Ein Schild am Gebäude benennt das Finanzministerium von Lettland.
Vielleicht kann man sich im lettischen Finanzministerium bald über ehrlichere Stuererzahler freuen. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Kampf gegen Schattenwirtschaft Kassenbon-Lotterie in Lettland zum ersten Mal geknackt

Die lettischen Steuerbehörden haben eine Lotterie ins Leben gerufen, mit der sie gegen Schwarzarbeit und Steuerbetrug vorgehen wollen. Die Idee wird derzeit im ganzen Land diskutiert. Bei der Bekanntgabe des ersten Gewinners gab es bereits eine Panne.

Ein Schild am Gebäude benennt das Finanzministerium von Lettland.
Vielleicht kann man sich im lettischen Finanzministerium bald über ehrlichere Stuererzahler freuen. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Im Kampf gegen Steuerbetrug und Schattenwirtschaft haben sich die Steuerbehörden in Lettland etwas einfallen lassen: Eine Kassenbon-Lotterie soll Bezahlvorgänge überprüfbar machen und für mehr Ehrlichkeit sorgen. Dafür können Kassenzettel über einer Summe von mehr als fünf Euro auf einer Website registriert werden. Als Gewinn lockt jeden Monat ein Hauptpreis über 10.000 Euro. Dieser wurde jetzt zum ersten Mal geknackt. "Das Interesse war anscheinend sehr groß", sagt der aus Lettland stammende Journalist Toms Ancītis. Bis zu 1,7 Millionen Kassenbons seien bereits registriert worden.

Toms Ancitis auf einer Treppe
Toms Ancītis ist freier Journalist aus Lettland. Bildrechte: Toms Ancītis

Neben den Hauptpreisen soll es weitere Geldpreise geben, die Jahresverlosung ist mit insgesamt 70.000 Euro dotiert. Die lettische Steuerbehörde erhofft sich von der Lotterie vor allem einen Erziehungseffekt. Ancītis sieht darin einen Versuch, gegen Schwarzarbeit in kleinen Läden, Friseursalons und Autowerkstätten vorzugehen: "Die meisten Einkäufe finden bei großen Ketten und werden bereits erfasst. In solchen Supermärkten werden keine Angaben gefälscht."

20 Prozent haben Unstimmigkeiten

Kassenzettel Lettland
Kassenbons mit einem Wert ab fünf Euro können bei der Lotterie eingereicht werden. Bildrechte: MDR/Sandra Valtere

Anhand der registrierten Kassenzettel können die Steuerbehörden zurückverfolgen, ob die Quittungen ordnungsgemäß ausgestellt wurden. Schon am ersten Lotterietag sei festgestellt worden, dass rund 20 Prozent der registrierten Belege nicht den Steuergesetzen entsprechen, berichtete der lettische Rundfunk unter Berufung auf die Behörden. Dies entspricht in etwa der in Studien vermuteten Größe der Schattenwirtschaft in dem baltischen EU- und Euro-Land.

Ob das Lotterie-System langfristig von Erfolg gekrönt sein wird, muss sich erst noch zeigen. "Es handelt es sich um keine zielgerichtete Aktion, die das Image der Steuerbehörde poliert", kritisiert Ancītis. Außerdem gebe es Stimmen, die bemängelten, dass der Staat zu mehr Glücksspiel verleiten würde.

Panne bei Veröffentlichung der Gewinnzahlen

Wer genau die ersten 10.000 Euro gewonnen hat, wurde nicht öffentlich gemacht. Anstatt über die Gewinnerin oder den Gewinner zu berichten, konzentrierte sich die Mediendebatte auf Fehler bei der Bekanntgabe der Gewinnzahlen, die bereits vor dem offiziellen Datum veröffentlicht wurden. "Es wird gefragt, ob man überhaupt sicher sein kann, dass die Lotterie korrekt stattfindet", erklärt Ancītis.

Lotterie soll auch Kinder erziehen Bei der Registrierung für die Lotterie muss nur eine Telefonnummer zu Gewinnbenachrichtigung angegeben werden. Eine Altersbeschränkung für die Teilnahme gibt es nicht. Wunsch der Steuerbehörde ist es, dass bereits Kinder an der Kasse nach einer Quittung fragen.

(dpa, sb)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 25. Mai 2019 | 22:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 17:34 Uhr

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