Naturschutz Licht im Garten schadet Insekten

Ein beleuchteter Garten ist wunderschön. Das finden aber nur Menschen. Insekten und andere Tiere werden durch die Dauerbeleuchtung gestört. Deshalb sollten wir nachts einfach das Licht löschen.

Ein mit elektrischen Lampen beleuchteter Garten in einem Innenhof bei Nacht
Ein beleuchteter Garten ist hübsch, aber für Tiere anstrengend oder sogar tödlich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wildblumen, Kräuter und andere Pflanzen locken Insekten in die Gärten. Die sind längst artenreich und bunt geworden. Theoretisch ein paradiesischer Ort für Tiere. Wäre da nicht die Nacht. Denn wer seinen Garten liebt, der sorgt sich nicht nur um Tiere, sondern der beleuchtet auch gern seine hübsche Terrasse. Es gibt Strahler, die bis hoch in die Bäume reichen und Solarlampen, die am Wegesrand und in den Beeten leuchten. "Das ist hübsch, aber für Nachttiere höchst störend", erklärt Manuel Philipp. Der Physiker und Astronom hat das Lichtschutzgebiet 'Winkelmoosalm' begründet und kennt sich mit den schädlichen Auswirkungen von Licht bestens aus.

Insekten vorrangig betroffen

Vor allem Insekten leiden unter den Dauerleuchten. Sie werden von Lichtquellen magisch angezogen. Insekten orientieren sich normalerweise am Mond und an den Sternen, die sehr weit entfernt sind. Fliegt ein Insekt, ändert sich die Position des Mondes nicht.

Glühwürmchen Weibchen
Glühwürmchen haben ihr eigenes Licht dabei, so dass sie ihre Partner in der Dunkelheit anlocken können. Bildrechte: imago images/Ardea

Fliegt ein Insekt an einer künstlichen Lichtquelle vorbei, hält es die für den Mond und orientiert sich daran. Allerdings reicht ein halber Meter, schon merkt das Insekt, das es nicht mehr im richtigen Winkel zum Licht fliegt und ändert seine Flugrichtung. Und weil das dann immer wieder passiert, fliegt es schließlich in einer Spirale um das Licht herum und kreiselt dort bis zur Erschöpfung. Entweder sinken die Nachtfalter und Käfer irgendwann tot zu Boden oder liegen so erschöpft unten, dass sie für Laufkäfer oder Spinnen leichte Beute sind. Diese Tiere bekommen dadurch mehr Futter, als sie normalerweise bekämen, während Insekten aus der Natur verschwinden.

Gärten sind ökologische Kleinode. Aber mit Licht macht man nachts einen Teil dessen, was man tagsüber geschaffen hat, wieder kaputt.

Manuel Philipp, Experte für Lichtverschmutzung

Das Problem ist, dass die meisten Insekten, die nachts unterwegs sind - und das sind etwa 60 Prozent aller Insekten - Bestäuber sind. Sie bestäuben beispielsweise unsere Obstbäume. Werden sie durch Licht dezimiert, wird weniger bestäubt. Die Formel ist einfach: Mehr Licht - weniger Früchte.

Aber nicht nur nachtaktive Insekten leiden. Auch die tagaktiven Insekten, die nachts schlafen wollen, können nicht schlafen. Es ist für sie, als bekämen wir in unser Schlafzimmer eine Lampe gehängt. Die Insekten können sich dagegen nicht wehren.

Welche Beleuchtung für den Garten?

Gibt es überhaupt Beleuchtung für den Garten, die für Insekten okay ist? „Nein“, sagt Manuel Philipp.

Die Natur hat kein Licht vorgesehen. Nachts ist es dunkel.

Manuel Philipp, Experte für Lichtverschmutzung
Igel 3 min
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Was passiert eigentlich draußen im Garten, wenn wir schlafen? Eines ist sicher: Die Natur ruht nie…

MDR FERNSEHEN So 17.02.2019 08:30Uhr 02:55 min

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Aber natürlich brauchen Gärtner Licht: Um gemütlich abends zu sitzen, um den Weg zu finden. Das kleinstmögliche Übel ist dann gelbes Licht. Und das sollte möglichst nach unten leuchten. Solarleuchten strahlen meist zur Seite und nach oben ab. Das hilft Gärtnern nicht, den Weg zu finden. Denn Licht, das nach oben geht, blendet sogar eher. Nach unten leuchtende Lampen funktionieren als Lichtpunkte genauso gut und erleuchten den Weg sogar besser.

Ein mit elektrischen Lampen und einer Flamme beleuchteter Garten mit einem Teich bei Nacht 21 min
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Brennt nachts im Garten Licht, fühlen sich Tiere nicht nur gestört. Für manche Insekten können die Lampen zur tödlichen Falle werden. Lichtschutz-Experte Manuel Philipp erklärt, wie Beleuchtung insektenfreundlich wird.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Sa 01.08.2020 08:00Uhr 20:38 min

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Die Lichttemperatur sollte unter 3.000, besser sogar unter 2.700 Kelvin sein. Das entspricht einem gelb-orangefarbenen Licht. Alles, was weiß oder gar bläulich ist, zieht die Insekten magisch an. Außerdem gilt: Möglichst schwach, möglichst nach unten, möglichst gelblich – wenn denn Licht gebraucht wird, ist das die beste Variante. Gartenbesitzer sollten sich immer fragen: Brauche ich es an dieser Stelle? Brauche ich vier oder fünf Lampen oder reicht vielleicht auch eine? Wichtig: Nicht auf Dauerlicht stellen! Besonders problematisch sind Solarleuchten, die sich während des Tages aufladen und nachts vor sich hin leuchten. Manche haben Bewegungsmelder und leuchten nur bei Bedarf. Alle anderen sollten raus aus dem Garten oder mit Zeitschaltuhren gesteuert werden.

Jeder löscht das Licht, wenn es ins Bett geht. Das sollte man im Garten genauso machen.

Manuel Philipp, Experte für Lichtverschmutzung

Aber die Aussagen gelten nur, wenn alle Schäden zusammengerechnet werden. Es gibt immer Tiere, die Probleme mit bestimmtem Licht haben. Glühwürmchen werden zum Beispiel stark von gelbem Licht irritiert.

Übrigens brauchen auch Pflanzen Schlaf. Auch wenn das ein bisschen albern klingt: Wir nutzen die Reaktion der Pflanzen auf Licht beispielsweise in Gewächshäusern. Dort wird mit rotem Licht beleuchtet, um Wachstum oder Blütenbildung zu steuern. Nächtliches Licht irritiert Pflanzen. So werfen Bäume, die direkt neben einer Straßenlaterne stehen, ihr Laub später ab. Sie orientieren sich am Licht und denken, es sei noch Sommer. Das kann zum Problem werden, wenn der Frost zeitig kommt.

So wird der Garten insektenfreundlich beleuchtet:

  • Verwenden Sie Licht nur dort, wo Sie sitzen!
  • Beleuchten Sie Plätze im Garten nur indirekt. Montieren Sie Lampen möglichst niedrig.
  • Nutzen Sie Licht, das nach unten strahlt, nicht seitlich und nicht nach oben. Richten Sie es nicht direkt in Bäume, Büsche und Hecken.
  • Benutzen Sie Lampen mit gelbem Licht und niedriger Intensität, also einer niedrigen Wattzahl.
  • Wer Wege beleuchtet, um sich dort sicher bewegen zu können, kann mit Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhr arbeiten.
  • Wenn Sie den Garten verlassen, schalten Sie das Licht aus!

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 01. August 2020 | 09:00 Uhr