Polizeigewalt in Minneapolis Polizist nach tödlichem Einsatz gegen Schwarzen festgenommen

Nach dem tödlichen Polizeieinsatz gegen einen Afroamerikaner in der US-Großstadt Minneapolis ist ein beschuldigter Beamter wegen Mordverdachts festgenommen worden. Die Krawalle dauern unterdessen an - die Familie des Opfers zweifelt am Obduktionsergebnis. Präsidentschaftskandidat Joe Biden spricht von "systemischem Rassismus".

Polizeibeamte mit Helmen und Gasmasken gehen während der Proteste nach dem Tod von George Floyd, der in Folge einer brutalen Festnahme durch einen Polizisten in Minneapolis starb, an einem Haus in einer Wohngegend vorbei, vor dem eine kleine Gruppe Menschen steht.
Nach dem Todes eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis kam es zu gewalttätigen Protesten in der Stadt. Bildrechte: dpa

Dem bereits aus dem Polizeidienst entlassenen Beamten werde Mord und Totschlag zur Last gelegt, sagte der zuständige Bezirksstaatsanwalt, Mike Freeman, am Freitag auf einer Pressekonferenz. Ihm wird demnach "third degree murder" vorgeworfen.

Er rechne damit, dass auch gegen die drei anderen in den Vorfall verwickelten Beamten Anklage erhoben werde. Dies werde jedoch noch untersucht.

Handy-Video zeigt tödliche Festnahme

Der nun festgenommene Beamte ist auf einem Handy-Video zu sehen, wie er mehr als fünf Minuten lang auf dem Genick des Opfers kniete, obwohl dieser stöhnte: "Ich kann nicht atmen." Der Festgesetzte blieb schließlich reglos liegen. Später wurde er in ein Krankenhaus gebracht, wo er für tot erklärt wurde.

Der 46-jährige Restaurant-Mitarbeiter war nur wegen eines kleinen mutmaßlichen Delikts festgenommen worden: Er soll einen gefälschten 20-Dollar-Schein für einen Einkauf benutzt haben.

Seit seinem Tod kommt es in Minneapolis zu wütenden Protesten und schweren Ausschreitungen. Dabei wurde unter anderem eine Polizeiwache in Brand gesetzt. Für Ordnung soll nun die Nationalgarde sorgen.

In der Nacht war es auch in Atlanta zu Ausschreitungen gekommen. Demonstranten griffen unter anderem das Hauptquartier des Senders CNN an und setzten Polizeiautos in Brand. In der Metropole wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Der Gouverneur von Georgia, Kemp, twitterte, 500 Mitglieder der Nationalgarde würden eingesetzt, um Menschen und Eigentum zu schützen.

Auch in anderen Metroplen wie New York, Houston, Los Angeles, Portland und Washington D.C. kam es zu Protesten, die vereinzelt in Gewalt ausarteten.

Zweifel an Obduktionsergebnis

Inzwischen haben die Anwälte der Familie des Opfers Zweifel an den Ergebnissen der Obduktion angemeldet. Im Haftbefehl gegen einen beteiligten Polizeibeamten hieße es, dass das Opfer nicht erstickt sei. Der 46-Jährige habe unter anderen gesundheitlichen Problemen gelitten, die gemeinsam mit der Festsetzung und möglichen Rauschmitteln in seinem Blut vermutlich zu seinem Tod geführt hätten.

Den Anwälten zufolge habe man aber bereits in anderen Fällen gesehen, dass Menschen, die mit den Behörden zusammenarbeiteten, Dinge präsentierten, die eine "Illusion" seien: . "Alles ist in Ordnung - bis die Polizei sie anspricht." Zugleich kündigten sie nach einem Bericht des Fernsehsenders ABC an, bei einem bekannten Gerichtsmediziner eine eigene Untersuchung in Auftrag zu geben.

Minneapolis wird zum Wahlkampfthema

Der Tod des Mannes könnte nun auch Thema im anstehenden US-Wahlkampf werden. So hat der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden einen entschlossenen Kampf gegen "systemischen Rassismus" in den USA gefordert.

Joe Biden, demokratischer Präsidentschaftsbewerber und früherer US-Vizepräsident
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Wir müssen aufstehen. Wir müssen uns bewegen. Wir müssen uns ändern.

Joe Biden Präsidentschaftskandidat der Demokraten

In Anspielung auf die jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump fügte er hinzu, Amerika brauche keine "aufwieglerischen Tweets" sondern "wirkliche Führung". Trump hatte zuvor auf Twitter damit gedroht, auf Plünderer schießen zu lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Mai 2020 | 00:00 Uhr