#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 30. Juni

1946: Sachsen billigt Enteignung von Kriegsverbrechern

Am 30. Juni 1946 stimmt Sachsen in einem Volksentscheid für die Enteignung von Kriegs- und Naziverbrechern. 77,6 Prozent der Bevölkerung stimmen dafür. In der sowjetischen Besatzungszone ist das die erste Abstimmung dieser Art. Betroffen sind insgesamt 1.861 Betriebe, die ins Volkseigentum übergingen.

Plakat zum Volksentscheid über die Enteignung von Kriegsverbrechern SBZ 1946
Mit Plakaten wurde 1946 für den Volksentscheid und die Stimme zur Enteignung geworben. Bildrechte: Karl Heinz Mai / Fotothek Mai

1961: Massenflucht in den Westen

Von 1949 bis zum Bau der Mauer 1961 sind 2,8 Millionen Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik geflohen. Allein im ersten Halbjahr 1961 sind es mehr als 100.000 DDR-Bürger. Politische Gründe und die Zusammenführung von Familien sind die Hauptgründe für Republikflucht. Das DDR-Regime reagiert auf den Flüchtlingsstrom und die Blamage im "kapitalistischen Ausland" mit dem Bau der Berliner Mauer. Am 13. August 1961 war es soweit: Die DDR-Streitkräfte riegelten den Übergang zwischen Ost- und Westberlin ab.

1990: 10.000 DDR-Bürger warten am "Alex" auf D-Mark

Am 30. Juni 1990 versammeln sich 10.000 DDR-Bürgerinnen und Bürger auf dem Berliner Alexanderplatz. Sie wollen als Erste DDR-Mark in D-Mark umtauschen. Sie warten auf die Öffnung der Filiale der Deutschen-Bank, denn am 1. Juli tritt die Währungsunion in Kraft. Die Filiale nutzt das Datum zu Werbezwecken, da sie als einzige in der DDR schon um Mitternacht öffnet und nicht wie die anderen Banken erst am nächsten Morgen. Jedoch haben die Mitarbeiter der Filiale nicht mit einem so großen Ansturm gerechnet und werden anfangs von nur wenigen Volkspolizisten unterstützt. Die Filiale öffnet um Mitternacht, vor ihr hat sich mittlerweile eine 600 m lange Schlange gebildet. Als erster DDR-Bürger tauscht der 41-jährige Kohlefahrer Joachim Corsalli sein Geld um. Die Bank schenkt ihm einen Präsentkorb mit West-Produkten und ein Sparbuch im Wert von 100 D-Mark.

1993: Postleitzahlen laufen aus

Am 30. Juni 1993 geht die Ära der vierstelligen Postleitzahlen zu Ende. In der Nacht zum 1. Juli 1993 werden sie durch fünfstellige ersetzt. Die ersten beiden Ziffern der Postleitzahl geben nun die Ziel- oder Absendregion in Deutschland an, während die letzten drei Ziffern den Wohnbereich genau eingrenzen oder anzeigen, ob die Post beispielsweise an ein Postfach zugestellt werden soll. Die deutsche Wiedervereinigung brachte für die Post viele Herausforderungen mit sich, denn die Postsysteme von zwei Staaten mussten zusammengeführt werden. Da die DDR und die Bundesrepublik jeweils eigene Postleitzahlsysteme hatten, gab es etwa 800 Dopplungen. Deshalb wurde bis zur Umstellung vorerst der Zusatz "W" (Verkehrsgebiet West) und "O" (Verkehrsgebiet Ost) ergänzt.

Auf der CeBIT in Hannover wirbt die Post am 29. März 1993 mit der gelben Fingerfigur "Rolf" für die neuen fünfstelligen Postleitzahlen.
Die Post begleitet die Umstellung mit einer großen Kampagne. Die Comicfigur Rolf, eine sprechende Hand mit fünf Fingern, wirbt mit dem Slogan "Fünf ist Trümpf" für die neuen Postleitzahlen. Bildrechte: dpa

2006: Förderalismus-Reform beschlossen

Am 30. Juni 2006 beschließt der Bundestag mit einer Zweidrittelmehrheit die Föderalismus-Reform. Mit der Anpassung von insgesamt 25 Artikeln wird die umfangreichste Grundgesetzänderung seit 1949 vollzogen. Die Förderalismus-Reform strukturiert die Beziehungen zwischen Bund und Ländern deutlicher. Die Kernpunkte sind Terrorismusbekämpfung, Naturschutz, Hochschul- und Beamtenrecht und die Beteiligung des Bundesrates im Gesetzgebungsverfahren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht 2006 im Bundestag 2 min
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2017: "Ehe für alle" beschlossen

Am 30. Juni 2017 beschließt der Deutsche Bundestag die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. SPD, Grüne und Linke hatten die Abstimmung gegen den Willen der Union durchgesetzt und votieren geschlossen für die "Ehe für alle". Während die Mehrheit der CDU/CSU-Fraktion den Gesetzentwurf ablehnt, stimmt etwa ein Viertel der Unionsabgeordneten dafür. Die Fraktionsführungen hat die Abstimmung freigegeben. Die Kanzlerin Merkel stimmt gegen den Antrag. Am 1. Oktober 2017 tritt das Gesetz in Kraft. Bereits eingetragene Lebenspartnerschaften können freiwillig in eine Ehe umgewandelt werden. Im Bürgerlichen Gesetzbuch steht nun: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen."

Geschichte

Eduard Stapel
Eduard Stapel war einer der Begründer des ersten Arbeitskreises Homosexualität in Leipzig 1982. In den folgenden Jahren setzte er sich DDR-weit für weitere solche Arbeitsgruppe ein und koordinierte die Homosexuellenbewegung des Ostens. Er ist Mitbegründer des heutigen LSVD. Bildrechte: MDR/Hoferichter & Jacobs