
Kulturelle Ausflugstipps Wohin am Wochenende? Tipps für Jena, Magdeburg und Bautzen
Hauptinhalt
04. April 2025, 10:21 Uhr
Unsere Tipps für Ihr Wochenende machen neugierig auf ein Puppentheaterstück für Erwachsene am Sorbischen Volkstheater Bautzen, laden ein zum Mitsingen beim Konzert von Kapelle Petra in Jena und lassen Sie einen ungewohnten Blick auf den Baustoff der Postmoderne im Kunstmuseum Magdeburg werfen. Das sind unsere Tipps.
Am Wochenende locken die Temperaturen in den Garten, um die ersten Frühjahrsarbeiten anzugehen. Und viele Kulturangebote in der Region in Theatern, Konzerthäusern und Museen. Wir empfehlen, sich tagsüber bei der Gartenarbeit nicht zu sehr zu verausgaben, damit am Nachmittag oder Abend noch genügend Energie für den Kulturgenuss bleiben. Folgen Sie uns nach Jena, Bautzen und Magdeburg und lassen Sie sich überraschen, zum Nachdenken und Staunen bringen. Das sind unsere Tipps:
Jena: Indiepop mit Augenzwinkern
Kapelle Petra kommen aus Hamm und schon wegen des zweiten "M"s im Städtenamen war der Versuch, sie der "Hamburger Schule" zuzuordnen, zum Scheitern verurteilt. Zwar singen auch Kapelle Petra auf Deutsch, doch ihr Indiepop kommt eher mit einem Augenzwinkern daher. Berühmt wurden sie auf dem Höhepunkt der deutschen Indie-Welle Mitte der 2000er-Jahre, als auf wirklich jeder WG-Party ihr Hit "Geburtstag" gespielt wurde.
Nun sind sie auch schon fast drei Jahrzehnte auf deutschen Bühnen unterwegs und haben schon mit fast allen, die im deutschen Indie-Unterhaltungszirkus unterwegs sind, zusammengearbeitet. Ihre Fans lieben sie für ihre ironischen Bühnenshows, und mit Sicherheit wird auch beim Konzert von Kapelle Petra im Kassablanca in Jena am Freitag, 4. April, der Schweiß von der Decke tropfen. Viel Spaß!
Bautzen: Puppenspiel, das Grenzen überwindet
Sie denken jetzt sicher: Puppenspiel, das ist doch Kinderkram! Wir befreien Sie mit Vergnügen von diesem weit verbreiteten Vorurteil. Fahren Sie nach Bautzen und besuchen Sie die Vorstellung des Dresdner Ensembles "Cie. Freaks und Fremde" mit ihrer Fassung von Lion Feuchtwangers "Die Jüdin von Toledo". Die Handlung hat Feuchtwanger ins Spanien des 12. Jahrhunderts angesiedelt, doch seine Ballade von Raquel, die zwischen die Fronten christlicher und muslimischer Islamisten gerät, ist zeitlos aktuell.
Toleranz und Menschlichkeit sollten Gräben überwinden, die Religionen – scheinbar – aufreißen. Nicht nur der Stoff überwindet Grenzen, die Puppenspieler nutzen auch Licht, Musik und Video als dramaturgische Mittel. Alte Röhrenradios, eine Drehbühne und eine eigenwillige Interpretation des Britney-Spears-Hits "Toxic" tragen außerdem dazu bei, dass sie nach dieser Vorstellung ein gänzlich anderes Bild von Puppentheater haben werden!
Magdeburg: Künstlerischer Blick auf die Welt des Beton
Als die Solinger Punk- und New-Wave-Pioniere S.Y.P.H. 1978 ihren Song "Zurück zum Beton" veröffentlichten, war das pure Provokation. Heute ist das Lied ein Klassiker der Subkulturgeschichte, und auch der Blick von Architekten und Kunsthistorikern auf das billige Massenbaumaterial hat sich gewandelt. Beton hat das Leben von Millionen Menschen geprägt, die in den Trabantenstädten der Nachkriegszeit aufwuchsen. Als Baustoff diente er für Bunker, Industrieanlagen und Brücken, prägte durch seine praktisch unbegrenzte Verfügbarkeit die Architektur der Postmoderne.
In Magdeburg setzen sich der Fotograf Erasmus Schröter, die Bildhauerin und Architektin Marta Dyachenko, der Vertreter der konkreten Kunst Karl-Heinz Adler und der Konzeptkünstler Carsten Nicolai mit Beton auseinander. Das Kunstmuseum zeigt ihre Arbeiten in der Ausstellung "Opération Béton", in denen sie sich mit dem beliebt-verhassten Baustoff auseinandersetzen. Eine gute Gelegenheit, sich selbst zu befragen – wiegen die unbestrittenen Vorzüge die ästhetischen Mängel der Industriebauweise auf? Oder sind unsere Vorurteile dem grauen Baustoff gegenüber schon zu festbetoniert?
Der persönliche Tipp: Ins Varieté mit Otto Dix
Auf das Krystallpalast-Variete in Leipzig trifft das Adjektiv "besonders" wirklich einmal zu. Das Haus in der Magazingasse hat in den letzten beiden Jahrzehnten eine ganz eigene Herangehensweise an das Varieté-Theater gefunden. Die aktuelle Show "Varieté In Bildern – Die Welt von Otto Dix" ist ein Paradebeispiel für diese eigene Handschrift, besteht das Bühnenbild des Nummernprogramms doch aus 13 Gemälde-Adaptionen von Otto Dix.
Dieser, selbst ein begeisterter Varietébesucher, zeigt die Welt der vermeintlich "Goldenen Zwanziger" mit Salon, Jazz-Band, Reichen, Schönen, aber auch Kriegskrüppeln. Natürlich darf auch das berühmte Portrait der Tänzerin Anita Berber nicht fehlen … Dies ist übrigens die letzte Show, die Hausregisseur Urs Jäckel gemeinsam mit Geschäftsführer Peter Matzke inszeniert. Letzterer verlässt das Haus überraschend nach sieben sehr erfolgreichen Jahren. Ich empfehle die Vorstellung am Sonntagnachmittag. Was gibt es Schöneres als das Wochenende mit einem Sekt-Schwips, Swing und bester Varieté-Unterhaltung ausklingen zu lassen!
Im Programm: MDR KULTUR - Das Radio, 27. März 2025, 8:40 Uhr // MDR KULTUR - Das Radio, 8. März 2025, 7:10 Uhr // MDR KULTUR - Das Radio, 20. Januar 2025, 10:15 Uhr // MDR SPUTNIK, Made in Germany, 19.01.2025, MDR Fernsehen, artour, 30.01.2025, 21:15 Uhr