Schädling Was tun gegen die Kirschessigfliege?

Ein Schädling bereitet Wein- und Obstbauern in Deutschland Sorgen: Die Kirschessigfliege kam zwar erst vor wenigen Jahren nach Europa, sie vermehrt sich aber sehr schnell. Das Tier fällt über violette und rote Früchte kurz vor der Pflückreife her. Es kann Ernten vernichten - und hat dies auch schon getan.

Brombeeren auf denen Kirschessigfliegen sitzen.
Klein aber gefährlich. Die Kirschessigfliege kann ganze Ernten vernichten. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Das Insekt sieht harmlos aus: Knapp drei Millimeter ist es groß, der Körper ist orange-braun. Die Kirchessigfliege (Drosophila suzukii) stammt aus Südostasien und wurde vor vier Jahren das erste Mal in Deutschland beobachtet. Seitdem breitet sie sich rasant aus - und hinterlässt eine Spur faulender und stinkender Früchte, wo auch immer sie auftaucht.

Kirschessigfliege
Kirschessigfliegen stehen auf Obst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was sie gefährlich macht, sitzt an ihrem Hinterleib: Die Weibchen tragen einen scharfen, gesägten Legeapparat. Damit können sie reife Früchte ansägen und ihre Eier hineinlegen. Unsere einheimischen Essigfliegen (Drosophila melanogaster) sind dazu nicht in der Lage.

Die Eier liegen kurz unter der Schale, erkennbar sind sie nur an ihren feinen Luftschläuchen. Über die Einstichstelle gelangen Keime in die Früchte. Die Larven bahnen ihnen zusätzliche Wege durch das Fruchtfleisch. Die Folge: Die Früchte werden weich, zerfallen schnell, beginnen zu faulen und zu schimmeln.

Viele verschiedene Wirtspflanzen 

Den Insekten ist es egal, ob sie Ihre Eier in Trauben, Kirschen, Pfirsiche oder Pflaumen legen. Weitere Wirtspflanzen sind Heidelbeeren, Schlehen, Himbeeren, Brombeeren und Holunderbeeren. Nur Äpfel rühren sie nicht an. Problematisch ist die hohe Vermehrungsrate: Aus den Puppen schlüpft schon acht  bis 14 Tage nach Eiablage die neue Generation der Schädlinge. Und jede Fliege legt bis zu 400 Eier - das ergibt Millionen Nachkommen im Jahr.

In Thüringen wurde die Fliege im Jahr 2014 hat zum ersten Mal gefunden. Allerdings hielten sich die Schäden noch in Grenzen. Im Folgejahr kann sich die Situation schon anders darstellen. Viele befruchtete Weibchen werden den milden Winter überstanden haben und im Frühjahr 2015 vermutlich wieder in die Kulturen einwandern. Mit Apfelessigfallen lassen sich zwar einige Insekten ködern und nachweisen, aber dezimieren wird es sie nicht. Die Obstbauern dürfen dank Eilverfahren mittlerweile neue Insektizide einsetzen, um Ihre Bestände vor der Kirschessigfliege zu schützen. Das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen erwartet aber nach eigenen Angaben, dass sich angesichts der hohen Nachkommenzahl bald Resistenzen bilden. Ein behutsamer Umgang mit den wirksamen Insektiziden sei deshalb ratsam.

Früchte regelmäßig ernten und aufsammeln

Klein- und Hausgärtnern bleiben gegen den Schädling nur strenge Hygienemaßnahmen. Die chemische Bekämpfung wäre ohnehin schwierig, da die Früchte direkt vor der Ernte gespritzt werden müssten.

Damit die Fliegen sich nicht vermehren können, müssen daher alle Früchte, befallene und gesunde, regelmäßig abgepflückt werden. Das heißt: Alle zwei bis drei Tage muss geerntet werden. Auch herabgefallene Früchte müssen eingesammelt und entsorgt werden - allerdings nicht auf dem Komposthaufen. Heruntergefallenes Obst sollte in Plastiktüten gesteckt werden, die längere Zeit verschlossen in die Sonne gelegt oder tiefgefroren werden. So sterben Larven und Eier ab. Denn die Kirschessigfliege ist ein Überlebenskünstler - sehr zum Leidwesen der Gärtner. Wichtig ist daher auch, dass der Schädling nicht nur im Erwerbsgartenbau, sondern auch von Hobbygärtnern auf privaten Flächen bekämpft wird.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 28. Juli 2019 | 08:30 Uhr