Grüne, olivfarbene und gelbe kleine Kiwibeeren.
Viel kleiner als die pelzigen Schwestern, aber im Geschmack ähnlich. Diese Kiwibeeren können mit Schale gegessen werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Exoten im eigenen Garten Kiwibeeren pflanzen, pflegen, ernten

Kiwibeere (Actinidia)

Es gibt weit über 100 verschiedene Kiwi-Arten (Actinidia). Die Bezeichnung Kiwi ist nur für die bekannten Handelsfrüchte exakt, alle anderen Arten werden Kiwibeeren genannt. Es gibt inzwischen einige Züchtungen der Kiwibeeren, die auch in Deutschland sicher im Hausgarten wachsen.

Grüne, olivfarbene und gelbe kleine Kiwibeeren.
Viel kleiner als die pelzigen Schwestern, aber im Geschmack ähnlich. Diese Kiwibeeren können mit Schale gegessen werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die pelzigen Kiwis, die es im Supermarkt gibt, wachsen vornehmlich in mediterranen Gegenden und in Neuseeland. Da das Klima bei uns immer wärmer wird, gibt es auch hier mittlerweile einige Gartenfreunde, die die klassische Kiwi ernten können. Ein Beispiel aus Leipzig zeigt die Erfolgsgeschichte eines Gärtners, dem das gelungen ist.

Es gehört aber etwas Glück dazu. Der Standort muss sonnig, warm und geschützt sein – eine Erntegarantie gibt es leider nicht. Sinken die Temperaturen am Standort unter minus zwölf Grad – wovon hierzulande auszugehen ist – werden keine Blütenanlagen gebildet. Die Pflanze zeigt keine Frostschäden, steht jahrelang ohne Blüten und Früchte am Standort. Als Zierpflanze ist das in Ordnung, als Fruchtpflanze sind die klassischen Kiwi-Pflanzen in unserem Klima aber nicht ideal geeignet. Wer dieses Experiment nicht machen will, kann Kiwibeeren-Sträucher anbauen. Ihre kleinen Früchte schmecken ähnlich wie die großen pelzigen Schwestern und lassen sich mitsamt Schale verputzen. Der Wildobstsammler Werner Merkel erklärte, welche Sorten unkompliziert sind und sich für den Eigenanbau eignen.

Kiwibeeren im Kleingarten anbauen

Ein älterer Herr mit weißen dichten Haaren und einer Brille, hält eine Rebe mit Kiwibeeren hoch.
Wildobstsammler Werner Merkel züchtet selbt Kiwibeeren. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die Früchte der Kiwibeeren sind viel kleiner und wachsen ähnlich wie Weintrauben am Rebstock. Diese Arten sind relativ unbekannt, aber in einer Zeit in der gerade Bio-Obst im Trend ist, sehr zu empfehlen. Die Pflanzen aus Nordchina, Sibirien und den Taiga-Gebieten wachsen auch bei uns problemlos. Bisher sind kaum Krankheiten der Schädlinge bekannt, die Früchten und Pflanzen schaden.

Werner Merkel ist Wildobstsammler und hat zur Kiwibeeren-Züchtung der letzten Jahre maßgeblich beigetragen. Seine Hobbyarbeit ist auch ein Beitrag, den Gartenbau Sachsens landes- und europaweit bekannter zu machen. In der Landesanstalt für Weinbau in Veitshöchheim bei Würzburg haben die aktuellen Züchtungen aus Sachsen ihre neue Heimat gefunden. Dort werden sie wissenschaftlich untersucht. Nur dort geprüfte geeignete Sorten kommen auch in den Handel.

Für den Hobbyanbau als Naschobst eignen sich die Sorten Julia, Jassei, Issai und Cinderella. Diese außergewöhnlichen schmackhaften Beeren sind vor allem im Haus- und Kleingarten ein Naschobst vom Feinsten. Sie haben den Vorteil, dass sie mit kompaktem Wuchs bereits ab dem zweiten Standjahr ihre ersten Früchte tragen. Alle anderen Sorten der Kiwibeeren kommen erst im vierten Standjahr zu Erträgen. Sie können aber auch problemlos angebaut werden. Kiwibeeren lassen sich auch im Kübel anbauen.

Empfehlenswerte Sorten für den Anbau in Deutschland * WEIKI oder Bayernkiwi
* Bojnice - eine apfelförmige Sorte
* ROPO (Rote Potsdamer)
* JULIA (Sachsenkiwi)
* Jassei
* Issai
* Cinderella

* Kiwi-Sorten aus Sachsen:
* Fresch Jumbo: eine grüne Minisorte
* Red Jumbo: rotfleischige Sorte mit roter Schale
* Super Jumbo: besonders große grüne Sorte.

Auf einen Blick
Heimat Ostasien
Pflanzenfamilie Strahlengriffelgewächse (Actinidiaceae)
Wuchs schlingende Klettersträucher
Blüte meist cremeweiß
Blütezeit Mai/ Juni
Früchte elliptische Kiwibeeren
Standort im Kronenbereich sonnig, der Fuß der Pflanze muss beschattet werden
Boden durchlässiger, gleichmäßig feuchter, nährstoffreicher Boden
Pflanzzeit Frühjahr nach den Eisheiligen
Winterhart bis -35°C
Mehrjährig ja
Lebensdauer ausdauernd
Ernte Mitte September bis Anfang Oktober
Besonderheiten Kiwibeeren brauchen männliche Befruchter, auch selbstfruchtende Pflanzen

Kiwis pflanzen und pflegen

Traube mit auberginefarbenen Kiwibeeren.
Die Früchte der Kiwibeeren reifen nach. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Die beste Pflanzzeit für Kiwibeeren ist der Frühling nach den Eisheiligen. In die Standortbedingungen kann sich der Kleingärtner leicht hineindenken, denn das natürliche Vorkommen entspricht als Waldbegleitpflanze unseren Himbeeren. Am Rande von Bäumen fühlen sie sich wohl. Der Standort im Garten ist entsprechend auszuwählen. Nord-, Ost-, und Westlagen sind gut geeignet, sehr heiße Lagen sind dagegen zu vermeiden. Kiwis sind Flachwurzler. Während die Früchte gern auch sonnig hängen, sollte der Wurzelbereich der Pflanze - ähnlich wie bei der Clematis - durch Vorpflanzungen oder Mulch beschattet und geschützt werden. Jeder nicht zu trockene Gartenboden ist für den Anbau geeignet. Schwere Böden können mit Kompost angereichert werden. Als Startsubstrat ist es ideal das Pflanzloch mit Rhododendrenerde aufzufüllen.

Die meisten Kiwi-Pflanzen brauchen männliche Befruchterpflanzen, sonst tragen sie keine Früchte. Eine männliche Pflanze ist ausreichend für sechs bis acht weibliche Kiwipflanzen. Es gibt aber auch Kiwibeeren-Sorten die bedingt selbstfruchtend sind. Dazu gehören wieder die Sorten Jassei, Issai, Cinderella und Julia. Trotzdem empfiehlt Werner Merkel auch für diese Sorten die satte Bestäubung durch eine männliche Pflanze abzusichern. Fruchtgröße und Ertrag profitieren von einer männlichen Pflanze. Weltweit werden in der Fruchtproduktion grundsätzlich männliche Pflanzen als Bestäuber eingesetzt.

Grundregeln für Anbau und Pflege: * Standort: Sonne bis Halbschatten sind optimal.

* Kiwi sind Flachwurzler, der Boden um die Pflanze sollte also nicht gehackt werden.

* Kiwi bilden viel Blattgrün, sie müssen im Sommer gegossen werden und dürfen nicht an zu trockenen Orten wachsen.

* Kiwi-Beeren sind Lianen, ideal also für Zäune, Pergolen oder zur Begrünung von Hauswänden.

Mythos und Wahrheit: Selbstfruchtende Sorten

Bei den groß- und kleinfruchtigen Kiwis sind nur wenige Sorten selbstfruchtend. Es handelt sich um überwiegend zweihäusige Pflanzen. Grundsätzlich gilt: Kiwi-Beeren, die als selbstfruchtend angeboten werden, werden den Gärtner oft enttäuschen. Die Beeren bleiben kleiner, weil nur wenige Samen gebildet werden. Oft fallen die Früchte vor der Reife ab und nach einigen Jahren gibt es gar keine Früchte mehr. Nämlich dann, wenn veredelte männliche Triebe die weibliche Pflanze überwuchert haben. Viele angebliche selbstfruchtende Sorten bestehen nämlich einfach aus zwei Pflanzen oder wurden so veredelt, dass der männliche Befruchter auf der weiblichen Kiwi-Beere sitzt. Das funktioniert aber nicht lange, weil die männlichen Kiwi wesentlich schneller wachsen als die weiblichen.

Kiwis zurückschneiden

Kiwibeeren an einem Strauch
Beste Zeit für den Rückschnitt ist der Winter. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Kiwis blühen an den Achseltrieben, die sich auf mehrjährigen Seitentrieben bilden. Sobald sich an den Seitenästen längere Seitenverzweigungen ausbilden, werden diese deshalb im Laufe des Sommers auf fünf bis sieben Augen eingekürzt. Einjährige Kurztriebe können bereits mit den "Knubbel"-artigen Knospen besetzt sein, aus denen sich die Blüten bildenden Austriebe entwickeln. Mehrjährig verzweigtes, altes Fruchtholz sollte auf junges Fruchtholz zurück genommen werden (Fruchtholzrotation), um die Fruchtqualität und -größe zu verbessern. Die Schnittmaßnahmen sollen im Sommer bzw. in absoluter Winterruhe (Januar/ Februar) durchgeführt werden, da die Schnittstellen bei einem Frühjahrsschnitt im März und April stark bluten. 

Kiwis ernten

Die Blüten bilden sich ab Mai, Spätfröste sind dann kein Problem mehr. Sind genug Bienen als Bestäuber vorhanden, ist eine reiche Ernte sicher. Es gibt Sorten, die ab September reif sind. Die spät reifenden Sorten (Ende Oktober) sollten auf jeden Fall vor dem Einwirken von Nachtfrösten (-3/-4 °C) gepflückt werden. Es besteht sonst die Gefahr von Frostschäden, also glasiger, weicher Früchte, die dann leicht vergoren schmecken. Sie sind aber noch für Konfitüren verwendbar. Die Früchte reifen im kühlen Lager auch problemlos nach.

Tipp gegen die Kirschessigfliege

Die Kirschessigfliege ist der einzige bekannte Fein der Kiwibeere. Die Weibchen schlitzen mit ihren dornenartigen Zähnen die Schalen reifer Früchte auf und legen ihre Eier in der Frucht ab. Momentan gibt es noch kein zugelassenes Mittel, das gegen die Kirschessigfliege hilft. Einen Tipp aber hat der Kiwi-Experte Werner Merkel: Für die  Kirschessigfliege sind nur reife Früchte mit einer weichen Schale interessant. Sind erste reife Früchte befallen, sollten sofort auch die noch nicht ganz ausgereiften Früchte geerntet werden. Sie sind zu diesem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich noch unversehrt und reifen innerhalb einer Woche im Kühlschrank nach.

Grüne, olivfarbene und gelbe kleine Kiwibeeren.
Viel kleiner als die pelzigen Schwestern, aber im Geschmack ähnlich. Diese Kiwibeeren können mit Schale gegessen werden. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 28. Juli 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2019, 11:00 Uhr

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