Strommasten und Windräder rund um das Kohlekraftwerk Neurath des Stromkonzerns RWE. 5 min
Wenn sich Emissionen nicht vermeiden lassen – wohin damit? Bildrechte: IMAGO/Panama Pictures

Klimaschutz Experte: CO2-Speicherung vor Norwegen möglich

23. April 2024, 11:30 Uhr

Kohlendioxid aus Industrieanlagen könnte künftig auch im Meeresboden gespeichert werden. Der Ministerpräsident von Norwegen hatte angeboten, sein Land könnte das mit großen Mengen CO2 tun. Der Geowissenschaftler Klaus Wallmann erklärt im Interview: Das ist theoretisch möglich.

Der Geowissenschaftler Klaus Wallmann hält es theoretisch für möglich, künftig große Mengen an Kohlendioxid unter dem Meeresboden zu verpressen. Der Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel reagiert damit auf die jüngste Äußerung von Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Store, sein Land könne den gesamten europäischen CO2-Ausstoß über Jahrzehnte speichern.

Es wäre dann günstiger, es in der deutschen Nordsee zu speichern.

Klaus Wallmann Geowissenschaftler

Wallmann hat im Interview mit MDR Aktuell erklärt, dass genügend Kapazitäten vorhanden wären, um fünf bis zehn Prozent der Emissionen dort ohne großes Risiko unterzubringen. Hauptproblem bei der sogenannten CCS-Technologie ("Abscheiden und Speichern") seien aber die Kosten. Kohlendioxid in den Industrieanlagen abzuscheiden und in flüssigem Zustand über Pipelines nach Norwegen zu transportieren, würde sich im Augenblick gar nicht lohnen. "Es wäre dann günstiger, es in der deutschen Nordsee zu speichern", sagt Wallbaum, der auch Leiter der Forschungsabteilung Marine Geosysteme am Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung (Geomar) ist.

Habeck: Nordsee als Speicherstätte

Ende Februar hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorgeschlagen, dass Abscheidung, Transport und Verpressung von CO2 unter der Erde ermöglicht werden soll. Es gebe industrielle Sektoren, für die durch andere Technologien Klimaneutralität schwer oder gar nicht zu erreichen sei, beispielsweise bei der Herstellung von Zement und Kalk sowie der Abfallverbrennung. Erlauben will er die unterirdische Speicherung auch in Deutschland, allerdings nur auf hoher See, nicht an Land. In seinem Entwurf zur Änderung des Kohlendioxid-Speichergesetzes hatte Habeck die Nutzung einer Speicherstätte in der Nordsee vorgesehen.

Wenn der rechtliche Rahmen dafür geschaffen sei, müssten die Gebiete erst mal genau erkundet werden, so Wallmann. "Das dauert, vorher müsste man tatsächlich nach Norwegen oder Dänemark und die Niederlande exportieren." Doch das werde vor allem aufgrund der Kosten schwierig.

Geologe hält CSS-Technik für sicher

Doch es gibt auch Kritik an der CSS-Technik etwa durch Umweltorganisationen. So wird befürchtet, dass das verpresste CO2 durch Lecks oder Erdbeben wieder aus dem Boden unter dem Meer entweichen und es so zu weitreichenden Klima- und Umweltschäden kommen könnte.

Wallmann hatte im Rahmen eines EU-Projektes mit einem Team aus Wissenschaftlern norwegische CO2-Lagerstätten auf Lecks untersucht und dabei keine gefunden. "Allerdings gibt es ein paar Schwachstellen", so Geologe Wallmann. Das seien etwa alte Bohrlöcher. Doch das Ausmaß potenzieller Schäden sei gering.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 23. April 2024 | 08:48 Uhr

9 Kommentare

Daniel Wiesner vor 4 Wochen

Wenn die Kenntnisse der Gesetze der Thermodynamik so wichtig sind, erläutern Sie sie doch gerne dem geneigten Leser, insbesondere auch im Zusammenhang mit dem Thema des Artikels.

DER Beobachter vor 4 Wochen

Dass Sie die logische Konsequenz aus dem von Ihnen verlinkten Artikel gar nicht begriffen haben, beweisen Sie ja auch in Ihrem Geplapper darunter...

DER Beobachter vor 4 Wochen

Übrigens ein Grund mehr, nicht noch mehr CO2 zu verpusten. Sie outeten sich ja mal als Fan der These, dass wir mehr bräuchten für mehr Wachstum...

Mehr aus Wirtschaft

Mehr aus Deutschland

Nachrichten

Für den Impfstatus von Kinderrn sind vor allem die Eltern verantwortlich. Bild: Kind mit Rucksack an der Hand eines Erwachsenen
Für den Impfstatus von Kinderrn sind vor allem die Eltern verantwortlich. Bildrechte: IMAGO/Michael Gstettenbauer