Dort hatte man sich wohl einige Sorgen wegen der Serie gemacht (Regie: Marco Kreuzpaintner; Buch: Norbert Eberlein). Man hat doch immer Angst vor der Kommerzialisierung des Untergrunds, oder vor zu viel Aufmerksamkeit für die zarten und harten Geheimnisse der Nacht von der falschen Seite. Abgesehen davon, dass die Berliner Techno-Kultur seit den Neunzigerjahren aber professionalisiert genug ist, um sieben Folgen Serien-Trash locker auszuhalten, hat Beat auch gar nicht den Anspruch, ein realistisches Bild der Szene zu zeichnen." Jedenfalls, so Kedves, "hagelt es ein überzeichnetes Klischee nach dem anderen".

Neues Altpapier gibt’s am Montag - schönes Wochenende.

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