Digital leben Sachsen-Anhalts spannendste Start-Ups

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Sie wirken jung, modern und unkompliziert: Start-Ups. Ihre Ideen sollen die Welt verändern. Und wenn sich allein eine gute Idee auszahlt, wäre Sachsen-Anhalt ein reiches Land. Denn hier gibt es eine ganze Menge spannender Start-Up-Ideen. MDR SACHSEN-ANHALT stellt sieben vor.

Mehr als 415.000 Menschen arbeiten in Deutschland in einem Start-Ups. Und bis zu 1,6 Millionen Arbeitsplätze haben Start-Ups direkt oder indirekt geschaffen oder gesichert. Das schätzt der Bundesverband Deutscher Start-Ups. Und Start-Ups werden wohl wichtiger für den Arbeitsmarkt: Deutsche Start-Ups könnten bis 2030 sogar bis zu drei Millionen neue Arbeitsplätze schaffen, wenn sie das Beschäftigungsniveau von US-amerikanischen Start-Ups haben würden. Das schätzt die Studie "Für ein Wirtschaftswunder 2.0" (PDF) des Deutschen Start-Up-Verbandes.

Mit sieben spannende Start-Ups sprechen wir im Podcast "Digital leben".

Digital leben

Podcasthost und zwei Gäste
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In Sachsen-Anhalt gibt es aktuell etwa 80 bis 100 Start-Ups. Aber das kann nur eine Schätzung sein, auch weil der Begriff Start-Up nicht klar umrissen ist. In der Regel sind Start-Ups nicht älter als fünf Jahre, wurden mit einem Team gegründet, haben ein starkes Wachstumspotenzial und innovative Produkte oder Dienstleistungen, die vielleicht sogar patentierbar sind. Spannende und innovative Ideen haben die sieben Start-Ups, die MDR SACHSEN-ANHALT vorstellt, auf jeden Fall.

Park Your Truck aus Dessau

Denise Schuster ist in diesem Jahr 40 Jahre alt geworden. Vor acht Jahren hat sie ihre eigene Firma gegründet. Park Your Truck besorgt LKW-Fahrerinnen und -fahrern Parkplätze.

Hier erklärt Denis Schuster, was Park Your Truck genau macht.

Speditionen können LKW-Parkplätze bei Park Your Truck buchen oder LKW-Fahrer wählen die Parkplätze während der Fahrt per Sprachbefehl aus. Dazu bietet Park Your Truck eine Schnittstelle an. So können LKW-Fahrer die Park-Dienstleistung zum Beispiel in ihrer normalen Auftrags-App verwenden. Park Your Truck verdient pro Parkplatz und Tag vier Euro und hat deutschlandweit 10.000 Parkplätze: an Raststätten, Autohöfen, Werkstätten, aber zum Beispiel auch auf dem Gelände der Messe Stuttgart. So sollen die vorhandenen Flächen effektiv genutzt werden und keine weiteren Flächen versiegelt werden.

Park Your Truck verdient schon länger Geld und beschäftigt in Dessau neun Mitarbeiter. Alle sind älter als 50 Jahre. Auf sie können sie sich verlassen und müsse nicht befürchten, dass sie zur Konkurrenz abwanderten, sagt Denise Schuster in der aktuellen Podcast-Folge von "digital leben". Dort erzählt sie auch, weshalb Sachsen-Anhalt ein "Mega-Standort" für sie ist, das Park Your Truck expandieren will und was sie in Zukunft noch erreichen möchte.

smela aus Magdeburg

Smela hat einen Aktuator, einen linearen Antrieb, entwickelt, der ausschließlich geradlinige Bewegungen ausführen kann. Smela steht für smarte elektrische Antriebe oder Aktuatoren.

Wie ein Aktuator aussieht, zeigt smela-Geschäftsführer Benjamin Horn im Video.

Smela ist im vergangenen Jahr gegründet worden, hat derzeit sechs Mitarbeiter. Am Jahresende sollen es neun sein. Mit einem linearen Antrieb können zum Beispiel auch Kronkorken auf Flaschen gesetzt werden. Der Antrieb von smela sei die kompakteste und günstige Alternative zu Druckluftsystemen, sagt Horn. Der Antrieb kann fünf Zentimeter ausfahren und hat eine Kraft, um ein Gewicht von bis zu 90 Kilogramm zu heben. Für seinen Linearantrieb hat das Start-Up aus Magdeburg bereits mehrere Preise gewonnen.

Als Business Angel von smela tritt zum Beispiel die Mitteldeutsche Wohnwert Gruppe aus Leipzig auf. Sie hat einen hohen sechsstelligen Betrag investiert. Smela habe so genug Zeit, um schwarze Zahlen zu schreiben, sagt Benjamin Horn. Das soll in zwei Jahren so weit sein. Was smelas Aktuatoren auch auszeichnet: In ihnen sind Sensoren verbaut, die erkennen, ob der Aktuator richtig arbeitet und wann eine Wartung nötig ist. Predictive Maintenance bzw. Condition Monitoring sind die Fachbegriffe dafür.

Moosaik aus Magdeburg

Moosaik will die urbane Zukunft mitgestalten: Feinstaubbelastung, Hitze, Lärm – davon können Stadtbewohner und -bewohnerinnen betroffen sein. Moosaik baut deshalb Paneele für Hauswände, in denen Moos zum Einsatz kommt.

Was sich Maren Huhle davon verspricht, sagt sie im Video.

Das Moos ist auf der Rückseite der Paneele angebracht – die Vorderseite kann frei gestaltet werden: mit weiteren Pflanzen, mit Kunst, mit einem Werbeloge oder Bienenhotels. Prototypen hängen bereits an der Uni Magdeburg, dort wurde Moosaik auch im Mai 2021 von Maren Huhle und ihrem Gründungspartner gegründet.

Weil Moose eine besonders große Oberfläche haben, würden sie Feinstaub wie ein Schwamm aufnehmen und Sauerstoff abgeben, sagt Maren Huhle. Zusätzlich würden die Paneele die Fassaden kühlen und für Lärmschutz sorgen. Derzeit würde Moosaik die Paneele vor allem für Städte oder Neubauprojekte entwickeln.

Im Video erklären Maren Huhle und ihr Gründungspartner Marco Zierau das Konzept von Moosaik.

Derzeit sucht Moosaik vor allem einen IT-Experten, weil in den Paneelen auch Mikro-Controller verbaut werden, die für die richtige Bewässerungszeit und die richtige Wassertemperatur sorgen sollen. Außerdem messen die Paneele, wie viel Feinstaub sie aufnehmen.

In der aktuellen Podcast-Folge von "digital leben" schätzt Maren Huhle, wie viel ein Paneel zukünftig kosten wird.

MyCarmunity aus Halle

MyCarmunity will den Online-Handel von Liebhaber-Autos verbessern und hat dafür eine Webseite entwickelt, die besonders sicher sein will

Jannick Tapken erklärt, was er mit MyCarmunity vor hat.

Die Auktionsplattform eBay sei für Autoverkäufe gerade eher ein negatives Beispiel, sagt Jannick Tapken. Denn es gebe zu viele Spaßbieter, die zwar mitbieten aber nicht kaufen würden, und es gebe auch viele Fahrzeuge, die zwar von außen super aussehen, aber innen und unter der Haube das genaue Gegenteil seien. MyCarmunity will das besser machen und Spaßbieter zum Beispiel durch eine Bietkaution ausschließen. Außerdem soll es zu jedem Fahrzeug mindestens 100 Detailbilder geben wenn der TÜV abgelaufen oder weniger als ein Jahr gültig ist, verlangt MyCarmunity eine Besuch beim Kfz-Sachverständigen. Was Tapken auch wichtig ist: Seine Plattform sammelt keine Daten, trackt seine Nutzer nicht – man würde nur die Benutzernamen und E-Mail-Adressen der Nutzer haben.

Tapken ist aus Bonn nach Halle gezogen, um hier zu gründen. Die Unterstützung hier sei enorm – viele Bundesländer und Regionen könnten sich davon eine Scheibe abschneiden, sagt Tapken. Halle sei auch deshalb ein guter Standort, weil er verkehrsgünstig liege. Und hier gibt es wohl auch Flächen für die Zukunft von MyCarmunity. Denn das Start-Up plant, Fahrzeuge selbst an einem Ort zu sammeln und den gesamten Verkaufsprozess im Auftrag der Verkäufer abzuwickeln.

PerioTrap

Bis zu 50 Prozent der Menschen weltweit leiden an Parodontitis. Die Krankheit wird durch ganz bestimmte Bakterien verursacht. Und Parodontitis steht außerdem im Verdacht, Begleiterkrankungen wie Diabetes und Alzheimer mit zu begünstigen. Chronische Zahnfleischentzündungen können bisher nur durch die schmerzhafte Entfernung des gesamten Biofilms, durch tägliche Desinfektion oder Antibiotika behandelt werden. Das wiederum zerstört den natürlichen Biofilm immer weiter. Selbst nützliche Bakterien werden abgetötet.

Zwei Männer stehen schräg hinter einander an einer Glasfassade.
Pierre Tangermann und Mirko Buchholz, die CEOs von PerioTrap aus Halle. Bildrechte: TGZ Halle GmbH/Marco Warmuth

Das Start-Up PerioTrap aus Halle macht nun Hoffnung auf einen neuen Behandlungsansatz. Die beiden CEOs Mirko Buchholz und Pierre Tangermann wollen ein Medikament auf den Markt bringen, das ausschließlich die krankheitsverursachenden Erreger angreift. Damit soll der Biofilm des Zahnfleisches geschützt werden. Das Medikament ist noch in der Entwicklung, aber schon jetzt ist klar: Es könnte sich bald als wirkungsvolle Alternative zu klassischen Breitbandantibiotika im Bereich der Zahnfleischbehandlung etablieren.

IdentMe aus Halle

Wer Baugrundstücke auf der grünen Wiese ausweisen will, muss sich vorher die dort lebenden Tiere genau anschauen. Sind geschützte Arten darunter, müssen sie gegebenenfalls umgesiedelt werden oder die Bauherren müssen ihr Vorhaben an ei-ner anderen Stelle umsetzen.

Junge Frau mit blonden Haaren, die ein Reagenzglas in der Hand hält und es betrachtet.
Patricia Holm von IdentMe aus Halle Bildrechte: IdentMe

Wissenschaftler aus Halle haben eine Methode entwickelt, wie der Nachweis geschützter Arten zeitsparend und sicher erfolgen kann. Nämlich durch DNA und eDNA-Analyse. Ihr Start-Up haben sie IdentMe genannt. Die Wissenschaftler Anne Findeisen, Richard Pabst und Patricia Holm nehmen für ihre Bewertung zum Beispiel Wasserproben und analysieren sie im Labor. Mit ihrer Methode erfassen sie geschützte Tierarten und das auch noch kostensparend. Ihre molekularbiologischer Artennachweis eignet sich vor allem für Arten, die selten vorkommen, schwierig zu identifizieren sind oder nur als Eier oder Larven auftreten.

FAKUTec aus Stendal

Ob Prothesen vom Orthopäden oder Spezialteile vom Autobauer – Die Maschinen, die André Döring verkauft, haben eines gemeinsam: Sie helfen Firmen dabei, solche Produkte, die federleicht sein müssen, herzustellen.

Das Gesicht eines Mannes mit kurzen dunklen Haaren und Brille
André Döring ist Geschäftsführer von FAKUTec aus Stendal Bildrechte: Andre Döring/FAKUTec

In seiner Stendaler Firma FAKUTec baut Döring technische Geräte, mit denen Bauteile aus faserverstärktem Kunststoff hergestellt werden. Die Teile sind besonders haltbar und langlebig. Sie werden in einem Ofen unter Zugabe von Druck und Hitze "gebacken". Deshalb fühlt sich Döring manchmal wie ein Bäcker, nur dass bei ihm keine Brötchen auf den Konstruktionstisch kommen, sondern Spezialteile für die unterschiedlichsten Branchen.

Döring schwört auf die Altmark, wegen der dort lebenden Menschen, wegen der Natur und wegen neuer Datenleitungen, die spürbar an Fahrt aufgenommen haben, so dass schnelle Internetverbindungen kein Problem mehr sind. Nur das Handynetz in der Altmark ist noch immer eine Katastrophe, findet Döring. Dennoch möchte er nicht mit Start-Ups in Berlin oder anderswo tauschen: "Die Altmarkt ist meine Heimat und hier bleibe ich."

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Über den Autor Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei MDR SACHSEN-ANHALT. Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

MDR/Marcel Roth und Stephan Schulz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 12. Juli 2021 | 06:05 Uhr

2 Kommentare

Marcel Roth vor 13 Wochen

Sie haben den Text schon gelesen oder? In Dessau wird eben keine App entwickelt (sondern eine Schnittstelle angeboten). Dafür sind dort neun Menschen in Lohn und Brot. Das sind ziemlich echte Arbeitsplätze, finde ich.

DanielSBK vor 13 Wochen

Sorgt lieber für physisch greifbare und echte Arbeitsplätze von denen man auch eine Rente einarbeiten kann.... von irgendwelchen "Parkplatzapps" wird der Kühlschrank auch nicht voll....

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