#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 23. November

1955: Hinrichtung der Chefsekretärin von DDR-Ministerpräsidenten Grothewohl

Am 23. November 1955 wird Elli Barczatis, ehemalige Chefsekretärin des Ministerpräsidenten Otto Grothewohl, in Dresden geköpft. Fast drei Monate zuvor, im September, findet der Gerichtsprozess in Ost-Berlin vor dem höchsten Gericht der DDR statt. Nicht nur Elli Barczatis, sondern auch ihr Freund Karl Laurenz ist angeklagt. Er ist ein Informant für den westlichen Geheimdienst, gibt sich gegenüber Barczatis aber als Journalist aus.

Zu meiner Verteidigung, hohes Gericht, kann ich nichts sagen. Das, was ich begangen habe, die schwere Schuld, die ich auf mich geladen habe, die kann ich nicht verteidigen.

Elli Barczatis, Schlusswort im Gerichtsprozess 1955 BstU

Barczatis arbeitet von 1950 bis 1953 im Büro von Otto Grotewohl und gehört zu seinem engsten Stab. Daher hat sich Zugang zu sämtlichen wichtigen Informationen, die sie an Laurenz weiter gibt. Wie sie später aussagt, tut sie das in dem Glauben, er arbeite für die Presse.

Elli Barczatis und Karl Laurenz, die 1955 durch das oberste Gericht der DDR zum Tode verurteil wurden
Elli Barczatis und Karl Laurenz, die 1955 durch das oberste Gericht der DDR zum Tode verurteilt werden. Bildrechte: BstU

Das Ministerium für Staatssicherheit hat jedoch schon kurz nach Barczatis Einstellung in Grothewohls Büro den Verdacht der Spionagetätigkeit und überwacht das Paar seit 1951. Doch erst im September 1955 kommt es zur Verhaftung und zur Anklage. In einem eintägigen Prozess werden Barczatis und Laurenz zum Tod durch die Guillotine verurteilt.

1961: Ulbricht kündigt Verminung der Grenze an

Walter Ulbricht kündigt vor dem SED-Zentralkomitee die Verminung der innerdeutschen Grenze an:

Jawohl, an der Westgrenze der DDR werden Minen gelegt, ordentliche Minenfelder geschaffen. Wer das Bedürfnis hat, sich den Hals zu brechen, kann solche Versuche anstellen. Das ist seine Sache.

Walter Ulbricht "Tod an der Grenze - ein tragisches Kapitel deutscher Teilung", Horst Liebig,

In der Sitzung weist ein Oberleutnant darauf hin, dass die Sprengkraft einer Mine 40 bis 50 Meter betrage und somit die Sicherheit der Grenzposten gefährdet sei. Ulbricht verweist darauf, dass der Bereich Sperrgebiet sei und "wir raten keinem, in das Gebiet zu gehen."

Drei Monate zuvor, am 13. August 1961, hat die DDR Ostberlin und den gesamten Grenzverlauf Westberlins hermetisch abgeriegelt und mit der Errichtung einer Mauer begonnen.

1989: Erste Wandlitz-Reportage ausgestrahlt

Am 23. November 1989 steht der Reporter Jan Carpentier mit einem Kamerateam vor der streng abgeschotteten und geheimnisumwitterten Waldsiedlung der SED-Politbüromitglieder in Wandlitz und möchte filmen. Er wolle, so sagt er vor der Kamera, zeigen, wie hier gelebt wird, damit sich die Zuschauer selbst ein Bild machen können.

Seit 1960 leben Mitglieder des SED-Politbüros streng abgeschottet von der Bevölkerung in der Waldsiedlung Wandlitz. Man hat wenig Kontakt zum "Otto Normalbürger". In der sich verschärfenden Krisensituation ab dem Sommer 1989 offenbart sich die Realitätsferne: Die Mehrzahl der Genossen des Politbüros sind nicht gewillt, den gravierenden Problemen in der DDR auf den Grund zu gehen.

Journalisten in der Waldsiedlung Wandlitz 3 min
Journalisten in der Waldsiedlung Wandlitz Bildrechte: Elf 99 spezial vom 15.12.1990