Besucher beim Wave-Gotik-Treffen
Während des WGT fühlen sich die Besucher*innen so "normal" wie möglich. Bitte sprechen Sie niemals von Verkleidungen – es handelt sich um Identität. Bildrechte: dpa

WGT-Knigge Sieben Tipps: Diese No-Gos sollten Interessierte beim WGT unbedingt vermeiden

26. Mai 2023, 10:43 Uhr

Zum Wave-Gotik-Treffen 2023 versammelt sich an Pfingsten wieder die schwarze Szene in Leipzig. Konzerte, Viktorianisches Picknick und Mittelaltermärkte wie das Heidnische Dorf locken aber auch viele Schaulustige und Neugierige an. Um dabei in keine Fettnäpfchen zu treten, gibt es einige Regeln zu beachten. Hier sind sieben Tipps für das WGT – für alle, die keine Gothics, Cybergoths, Steampunks, Schwarzromantiker oder Mittelalterfans sind.

1. Beim WGT gibt es keine Verkleidungen

Eine Möglichkeit, sich beim WGT blitzschnell als Outsider zu outen, ist folgender Satz: "Das ist aber ein schickes Kostüm!" Nein! Das sind keine Verkleidungen! Das ist gefühlte Identität, die sich in der Kleidung zeigt. Der Grund, warum Goths ihr Outfit außerhalb des WGTs eher abgemildert tragen, sind Sätze wie dieser, die das offensichtliche Unverständnis der Umgebung zeigen. Und die können ungemein nerven. In Leipzig wollen sich alle Batcaverinnen und Cyberpunks endlich einmal "normal" fühlen.

2. Goths rennen in Leipzig nicht

Haben Sie schon einmal einen Goth rennen sehen? Das ist sehr unwahrscheinlich, denn man pflegt in der Szene eine abgemessene, bewusste Gangart. Man schreitet, stolziert, stiefelt, flaniert und schwebt bisweilen. Das Maximale ist ein schnelles Gehen. Aber niemals bewegt man sich so rasant, dass es unter den Verdacht einer sportlichen Aktivität fallen könnte. Man lässt sich Zeit, schließlich kann man ja auch die nächste Bahn nehmen.

Ein weiß geschminkter Mann in schwarzer Gewandung sitzt in eine Straßenbahn und schaut aus dem Fenster.
Die Leipziger Trams sind bei Goths ein beliebtes Fortbewegungsmittel während des WGT's. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

3. Nicht ohne Bändchen aufs WGT

Das Wave-Gotik-Treffen ist DAS wichtigste Zusammenkommen der Szene weltweit. Darum trägt es im Namen auch das Wort "Treffen". Hier dreht sich alles um das Gemeinschaftsgefühl, den Austausch von Gedanken, das Genießen von Musik und das gemeinsame Feiern. Und das geht nur, wenn man mittendrin ist und nicht nur vom Rand aus zuschaut. Daher ist ein WGT-Besuch ohne Eintrittsbändchen selbstredend keine wirkliche Teilnahme am Treffen, sondern der augenscheinliche Beweis des Trittbrettfahrens oder des Voyeurismus.

4. Mehr als nur schwarze Kleidung

Dass Schwarz die Standardfarbe der Szene ist, ist allgemein bekannt. Mittlerweile haben sich auch Farbtupfer in die Monochromität eingeschlichen, seien es neonfarbene Kleidungsaccessoires oder alle nur denkbaren Haarfarben. Aber wissen Sie, wie Sie so richtig beim WGT auffallen – und zwar negativ? Indem Sie beim EBM-Konzert im Hawaiihemd vor der Bühne stehen. Oder in Fußballmontur am Viktorianischen Picknick teilnehmen wollen. Tun Sie das niemals. In Ihrem eigenen Interesse!

5. Keine Aggressionen zum WGT in Leipzig

Die Goths sind die wohl friedfertigste Szene. Prügeleien beim WGT? Gibt es nicht! Waver, die aus Rivalität auf Cyberpunks losgehen. Auch hier: Fehlanzeige! Die Gewaltlosigkeit ist einer der Hauptgesetze des ungeschriebenen Gothic-Kanons. Den Glaubwürdigkeitsbeweis lieferte die Szene im Jahr 2000, als das Festival mitten im Verlauf pleite ging. Keine Künstler konnten mehr bezahlt werden, die Zutrittsbändchen waren wertlos. Wo man hier nun krätigen Protest und Frustration hätte erwarten können, reagierten die Goths anders: Sie organisierten einfach selbst ein Ersatzkonzert, bei dem die Bands sogar Schlange standen, um kostenlos spielen zu können. So wurde das eigentliche Pleitetreffen letztlich doch zu einer schönen Erinnerung für diejenigen, die diese kreativ-friedliebende Erfahrung machen konnten.

Zwei Besucherinnen des WGT
Mittlerweile haben sich auch Farbtupfer in die Monochromität der WGT-Besucher*innen eingeschlichen Bildrechte: MDR JUMP/Jeannine Völkel

6. Auf dem Wave-Gotik-Treffen niemals protzen

Goths schätzen das Leben in seiner existentiellen Tiefe – gerade angesichts unserer Sterblichkeit. Die Szene verweist durch ihr Verhalten und das Äußere auf das Innere. Anerkennung erhält man durch konsensfähige oder stilprägende Ideen kreativer Art, seien es Outfits, Kunstwerke, Gedanken oder Musikstücke. Nicht jedoch durch schnödes Protzen. Mit dem Ferrari zum WGT? – Nicht einmal, wenn er schwarz ist! Teure Markenkleidung noch teurerer Modelabel? – Unnötig bis peinlich.

7. Niemals ungefragt fotografieren

Wer mag es schon, wie ein kurioses Objekt ungefragt von allen Seiten fotografiert zu werden? Den Dunkelbeseelten geht es nicht anders. Viele sind es leid, sich wie in einem Zoo zu fühlen. Dabei ist es ganz einfach: Fragen Sie freundlich nach, ob die schwarzbarocke Schönheit oder der retrofuturistische Steampunk wirklich abgelichtet werden wollen. Ein nettes Lächeln wirkt oft Wunder.

WGT-Fotograf
Ob Smartphone, Spiegelreflex oder historische Kamera: Auf dem WGT niemals ungefragt Personen fotografieren! Bildrechte: MDR/Juliane Streich

Redaktionelle Bearbeitung: Florian Leue, Robert Kühne

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Spezial zum Wave-Gotik-Treffen | 27. Mai 2023 | 20:05 Uhr