Ärztemangel Gesundheitsämter finden keine Nachwuchs-Ärzte

Mehr als ein Drittel der Amtsärzte geht bald in Rente, Nachwuchs gibt es kaum. Grund ist unter anderem die schlechtere Bezahlung im Vergleich mit Ärzten in Kliniken und Praxen.

Patient im Sprechzimmer in der Praxis eines Landarztes
Die Sprechzimmer der Amtsärzte drohen bald leerzustehen. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt gehen die Ärzte aus – nicht nur in den Kliniken und auf dem Land, sondern auch auf dem Amt. Denn die Gesundheitsämter in Sachsen-Anhalt stehen vor einer Rentenwelle. Das zeigen Daten des Gesundheitsministeriums, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegen. Demnach werden in den kommenden zehn Jahren mehr als ein Drittel (42,5 Prozent) der aktuell besetzten Facharztstellen im öffentlichen Gesundheitsdienst durch Renten frei. Mehr als ein Viertel der Stellen sind bereits heute unbesetzt.

Amtsärzte verdienen weniger

Ein Mann im Anzug in seinem Büro
Amtsarzt Eike Hennig wünscht sich mehr Nachwuchs-Ärzte. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE

Das ist im Vergleich zum Ärztebedarf in Praxen und Kliniken keine verhältnismäßig große Zahl. Der Magdeburger Amtsarzt Eike Hennig gab jedoch zu bedenken, dass die Nachwuchsgewinnung für die Gesundheitsämter schwerer sei: "Wir sind da hinten dran, was die Marktlage angeht." Das Gesundheitsministerium spricht von einem Einkommensunterschied zwischen 1.000 und 2.500 Euro monatlich gegenüber Klinik-Ärzten. Denn die Ärztinnen und Ärzte werden nach dem Tarif des Öffentlichen Dienstes bezahlt.

Das Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalts antwortete auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion, dass Kommunen bereits freiwillig eine übertarifliche Zulage zahlten, um Fachärztinnen und Fachärzte gewinnen zu können. Hennig begrüßte das ausdrücklich, stellte jedoch fest, dass das bislang wenig Erfolg gezeigt habe.

Auch das Gesundheitsministerium räumte ein, dass die Zulage für die Ärzte im Gesundheitsamt angehoben werden müsste. Eine Sprecherin der zuständigen Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) verwies auf eine 2020 eingeführte Zulage von 300 Euro. Kommunen könnten Fachärztinnen und Fachärzten zudem zusätzlich bis zu 1.000 Euro im Monat bezahlen.

Ein Teil der Kommunen habe auch ohne diese Zahlungen offene Stellen besetzen können. Das liege daran, dass sich die Arbeit im öffentlichen Gesundheitsdienst – verglichen mit der Arbeit in einer Klinik – besser mit dem Familienleben vereinbaren lasse.

Mehr Geld vom Bund für Gesundheitsämter

Das Gesundheitsamt mit den ältesten Ärzten hat in Sachsen-Anhalt der Landkreis Harz. Dort liegt das Durchschnittsalter der Fachärzte bei 67. Laut einem Sprecher des Landkreises arbeiten insgesamt neun pensionierte Ärzte in der Behörde, teilweise geringfügig beschäftigt. Die Suche nach neuen Fachkräften sei sehr schwierig.

"Es fühlt sich an, als ob man mit Vollgas gegen die Wand fährt. Und ich sehe keinen richtigen Plan dagegen", sagte Eike Hennig dem MDR auch mit Blick auf die Altersstruktur in anderen Ämtern. Das Land Sachsen-Anhalt hatte 2022 analog zur Landarztquote elf Studienplätze der Medizin für angehende Amtsärzte reserviert.

Auf MDR-Nachfrage sprach das Gesundheitsministerium von vier Bewerbungen, von denen voraussichtlich nicht alle geeinigt seien. Eine finale Entscheidung fällt am 15. Juli. Zudem hatte das Land ein Quereinsteiger-Programm gestartet, um Ärzten die Umschulung für das Gesundheitsamt zu erleichtern. Hier gab es bislang einen Absolventen. Durchweg positiv bewerten alle Beteiligten das Förderprogramm des Bundes. Durch den "ÖGD Pakt" fließen vier Milliarden Euro in den öffentlichen Gesundheitsdienst für Personal und Digitalisierung.

MDR (Max Hensch, Max Schörm)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. Juli 2022 | 07:00 Uhr

2 Kommentare

steka vor 4 Wochen

Na von Amtsärzten erwarte ich eigentlich wovon sie sprechen, also erfahrene praxiserprobte Ärzte, die ihre Entscheidungen auch aus eigenen Erkenntnissen treffen können und einen gergelten Dienst ohne Notarzteinsätze suchen. so kann man aber annehmen, daß junge Absolventen, die Patienten nur während des Studiums kennen gelernt haben den Posten als "Paragraphenreiter" ausfüllen sollen. Natürlich muß die Bezahlung dann auch entsprechend Berufserfahrung entsprechend Kliniksärzten erfolgen.

hansfriederleistner vor 4 Wochen

Wir finanzieren die halbe Welt. Selbst China bekommt noch Entwicklungshilfe aus Deutschland. Warum kann die Bundesregierung nicht auch einmal eine Milliarde Euro für Medizinstudienplätze ausgeben. Die Studenten dafür wären vorhanden. Der Mangel wird doch mit jedem Jahr größer.

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