Buchstadt-Chronik: 2001-2005 Bibliotheksbauten, Buchkinder und Bücher-Butt

2001

Der gemeinnützige Verein Buchkinder Leipzig e. V. wird gegründet. In der Schreib- und Illustrationswerkstatt entwickeln Kinder und Jugendliche von vier bis 16 Jahren ihre Geschichten zu eigenen Büchern. Erwachsene helfen dabei, mischen sich aber nicht ein. Die jungen Autoren werden in alle Prozesse des Büchermachens einbezogen - vom ersten Linolschnitt, dem ersten Strich auf dem Papier über das Drucken und Binden bis hin zur Präsentation der fertigen Bücher, die in kleinen Auflagen in der eigenen Buchmanufaktur hergestellt werden. Seit 2002 sind die Buchkinder regelmäßig mit einem eigenen Stand auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt vertreten.

2002

Erstmals wird in Leipzig - während einer MDR-Fernsehgala - der Deutsche Bücherpreis vergeben. Mit dem "Bücher-Oscar" prämieren Börsenverein und Leipziger Buchmesse in sieben Kategorien die erfolgreichsten Bücher des Jahres. Der (nicht dotierte) Preis ist ein bronzener Butt, entworfen von Günter Grass. Es gibt einen Preis für das Lebenswerk und einen Publikumspreis.

Die im Jahr 2000 von unabhängigen Verlegern und Kulturstaatsminister Michael Naumann gegründete Kurt Wolff Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene bezieht im Rahmen der Buchmesse ihren Sitz im Haus des Buches in Leipzig. Unterstützt wird die Stiftung vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, von der Bundesregierung, vom Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig. Jährlich vergibt sie für vorbildhafte Einzelprojekte von deutschen oder in Deutschland ansässigen unabhängigen Verlegern den Kurt Wolff Preis in Höhe von 5.000 Euro.

Die Leipziger Universitätsbibliothek "Bibliotheca Albertina" wird nach zehnjährigem Wiederaufbau feierlich übergeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das zu zwei Dritteln zerstörte Gebäude nur notdürftig gesichert und seitdem als Provisorium genutzt worden. Deutschlands zweitälteste Universitätsbibliothek, gegründet 1543, ist mit fünf Millionen Bänden hinter der Deutschen Bücherei die zweitgrößte Bibliothek in Sachsen.

Die Stuttgarter Architektin Gabriele Glöckler gewinnt den Wettbewerb um den vierten Erweiterungsbau der Deutschen Bücherei. Er soll Raum schaffen für die Neuzugänge der nächsten 20 Jahre. Täglich kommen zu den zwölf Millionen Medieneinheiten weitere 1.200 Einheiten hinzu. Der Erdgeschoss des Anbaus beherbergt künftig das Deutsche Buch- und Schriftmuseum, das 1950 der Deutschen Bücherei angegliedert wurde und die Entwicklung der Buchstadt Leipzig über mehrere Jahrhunderte nachvollzieht.

2003

Erstmals fällt der "Literarische Herbst" aus. Für die fehlenden 35.000 Euro aus dem städtischen Kulturbudget konnte kein Sponsor gefunden werden. "Leipzig liest" während der Buchmesse ist damit das einzige Literaturfestival in der Stadt.

Premiere hat die "Tippgemeinschaft" als Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig mit einem Umfang von üblicherweise 200 bis 400 Seiten und einer Auflage von 600 Exemplaren. Die Gestaltung übernehmen häufig Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Ab 2005 wechseln jährlich die Herausgeber.

2004

Die Buchmesse veranstaltet erstmals Hörbuchnächte. Im Jazzkeller "Spizz" inmitten der Leipziger Innenstadt werden ganze Hörspiele aufgeführt. Die Gemeinschaftsaktion mit dem MDR und dem Nachrichtenmagazin FOCUS wird vom Publikum gut angenommen, daher kommt 2005 die barocke Handelsbörse als zweite Spielstätte hinzu. Premiere hat auch der nationale Nachwuchs-Hörspiel-Wettbewerb, zusammen mit dem studentischen Sojus e. V., der im Sommer 2003 Deutschlands erstes Open-Air-Hörspiel-Festival im Leipziger Clara-Zetkin-Park veranstaltete.

Mit Elmar Faber feiert einer der renommiertesten ostdeutschen Verleger 70. Geburtstag. Nach dem Philosophie- und Germanistikstudium (Diplom bei Hans Mayer) war er von 1968-70 in Leipzig Lektor am Bibliographischen Institut, anschließend, ging er dann zu Edition Leipzig, wo er bis 1975 als Cheflektor, dann bis 1983 als Verlagsleiter tätig war. Von 1983-92 war er Direktor des Aufbau-Verlages Berlin und Weimar. 1976-90 leitete er den Verlegerausschuss im Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig. 1990 gründete er in Berlin mit seinem Sohn Michael den Verlag Faber & Faber. Der Verlag, der seit 1995 seinen Sitz in Leipzig hat, bringt Belletristik, Kultur- und Zeitgeschichte heraus, schöne, nicht selten bibliophile Bücher. Eins der ehrgeizigsten Projekte ist die "DDR-Bibliothek". Vier Fünftel des Umsatzes macht Faber & Faber in Westdeutschland.

Nach dem Brand der Weimarer Anna Amalia Bibliothek in der Nacht zum 3. September werden 34.000 Bücher mit Brand- und Wasserschäden nach Leipzig gebracht, zur Erstversorgung im Zentrum für Bucherhaltung. Dort werden sie gereinigt und bei minus 25 Grad schockgefroren, um Schimmelprozesse zu stoppen. In einem speziellen Verfahren wird den Büchern anschließend die Feuchtigkeit entzogen. Bis zum Sommer 2005 soll die Rettungsaktion abgeschlossen sein.

2005

Erstmals wird der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben, dotiert mit je 15.000 Euro in den Sparten Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Gestiftet wurde er von der Stadt Leipzig und dem Freistaat Sachsen und unterstützt vom Literarischen Colloquium Berlin. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gibt im September 2004 die Abschaffung des (nicht dotierten) Deutschen Bücherpreises bekannt, der seit 2002 in Leipzig verliehen worden war. Stattdessen wurde künftig in Frankfurt/Main ein neu geschaffener Deutscher Buchpreis vergeben.

F. A. Brockhaus, einer der bedeutendsten Leipziger Verlage in Geschichte und Gegenwart, begeht während der Buchmesse sein 200-jähriges Bestehen. Weltweit wurde der Name "Brockhaus" zum Synonym für ein seriöses Nachschlagwerk, welches das Wissen der Zeit gut auffindbar zusammenfasst. Seit 1993 kommt Deutschlands berühmtestes Lexikon wieder aus Leipzig. Von den 30 Parallelverlagen, die zwischen 1949 und 1990 in beiden deutschen Staaten bestanden, ist Brockhaus einer von ganz wenigen, die mit der Rückkehr an den frühen Stammsitz Leipzig ernst machten. Im Jubiläumsjahr erscheinen hier die ersten Bände der 21. Auflage der Brockhaus Enzyklopädie.

Ebenfalls während der Leipziger Buchmesse begeht das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig den 50. Jahrestag seiner Gründung und den 10. Jahrestag der Neugründung mit einem "Internationalen Kongress für literarisches Schreiben". Vertreter von 30 ähnlichen Instituten und Studiengängen aus ganz Europa, den USA, Israel und weiteren Ländern tauschen dort ihre Erfahrungen aus. Entstehen soll ein globales Netzwerk der Autorenschulen. Außerdem findet im Rahmen des Kongresses zum ersten Mal die Lange Leipziger Lesenacht statt. 40 junge Autoren aus Deutschland, Österreich, Dänemark, Schweden, Tschechien, Israel, Südafrika oder den USA stellen sich hier vor.

Das Leipziger Haus des Buches wird Mitglied im Netzwerk der Literaturhäuser "literaturhaus.net" und damit zum Literaturhaus Leipzig. Die 1996 gegründete Haus ist das erste Verbundsmitglied in den neuen Bundesländern. In Zusammenarbeit mit dem Verbund werden nun neben Lesungen auch Vorträge, Symposien, Lesungen für Schulklassen, Ausstellungen und literarische Projekte veranstaltet.

Am 9. Mai findet im Haus des Buches die Endrunde des mittlerweile 10. MDR-Literaturwettbewerbs statt. 1.822 unveröffentlichte Kurzgeschichten aus ganz Deutschland wurden eingereicht, fast achtmal so viele wie beim ersten Wettbewerb 1996. Zu den bisherigen Preisträgern, die später mit ihren Buch-Debüt Beachtung sorgten, zählen Franziska Gerstenberg, Katja Oskamp und Tanja Dückers.

Der 2003 in Leipzig gegründete Lehmstedt Verlag erhält von der Kurt Wolff Stiftung eine Projektförderung für sein Gesamtkonzept. Im Zentrum steht die Kulturgeschichte des mitteldeutschen Raumes mit den Schwerpunkten Belletristik, Sachbuch und Fotografie.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im ... Radio | 24.03.2017 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2011, 18:37 Uhr