Gaming und Barrierefreiheit "Im Spiel werde ich einfach als Mensch wahrgenommen."

Für Dennis Winkens ist Gaming mehr als nur ein Hobby. Es ist sein Schlüssel, seine Verbindung zur Außenwelt. Hinter dem Bildschirm sind alle gleich, es zählt nur, was im Spiel passiert.

von Maximilian Rünker und Johanna Kiesler

Verpixelter Rollstuhlfahrer vor Videospiel und der Schriftzug "Im Spiel bin ich Mensch." 4 min
Bildrechte: MEDIEN360G

Onlinespiele zocken und andere dabei zugucken lassen. Auf Seiten wie Youtube oder der Streamingplattform Twitch  zeigen sich Gamer gegenseitig ihr Können. Auch Dennis Winkens verbringt auf diesen Plattformen einen Großteil seiner Freizeit. Der 31-jährige, der im Netz unter dem Nickname „Wheelyworld“ bekannt ist, lenkt sein Spiel aus einer fürs Zocken eher untypischen Position - im Liegen.

Seit einem Fahrradunfall mit 17 ist Dennis Winkens querschnittsgelähmt. Von seinem liebsten Hobby – dem Zocken von Onlinespielen hat ihn das nicht abgehalten. Sein wichtigstes Werkzeug dabei: ein sogenannter Quadstick.

"Der Quadstick ist im Grunde genommen wie eine Mundmaus, wie ein Mundjoystick, an dem sich ein Mundstück befindet mit in diesem Fall drei Löchern, die durch Saug- und Blassensoren betätigt werden können und man kann sich für jedes Spiel individuelle Profile erstellen, so dass man sagen kann z.B. im mittleren Loch reinpusten ist in dem einen Spiel z.B. Springen, im nächsten Gas geben, so dass man nach Belieben sich das Ganze zurecht legen kann."

Ausgefeilte Technik

Statt wie früher nur einfache Point-and-Click-Adventures kann er mit dieser ausgefeilten Technik jetzt auch wieder das zocken, was ihm schon vor seinem Unfall am meisten Spaß gemacht hat: Komplexe Sport-Spiele bei denen Geschick und Schnelligkeit zählen. So wie Rocket League, ein Mix aus Autorennen und Fußball, das im Team gespielt wird.

Dennis Winkens arbeitet als Online-Redakteur für eine Firma, die Mobilitätshilfen für Menschen mit Handicap vertreibt. Das macht er meistens von zu Hause aus – am Schreibtisch. Auch dabei hilft ihm der Quadstick.

Gezockt wird hingegen – vom Bett aus. Bei den Vorbereitungen helfen dem Gamer Assistenzkräfte oder wie in diesem Fall - seine Mutter. Bevor er loslegen kann, stellt sie den Quadstick auf das jeweilige Spiel ein, installiert Webcam und Mikrofon fürs Streaming, und richtet den Bildschirm so aus, dass es für Dennis Winkens bequem ist.

Inklusion durch Gaming

Gaming fördert Inklusion für mich enorm, weil da das Handicap überhaupt nicht im Vordergrund steht.

Dennis Winkens "Wheelyworld"

"Wenn das rauskommt, dass jemand ein Handicap hat und man hat mit demjenigen schon gespielt, ist es vielleicht ein aha-Effekt oder ein oh-wow, aber es steht überhaupt nicht im Fokus, es geht allein um den Spielspaß, man wird einfach so wahrgenommen, als Mensch, wird auf nichts reduziert, das läuft ganz normal ab, wie jeder mit jedem umgehen sollte und man hat einfach Spaß zusammen und das ist das, was zählt."

Zocken ist für Dennis Winkens mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung. Es ist für ihn die Möglichkeit, eine Welt ohne Barrieren zu erleben, sein Können einzubringen und als ganz normaler Mensch Teil eines Teams zu sein.

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2019, 12:35 Uhr