In der Baggerstadt Ferropolis - der Stadt aus Eisen - protestieren hunderte Bau-Beschäftigte mit einem Aktionstag und einer Kundgebung für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in ihrer Branche. Am Zaun ein Transparent mit dem Schriftzug " Gleiche Arbeit - gleicher Lohn ". Hintergrund sind die aktuellen Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 890.000 Beschäftigten am Bau. Neben einem Lohn-Plus von 5,3 Prozent und einem Ausgleich für die Wegezeit fordert die IG BAU die Anpassung der Ost- an die West-Einkommen. 5 min
Dieses Thema in den Radionachrichten von MDR AKTUELL um 9:30 Uhr: In Ostdeutschland erhalten die Tarifbeschäftigten im Schnitt 500 Euro weniger Urlaubsgeld als in Westdeutschland. Das kann mit dem unterschiedlichen Lohnniveau zusammenhängen. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Waltraud Grubitzsch

Urlaubsgeld Weiter deutliche Unterschiede zwischen Ost und West

11. Juli 2024, 10:44 Uhr

Im Schnitt erhalten die Tarifbeschäftigten in Westdeutschland fast 1.700 Euro Urlaubsgeld – und damit fast 500 Euro mehr als die Menschen in Ostdeutschland. Doch es gibt auch große Unterschiede zwischen einzelnen Branchen.

Fast die Hälfte aller Tarifbeschäftigten in Deutschland erhält in diesem Jahr Urlaubsgeld. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, bekommen sie durchschnittlich 1.644 Euro brutto extra.

Das sind 42 Euro oder 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr (1.602 Euro). Mit 46,8 Prozent hat sich an der Anzahl der Tarifbeschäftigten, die Urlaubsgeld erhalten, nichts geändert. Ob auch Beschäftigte Urlaubsgeld erhalten haben, die nicht von Tarifverträgen erfasst werden, wurde nicht erhoben. 

In Ostdeutschland erhalten die Menschen durchschnittlich fast 500 Euro weniger Urlaubsgeld. Laut Statistischem Bundesamt bekommen Tarifbeschäftigte in Vollzeit in Westdeutschland 1.692 Euro Urlaubsgeld. Im Osten sind es 1.196 Euro. Das kann den Statistikern zufolge mit dem unterschiedlichen Lohnniveau zusammenhängen, da das Urlaubsgeld in Tarifverträgen häufig als prozentualer Anteil eines normalen Monatsgehalts festgelegt wird.

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Doch nicht nur zwischen Ost und West gibt es große Unterschiede, sondern auch zwischen einzelnen Branchen – sowohl bei der Summe als auch beim Anteil der Beschäftigten, die laut Tarifvertrag Anspruch auf Urlaubsgeld haben. Das höchste Urlaubsgeld erhalten die Tarifbeschäftigten 2024 im Bereich "Informationsdienstleistungen". Von den hier durchschnittlich gezahlten 3.769 Euro profitieren allerdings nur 35,4 Prozent der Tarifbeschäftigten, also gut jeder und jede Dritte.

Ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt liegt das tarifliche Urlaubsgeld in den Bereichen "Gewinnung von Erdöl und Erdgas" mit 3.138 Euro und "Maschinenbau" mit 2.982 Euro. In beiden Bereichen wird das Urlaubsgeld an alle Tarifbeschäftigten gezahlt.

Geringstes Urlaubsgeld in der Zeitarbeit

Je nach Tarifvertrag sind die berechtigten Personenkreise sehr unterschiedlich festgelegt. Wer tarifgebunden im verarbeitenden Gewerbe angestellt ist, erhält zu 96,9 Prozent ein Urlaubsgeld. Die Höhe liegt durchschnittlich bei 2.304 Euro. Auch im Baugewerbe (95 Prozent) und im Gastgewerbe sind die Sonderzahlungen weit verbreitet, fallen aber niedriger aus.

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Das niedrigste Urlaubsgeld von durchschnittlich 326 Euro erhalten Menschen bei Zeitarbeitsfirmen. Auch im Bereich "Landwirtschaft, Jagd und damit verbundene Tätigkeiten" gibt es mit 361 Euro ein unterdurchschnittliches Urlaubsgeld. In der Branche "Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung" erhalten die Tarifbeschäftigten kein Urlaubsgeld.

dpa/KNA (mpö)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 11. Juli 2024 | 09:30 Uhr

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