Beteiligung Was sich Kinder und Jugendliche in Wittenberg wünschen

Eine junge Frau mit schulterlangen braunen Haaren schaut freundlich in die Kamera, ihre Arme sind verschränkt
Bildrechte: MDR/Jana Müller

"Was willst du?" Diese Frage hat die Stadt Wittenberg ihren jüngsten Bewohnern gestellt und rund 8.000 Fragebögen an die sechs- bis 27-Jährigen Wittenberger geschickt. Eine von denen, die geantwortet haben, ist die achtjährige Dascha aus Nudersdorf. Und der größte Wunsch der Grundschülerin überrascht.

Eine junge Radfahrerin mit Helm fährt auf einem gepflasterten Weg.
Dascha fährt gerne Fahrrad. In Nudersdorf geht das ganz gut, doch in Wittenberg fehlen ihr an vielen Stellen die Radwege. Bildrechte: MDR/ Jana Müller

Dascha rollt ihr kleines Fahrrad aus der Garage und setzt ihren weißen Helm auf. Die 8-Jährige will unbedingt eine Runde durch die Siedlung im Wittenberger Ortsteil Nudersdorf fahren, um zu zeigen, wie schnell sie ist.

Mama Kerstin hält das Handy mit der Stoppuhr schon in der Hand. In Nudersdorf, sagen die beiden, können Kinder wunderbar Fahrradfahren. Hier gibt es nur wenig Verkehr und genügend Radwege. Ganz anders sähe das aus, wenn man nach Wittenberg fährt.

Eine Frau im rosa Pullover sitz an einem Tisch, auf ihrem Schoß hat sie ein kleines Mädchen. Gemeinsam schauen Sie auf ein Blatt Papier vor sich.
Dascha hat Post bekommen. Gemeinsam mit Mama Kerstin liest sie den Brief von der Stadt. Bildrechte: MDR/Jana Müller

Dascha wünscht sich Radwege

"Schon der Weg dahin ist gefährlich. Da gibt es erst wieder hinter Reinsdorf einen Radweg", erklärt Kerstin Grünert. Und in Wittenberg selbst gibt es auch viel zu wenig Radwege. Deshalb hat sich Dascha auch mehr dieser Wege gewünscht, als sie mit einem Fragebogen von der Wittenberger Stadtverwaltung aufgefordert wurde, zu sagen, was sie an ihrer Heimatstadt mag und was noch verbessert werden sollte. Diesen Fragebogen hat natürlich nicht nur Dascha bekommen. Er ging Anfang September an alle 6- bis 27-jährigen Wittenberger, also an knapp 8.000 junge Leute.

Wittenberg ist Pilotkommune

Seit diesem Jahr ist die Lutherstadt Wittenberg Pilot-Kommune des "Landeszentrums Jugend + Kommune", das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Städte und Gemeinden beim Auf- und Ausbau von kommunalen Kinder- und Jugend-Beteiligungs-Strukturen zu unterstützen.

Ein Brief, der mit den Worten "Deine Meinung ist und wichtig! beginnt
Etwa 750 Fragebögen wurden in Wittenberg ausgefüllt. Bildrechte: MDR/Jana Müller

Die große Frage in Wittenberg: Wie kann man die jungen Menschen dazu bewegen, ihre Ideen und Wünsche zur Gestaltung einer lebenswerten Stadt-Gesellschaft einzubringen? Die Antwort: Indem man sie erst einmal dazu bringt, diese Ideen und Wünsche zu äußern.

Und da kommen die 8.000 Fragebögen ins Spiel, von denen etwa 750 ausgefüllt ins Wittenberger Rathaus zurückkamen. 750 junge Wittenberger haben sich die Mühe gemacht, haben überlegt, was ihnen in ihrer Heimatstadt eigentlich gefällt und was sie vermissen. Denn überlegen musste man schon, sagt auch Dascha.

Das waren vier Seiten und wirklich viele Fragen. Ich habe den Brief mit Mama gelesen und dann musste ich erstmal im Kopf sortieren.

Dascha, 8 Jahre alt

Die fehlenden Fahrradwege waren schnell auf der Wunschliste, ebenso neue Schaukeln für den Spielplatz in Nudersdorf. Spielplätze waren auf vielen Fragebögen Thema, bestätigt auch Wittenbergs Sprecherin Karina Austermann. Außerdem hätten sich mehrere Jugendliche Bolzplätze und offene Treffpunkte gewünscht, also Orte mit Sitzgelegenheiten, an denen man Freunde treffen und gemeinsam Zeit verbringen kann.

Das Ortsausgangsschild von Nudersdorf. Es steht an einer Straße, die kurvig durch einen Wald führt.
An der vielbefahrenen Straße zwischen Nudersdorf und Wittenberg gibt es keinen Radweg. Das sollte sich ändern, findet Dascha. Bildrechte: MDR/Jana Müller

Extra Budget für Projekte

Vor einem prächtigen roten Backsteingebäude stehen mehrere Bäume auf einem Parkplatz.
Im Wittenberger Rathaus werden die Fragebögen jetzt ausgewertet, entscheiden sollen aber die Kinder und Jugendlichen. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

In den kommenden Wochen würden die Fragebögen ausgewertet, außerdem seien die Kinder und Jugendlichen eingeladen, bei Workshops gemeinsam erste Projekte auszuwählen. Die Besonderheit sei, so Austermann, dass die Ergebnisse der Fragebögen nicht einfach an Stadtverwaltung oder Stadtrat durchgereicht würden. Die Kinder und Jugendlichen sollen weiter aktiv eingebunden werden und entscheiden, welche Ideen schnell oder mittelfristig erfüllt werden können. Dafür hat die Stadt im sogenannten "Jugendaktionfonds" auch extra 5.000 Euro bereitgestellt.

Lob von Kindern und Eltern

Für den Radweg von Dascha reicht dieses Geld natürlich nicht, vielleicht aber ja für neue Schaukeln in Nudersdorf.

Ich finde es aber echt gut, dass der Bürgermeister gefragt hat, was wir uns wünschen. Es gibt ja ganz viele Menschen, die nicht einfach so ihre Meinung sagen können.

Dascha, 8 Jahre alt

Den Fragebogen habe sie deshalb gerne ausgefüllt, sagt die 8-Jährige, und Mama Kerstin nickt. Dann gibt sie das Startsignal für die Fahrrad-Runde durch die Nudersdorfer Siedlung und Dascha braust davon.

MDR (Jana Müller)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Oktober 2022 | 08:40 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Landkreis Wittenberg, Dessau-Roßlau und Anhalt-Bitterfeld

Zoomitarbeiterin steht vor zerstörtem Kaffeeautomat. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Eulenzählen 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Pong 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK