Zimmergarten Orchideenpflege - Die fünf größten Irrtümer

Orchideen sollten einmal pro Woche mit einem Glas Wasser gegossen werden, glauben viele. Doch das ist ein Irrtum. Marei Karge-Liphard vom Orchideengarten Karge in Dahlenburg war beim MDR Garten zu Gast und hat erklärt, was es mit diesem und weiteren Irrtümern auf sich hat.

eine Orchidee mit vielen weißen Blüten
Cymbidium-Orchideen wie diese weiß blühende Züchtung mögen eher kühle Standorte. In geheizten Wohnräumen fühlen sie sich nicht wohl. Bildrechte: Teresa Herlitzius

Irrtum 1: Alle Orchideen sollten warm stehen.

Nicht alle Orchideen müssen warm stehen. Je nach Herkunft mögen sie es auch "nur" temperiert oder sogar kalt. Cymbidien kommen beispielsweise vom Himalaya und mögen es gerne so wie in ihrer Heimat, nämlich kühl. Aber auch die Orchideenarten Dendrobium nobile und Dendrobium kingianum mögen es eher frisch. Sie stehen bei sechs bis zwölf Grad gut. Als Standort eignen sich hier Flure oder Windfänge. Im sogenannten temperierten Bereich fühlen sich unter anderem die Miltonia und die Paphiopedilum-Hybride Pinocchio wohl. Sie können bei 16 bis 18 Grad beispielsweise ins Schlafzimmer gestellt werden. Im Wohnzimmer hingegen mag es die Phalaenopsis, die in Deutschland meistgekaufte, blühende Zimmerpflanze. Der warme Bereich sollte eine Temperatur von 20 bis 22 Grad haben.

Zimmerpflanzen pflegen Orchideen und ihre Wohlfühltemperatur

Ein Irrtum zur Orchideenpflege ist, dass alle Orchideen warm stehen müssten. Doch das stimmt nicht. Wir stellen Ihnen hier eine Auswahl an Orchideen mit ihrer Wohlfühltemperatur vor.

eine Orchidee trägt viele kleine, weiße Blüten
Optisch erinnern die weißen Blüten der Dendrobium kingianum beinahe an Maiglöckchen. Bei sechs bis zwölf Grad mögen es diese Orchideen eher kalt. Ursprünglich stammen sie aus Australien. Im Halbschatten und in der Sonne fühlen sich die Pflanzen wohl. Zur Blüte kommt es nur nach einer kühlen, trockenen Ruhezeit. Bildrechte: Teresa Herlitzius
eine Orchidee trägt viele kleine, weiße Blüten
Optisch erinnern die weißen Blüten der Dendrobium kingianum beinahe an Maiglöckchen. Bei sechs bis zwölf Grad mögen es diese Orchideen eher kalt. Ursprünglich stammen sie aus Australien. Im Halbschatten und in der Sonne fühlen sich die Pflanzen wohl. Zur Blüte kommt es nur nach einer kühlen, trockenen Ruhezeit. Bildrechte: Teresa Herlitzius
eine Orchidee mit gelb-dunkelroten Blüten steht in einem hellblauen Topf auf einem schwarzen Tisch
Die Denodrobium nobile-Hybriden gibt es in verschiedenen Farbkombinationen. In der Ruhezeit können sie auch etwas trockener gehalten werden. Nicht nur in der Ruhezeit mögen sie es kühl. Häufig stehen Orchideen, die nicht blühen wollen, aber insgesamt gesund aussehen, zu warm. Da kann ein Standortwechsel Abhilfe schaffen. Orchideen, die gern kalt stehen, können gut in Flure oder Windfänge gestellt werden. Bildrechte: Teresa Herlitzius
große lilafarbene Orchideenblüten in Nahaufnahme
Vanda mag es ebenfalls kühl. In kühlen Gewächshäusern oder Wintergärten fühlt sie sich wohl. Sie mag keine direkte Sonne, bevorzugt es jedoch hell. Daher sollten Süd- und Südwestfenster unbedingt schattiert werden. Vanda zählt zu den monopodialen Orchideen. Bei ihnen wächst also lediglich ein Hauptspross. Bildrechte: Teresa Herlitzius
Gelb-altrosafarbene Blüte einer Orchidee
Die Paphiopedilum 'Pinocchio' hat es in sich: Als "Revolverblüher" "lädt" sie ihre Blüten nach. Nach dem Verblühen einer Blüte folgt unmittelbar die nächste - und das über die gesamte Blütezeit, die bis zu einem halben Jahr andauern kann. Bei 16 bis 18 Grad fühlen sie sich zum Beispiel im Schlafzimmer wohl. Bildrechte: Teresa Herlitzius
rosa Farbene Blüte einer Orchidee, die an ein Stiefmütterchen erinnert
Die Miltonia wird wegen ihrer Blütenform auch Stiefmütterchenorchidee genannt. Auch sie bevorzugt einen temperierten Standort. Diese Orchidee hat eine lange Blühdauer. Licht intensiviert dabei Blütengröße und -farbe. Bildrechte: Teresa Herlitzius
Nahaufnahme einer leuchtend-orangenfarbenen Orchideenblüte
Die Masdevallia mag es eher temperiert bis kalt. Im Schatten oder Halbschatten fühlt sich die Lateinamerikanerin besonders wohl. Ein bisschen erinnert die knallig-orangene Blüte an die Haarpracht der Cartoonfigur Yosemite Sam, den Gegenspieler von Bugs Bunny. Bildrechte: Teresa Herlitzius
Viel orange-braune Blüten einer Orchidee, die an Herbstlaub erinnern
Die Colmanara catante mag es temperiert und ist somit gut fürs Schlafzimmer geeignet. Sie trägt an verzweigten Rispen zahlreiche Blüten. Bildrechte: Teresa Herlitzius
weinrote Blüten einer Orchidee in Nahaufnahme
Die Memoria 'Dick Clements' mag es temperiert bis warm. Sie gilt als sehr blühstark und sollte in den Halbschatten gestellt werden. Bildrechte: Teresa Herlitzius
eine dunkelrote Blüte mit einem gelben Farbklecks in Nahaufnahme erinnert an einen Schmetterling
Die Psychopsis papilio fühlt sich im Warmen wohl. 20 bis 22 Grad sollte diese Orchidee stehen. Bei der Psychopsis bilden sich teilweise sehr lange Blütenstände aus. Sie mögen es hell. Bildrechte: Teresa Herlitzius
weiße Blüten mit lila Flecken in der Nahaufnahme
Auch die Phaleanopsis stehen gerne im warmen Räumen, wie beispielsweise im Wohnzimmer. Diese Orchidee ist besonders beliebt und in zahlreichen Varianten erhältlich. Die Phalaenopsis amabilis trägt auf ihren Blütenblättern sogenannte Kuhflecken. Sie stammt aus Australien, den Philippinen und Indonesien. Bildrechte: Teresa Herlitzius
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 03. Februar 2019 | 08:30 Uhr

Irrtum 2: Der Standort von Orchideen sollte nicht geändert werden.

Auch diese Annahme stimmt nicht. Orchideen sind nicht so empfindlich, wie häufig vermutet. Ein Standortwechsel begünstigt sogar die Blütenfähigkeit der schönen Exoten. Allerdings sollte auf die Lichtverhältnisse geachtet werden. Sie mögen es hell.

Irrtum 3: Orchideen brauchen ein Schnapsglas voll Wasser pro Woche.

Ein Schnapsglas voll Wasser pro Woche reicht Orchideen nicht aus. Sie sind so genügsam, dass sie das eine Zeit lang erdulden, dann wachsen sie rückwärts. Orchideen sollten einmal die Woche im Topf richtig nass gemacht werden. Am besten sie werden einfach großzügig gegossen. Allerdings sollte anschließend unbedingt das überschüssige Wasser abgegossen werden, damit Staunässe vermieden wird. Vom Tränken der Pflanze in einer Badewanne oder Spüle rät die Expertin ab: Krankheiten könnten so zwischen den Pflanzen leichter übertragen werden.

verschiedene Orchideen mit bunten Blüten
Die Vielfalt der Orchideen ist groß. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Irrtum 4: Orchideen müssen gedüngt werden, wenn sie blühen.

Orchideen müssen nicht gedüngt werden, wenn, sondern damit sie gut blühen. Es sollte spezieller Orchideendünger verwendet werden, da hier die Salzkonzentration nicht zu hoch ist. Düngezeit ist bei Orchideen von März bis Oktober. Im Winter kann dann auf die Düngung verzichtet werden.

Irrtum 5: Beim Rückschnitt sollte ein Drittel der Orchidee stehen gelassen werden.

Diese Aussage stimmt nur teilweise. Auf Phalaenopsis beispielsweise trifft sie zu. Allerdings sollten Orchideen mit langen, schmalen Blätter und Bulben ganz unten zurückgeschnitten werden. Außerdem gibt es so genannte Revolverblüher, die gar nicht nachgeschnitten werden müssen. Sie "laden" ihre Blüten von alleine nach. Zu den Revolverblühern gehört beispielsweise die Paphiopedilum-Hybride Pinocchio.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 13. Dezember 2020 | 08:30 Uhr