WGT-Trauermarsch fürs Artensterben.
Mit einem Sarg machten WGT-Gäste am Pfingstmontag bei einem Trauermarsch aufs Artensterben aufmerksam. Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Montag, 10.06. WGT-Ticker: Trauermarsch, Abschiedspartys und Abreise

Pfingstmontag ist standesgemäß der letzte Tag des Wave-Gotik-Treffens 2019. Das Programm war nochmal rappelvoll, deshalb waren wir auch am vierten Festivaltag mit unserem MDR KULTUR-Ticker mittendrin, um aktuell zu berichten. Unter anderem über den Trauermarsch gegen das Artensterben, zu dem das WGT und Umweltaktivisten aufgerufen hatten, über das Treiben auf dem Agra-Messegelände und die ersten Abreisenden sowie einen Vortrag im Grassi-Museum über Schamanismus. Hier alle WGT-Highlights des letzten WGT-Tages auf einen Blick.

WGT-Trauermarsch fürs Artensterben.
Mit einem Sarg machten WGT-Gäste am Pfingstmontag bei einem Trauermarsch aufs Artensterben aufmerksam. Bildrechte: MDR/Simon Bernard

18:48 Uhr | Auf Wiedersehen beim WGT 2020

Zwei Männer szehen nebeneinander
DJ Emu (links) und DJ Olaf legen zur WGT-Abschiedsparty in der Moritzbastei auf. Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Das WGT neigt sich dem Ende zu. Manche sind bereits unterwegs, andere packen ihre Koffer. Aber nicht diese beiden hier: DJ Emu und DJ Olaf sind zusammen das "Schwarz und lebendig"-Team und haben ihr Equipment für den Abend eingepackt. Sie sorgen für die Musik auf der Abschlussparty in der Moritzbastei. In diesem Sinne: Viel Spaß bei den letzten WGT-Partys und -Konzerten!

Wir beenden unseren WGT-Ticker mit einem Video von den schönsten Momenten des Wave-Gotik-Treffens 2019 und wünschen allen WGT-Besuchern eine gute Heimreise! Wir sehen uns im nächsten Jahr!

18:02 Uhr | Geheimnisvoller Sound von Mila Mar

Mila Mar gibt es bereits seit 25 Jahren. Beim Wave-Gotik-Treffen 2019 bezauberte die Band mit ihren Songs in Fantasiesprache und ihrem geheimnisvollen Sound, der bei Fans schon fast eine meditative Wirkung hat. Pfingstsonntag spielte Mila Mar vor ihrem Konzert eine exklusive MDR KULTUR-Studiosession in der Moritzbastei Leipzig, bei der Sängerin Anke Hachfeld im Interview verraten hat, dass ihre Songs "ein Eigenleben" haben und welche Pläne die Band für 2020 hat.

17:51 Uhr | Trommeln und ihre entspannende Wirkung

WGT-Vortrag von Schamanin Sandy Seidel
Sandy Seidel führt bei einem Vortrag im Grassi-Museum im Rahmen des WGT-Programms vor, wie Trommelschläge im Schamanismus zur Heilung eingesetzt werden können. Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Wie Schamanismus seine Wirkung entfaltete, führt die praktizierende Heilerin Sandy Seidel im Grassi vor. Sie habe sich ihre Trommeltechnik bei indigenen Völkern in Brasilien angeeignet. Eine halbe Stunde schlägt sie rhythmisch auf ihre Pferdetrommel, während etwa 30 WGT-Gäste ihre Augen schließen und die Trommelschläge auf sich wirken lassen. Als Sandy Seidel die Trommel wieder absetzt, kann man ihren Zuhörerinnen und Zuhörern ihre Entspannung anmerken. Die Erfahrung sei individuell, erklärt Seidel: "Jeder nimmt mit, was richtig und wichtig ist."

Sportwissenschaften Oliver ist begeistert: "Ich gebe selbst Yogakurse. Leider ist Heilung durch Energie verpönt, weil sie nicht Teil der Sportmedizin ist." Er erklärt, wie der motorische Cortex im Gehirn durch die Trommelschläge stimuliert wird: "Jeder reagiert individuell darauf. Ein niedrige Frequenz kann entspannen und aktivieren. Das ist vergleichbar mit einem Synthesizer."

17:43 Uhr | Schamanen als Vermittler zwischen den Welten

Was ist Schamanismus? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, führt Marina Wehrmann durch das Grassi-Museum für Völkerkunde, in die Abteilung, die sich mit Nordostasien befasst. In Sibirien wurde Schamanismus praktiziert, bevor die Missionierung durch orthodoxe Kirche einsetzte. Die Ausstellungsvermittlerin zählt die verschiedenen Rollen auf, die ein Schamane ausfüllt: Er sei ein Priester, aber auch eine Art Prophet und Vermittler zwischen den Welten. Und die erklärt, dass es genauso viele Schamaninnen wie Schamanen gegeben hat.

Schamanenkostüm im Grassi-Museum
Schamanenkostüm im Grassi-Museum Bildrechte: MDR/ Simon Bernard

Schamanin oder Schamanin konnte man aus verschiedenen Gründen werden: Wegen einer Krise, dem frühen Interesse für Pflanzen und Medizin oder aber, weil man mit einer Behinderung geboren wurde. Anhand eines Schamanen-Kostüms aus dem 18. Jahrhundert zeigt Marina Wehrmann, wie die einzelnen Teile von oben nach unten für die Ober-, Mittel- und Unterwelt symbolisieren. Ein hölzerner Vogel diente dem Schamanen als Schutzgeist. Eine Trommel sei wichtig gewesen, um sich in Ekstase zu bringen und andere Bewusstseinszustände zu erreichen. Heute werde Schamanismus auf unterschiedliche Weise praktiziert.

16:36 Uhr | Hochzeitserinnerungen und Fairtrade-Panda

Sascha und Steffi (beide links) mit Panda beim WGT
Panda "Fairtrade" - inspiriert von Ralph Ruthe Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Die Outfits herrichten, die Frisur vorbereiten und die Arbeit an Panda "Fairtrade" – schnell kommen da 100 Stunden Arbeit zusammen, schätzen die beiden WGT-Besucher Sascha und Steffi. Die Idee zu "Fairtrade" geht auf einen Cartoon des Karikaturisten Ruthe zurück. Darin fragt ein Restaurantbesucher den Kellner: "Ist das Panda-Steak auch Fair Trade?"

Für Sascha und Steffi ist es ein besonderer WGT-Besuch. Im letzten Jahr haben sie hier geheiratet. Mit ihren Freunden Nicole und Frank die Orte ihrer Hochzeit zu besuchen, bringe schöne Erinnerungen zurück, sei es im Clara Park oder auf dem Südfriedhof. "Es ist wunderbar, wieder hier zu sein", freut sich Steffi.

Sascha und Steffi (beide links) mit Panda beim WGT
Sascha und Steffi (beide links) haben letztes Jahr beim WGT geheiratet Bildrechte: MDR/Simon Bernard

16:04 Uhr | Melancholische Klänge von Laura Carbone

Melancholisch und bittersüß: Laura Carbones Sound wird häufig mit dem von Nick Cave verglichen. Vor allem berührt die deutsch-italienische Sängerin und Songwriterin mit ihrer starken Stimme, wie sie bei der exklusiven MDR KULTUR-Studiosession am Pfingstsonntag in der Moritzbastei Leipzig unter Beweis gestellt hat. Genießen bitte:

15:08 Uhr | "Sowas gab's noch nie"

Auch eine Gruppe aus Essen hat sich dem Marsch angeschlossen. Jacqueline ist Mitglied bei den Umweltaktivisten von Extinction Rebellion: "Ich vertrete den veganen Part und bin gegen Massentierhaltung und für Tierrechte." Auch Jürgen und Sascha gefällt die Idee eines Trauermarsches. "Ich komme seit fünf Jahren zum WGT und kann mich nicht erinnern, dass es sowas schon gegeben hat", sagt Jürgen. "Es ist viel los, was sich verändert in der Natur. Ich selbst komme aus einer landwirtschaftlichen Familienstruktur und bin gegen Massentierhaltung."

Jaqueline von Extinction Rebellion
Jürgen, Jacqueline und Sascha sind gegen Massentierhaltung Bildrechte: MDR/ Simon Bernard

14:16 Uhr | Schulterschluss zwischen Tierschutz und WGT

Metalfan Jette vom BUND beim Trauermarsch
Metalfan Jette vom BUND Bildrechte: MDR/ Simon Bernard

Jette kommt eigentlich aus der Metal-Szene. Sie engagiert sich beim Landesverband des BUND Sachsen und begrüßt den Schulterschluss zwischen WGT-Szene und dem Tierschutz: "Man vernetzt sich miteinander und ich finde gut, dass der Trauermarsch stattfindet und Aufmersamkeit schafft." Christoph pflichtet ihr bei: "Man erreicht Leute, die man sonst nicht erreicht hätte." Von der Idee des Marsches fühlen sich beide persönlich angesprochen. "Man lebt nur einmal und hat nur ein Leben lang Zeit, etwas zu verändern."

13:48 Uhr | Trauermarsch gegen das Artensterben

WGT-Trauermarsch, Organisator Tobias
Mitorganisator Tobias Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Das WGT gibt sich meistens unpolitisch. Ideen und Haltungen sind so vielfältig, wie die gezeigten Stile. Toleranz dem Anderssein gegenüber spielt eine zentrale Rolle - und jetzt auch das Recht der Tiere, wie bei dem Trauermarsch gegen das Artensterben deutlich wird. Es sei ein Trauermarsch und kein Demonstrationszug, macht Mitorganisator Tobias in seiner Eröffnungsrede klar. Er erinnert daran, dass die WGT-Szene ihren Ursprung in der Punk-Szene habe und somit auch in der Konsumkritik. Die Menschen auf dem WGT beschäftigten sich mit Themen, die andere gerne verdrängten, wie Tod und Sterben. Deshalb seien sie besonders dafür geeignet, auf das Artensterben aufmerksam zu machen.

Dafür setzte sich der Trauermarsch in Viererreihen vom Bayerischen Bahnhof zur Moritzbastei in Bewegung, einen symbolischen Sarg vorwegtragend.

WGT-Trauermarsch fürs Artensterben.
Der Trauermarsch fürs Artensterben zieht Richtung Innenstadt Bildrechte: MDR/Simon Bernard

13:04 Uhr | "Korsagen sollen nicht einengen"

WGT, Stand von Louis und Sarathustra
Louis und Sarathustra verkaufen Korsagen Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Gegen Mittag öffnen die Messehallen ihre Pforten. Am Stand von Louis und Sarathustra gibt es handgearbeitete Korsagen aus Leder. Für eine Korsage benötigt Louis ein paar Tage bis mehrere Monate. Vor allem die aufwendigen Korsagen ziehen die Besucher an, die am liebsten das kaufen, was man gut mitnehmen kann. Was eine gute Korsage ausmacht, weiß Sarathustra: "Man muss sich darin wohlfühlen. Sie soll Taille geben, ohne wehzutun. Eine Korsage soll stützen und nicht einengen." Louis kommt ursprünglich aus Leipzig und stellt in Berlin seine Korsagen her. Er freut sich, dass das WGT Jahr für Jahr kreativer wird.

11:39 Uhr | Tausende Brötchen für späte Frühstücker

Gerd, Michi und Mark (von links) versorgen die Agra-Besucher und Camper mit Kaffee. Bis sich die ersten Frühstücksgäste blicken lassen, kann es allerdings eine Weile dauern. "Je nach Wetter bleiben die Leute lieber länger in den Zelten. Da fragst du dich, wo die alle bleiben", sagt Gerd. Die Arbeit auf dem WGT macht ihnen sichtlich Spaß - und die Kasse stimmt wohl auch. Gerd schätzt, dass an den WGT-Tagen mehrere tausend Brötchen über die Theke gehen.

WGT-Besucher vor einer Backstube
Die drei von der Backstube Bildrechte: MDR/Simon Bernard

11:16 Uhr | WGT-Fans hält auch eine Erkältung nicht ab

WGT: Goths auf dem Agra
India (links) und Julia müssen leider schon abreisen. Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Während die einen nochmal Vollgas geben, müssen die anderen den Heimweg antreten. India und Julie haben ihre Campingsachen wieder zusammengepackt. "Der Schlafsack war ok, aber ohne Erkältung wäre es besser", sagt Julie, die bereits kränkelnd angereist ist. "Die Leute auf dem Zeltplatz waren super und die Bands waren geil", fasst India zusammen. Für sie geht es zurück Richtung Zittau, während Julia nach Berlin weiterreist.

10:50 Uhr | "Viel zu kurz!"

WGT: Goths auf dem Agra
Die WGT-Fans Cora und Matthias bekommen nicht genug vom Festival. Bildrechte: MDR/Simon Bernard

Der letzte WGT-Tag: Wir beginnen ihn auf dem Agra-Gelände. Noch sind nur wenige Besucher da, viele schlafen sicher noch, aber das wird sich bald ändern. Cora und Matthias kommen aus Augsburg und sind schon seit letzter Woche Sonntag (!) in Leipzig. Ermüdungs-erscheinungen kennen sie keine. Ihr vorweggenommenes Fazit zum WGT: "Es ist einfach viel zu kurz!"

9:03 Uhr | Der letzte WGT-Tag beginnt!

Pfingstmontag, der letzte Festivaltag des 28. Wave-Gotik-Treffens bricht an. Bevor am Abend Konzerte u.a. von Tangerine Dream, Saeldes Sanc oder Fliehende Stürme auf dem Programm stehen, können sich Fans des Post-Punk am Vormittag ins Dunkle des Passage-Kinos Leipzig zurückziehen und die Filmbiografie "Control" (2007) über Ian Curtis von Joy Division ansehen. 13 Uhr startet am Bayerischen Bahnhof eine Aktion: Das WGT ruft gemeinsam mit den Umweltaktivisten von Extinction Rebellion zum Trauermarsch für das Artensterben auf. Für alle, die daran teilnehmen wollen, gilt der Dresscode Schwarz.

Auch heute sind wir nochmal mittendrin und berichten in unserem MDR KULTUR-WGT-Ticker von den Highlights des Tages. Hier alles, was am WGT-Sonntag so passiert ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juni 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2019, 18:55 Uhr