Bodenpersonal fehlt Tausende Flüge werden gestrichen

Nach zweieinhalb Jahren Coronavirus-Pandemie wollen die Menschen endlich wieder reisen. Die Luftfahrtbranche könnte jetzt wieder Geld verdienen, doch viele Flüge werden gestrichen – allein im Juni rund 1.000 bei der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings. Der Grund: An den Flughäfen fehlt es am nötigen Bodenpersonal.

Die Sicherheitskontrolle im Terminal 2 der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH am Hauptstadtflughafen BER
Sicherheitskontrolle im Terminal 2 des Hauptstadtflughafens BER: Es braucht geschultes Personal Bildrechte: dpa

Den deutschen Flughäfen und Partnerunternehmen fehlen rund 5.500 so genannte operative Beschäftigte, im Check-In, in der Luftsicherheitskontrolle, bei der Bundespolizei, der Grenzkontrolle und letztlich den Ladediensten.

Laut Ralf Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, fehlen durchschnittlich 20 Prozent des nötigen Personals, was gerade zu Stoßzeiten eine Herausforderung sei.

Für Sven Bergelin, Bundesfachgruppenleiter Luftverkehr der Gewerkschaft Verdi, ist das Problem selbst verschuldet: Während der Pandemie sei zu viel Personal abgebaut worden. Mindestlohn-Beschäftigte, die einen großen Teil des Bodenpersonals ausmachten, suchten andere Jobs: "Nicht überall wurden Zuschüsse gezahlt zum Kurzarbeitergeld und Kollegen im Mindestlohn-Sektor mussten auf einmal mit 700, 800 Euro klarkommen."

Laut Bergelin hätte man Beschäftigten eine Perspektive offenhalten müssen, anstatt sich "von Kurzarbeitsperiode zu Kurzarbeitsperiode" zu hangeln, ohne sich auf den Restart vorzubereiten.

"Gewaltausbrüche gegen Mitarbeiter"

Für Daniel Wollenberg, den Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Luftverkehr, kurz IGL, müsste die Tätigkeit auch attraktiver werden:

Finanziell 'ne Schippe drauf packen, ist mindestens das erste, was passieren muss.

Daniel Wollenberg, Industriegewerkschaft Luftverkehr

Es brauche mehr Personal, um das Stresslevel zu senken, sagt Wollenberg. Man könne das nicht wie einen Industriebetrieb fahren am Laufband. "Was leider auch wirklich ein trauriger Trend ist, im Moment, ist die Art und Weise wie Passagiere mit Personal umgehen", berichtet der Gewerkschafter. So habe es in den vergangenen Wochen "auch wirklich Gewaltausbrüche gegen Mitarbeiter" gegeben. Neben einer besseren Bezahlung fordern IGL und Verdi auch bessere Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz.

Flexibler Einsatz verbleibenden Personals

Aber wie löst man nun das Problem mit fehlendem Personal? Die Betreiberfirma von Deutschlands größtem Flughafen, die Fraport AG in Frankfurt/Main, erklärt auf Anfrage von MDR AKTUELL, sie wolle dieses Jahr bis zu 1.000 Menschen für Gepäck- und Bodenabfertigung einstellen.

Darüber hinaus liege "ein großer Fokus" auf Aus- und Weiterbildung. Demnach werden Beschäftigte auch in anderen Tätigkeiten ausgebildet, um flexibel zu sein, Gepäck-Abfertiger etwa als Fracht-Transportfahrer. Auch Beschäftigte aus dem administrativen Bereich unterstützten.

Lufthansa und Condor etwa empfehlen nun eine rechtzeitige Anreise am Flughafen, die Nutzung digitaler Angebote wie dem Online-Check-In und eine Gepäckabgabe – wenn möglich – schon am Vorabend. Das könne lange Wartezeiten vermeiden. Fluggesellschaften erklären dennoch, dass wegen der Personalprobleme die Flugpläne nicht immer eingehalten werden könnten.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juni 2022 | 06:52 Uhr

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