Radioaktives Gas Sachsen-Anhalter können Radon in ihrer Wohnung messen

Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt können bald messen, wie viel radioaktives Radon die Luft in ihren Wohnungen enthält. Das Umweltministerium verteilt dafür hunderte Messgeräte. Im Süden und Westen des Landes gelten bereits erhöhte Schutzmaßnahmen vor dem krebserregenden Gas.

Ein Radioaktiv-Zeichen - Ein Kreis in der Mitte, daran symmetrisch angeordnet, drei abgerundete Trapeze. Das Zeichen ist umgeben von rotem Rauch.
Das radioaktive Edelgas Radon kann Lungenkrebs verursachen. Bildrechte: MDR/Maximilian Fürstenberg,pixabay

In Sachsen-Anhalt können Menschen ihre Wohnungen und Häuser auf eine mögliche Belastung mit dem Edelgas Radon prüfen. Wie das Umweltministerium am Mittwoch mitteilte, stehen dafür 900 Messboxen zur Verfügung. Interessierte müssten sich über die Internetseite eines beauftragten Unternehmens melden. Dann bekämen sie kostenlos eine Box zugeschickt. Diese enthalte einen Kunststoff, der sich unter Einfluss von Radon verändere, und funktioniere daher geräuschlos und ohne Strom.

So bekommen Sie eine Radon-Messbox

Dem Umweltministerium zufolge ist die einzige Voraussetzung um am Messprogramm teilzunehmen eine Wohnadresse in Sachsen-Anhalt. Teilnehmen könne auch, wer nicht in einer der 15 Gemeinden in den Kreisen Harz und Mansfeld-Südharz wohne, die als Radonvorsorgegebiete gelten. Arbeitsplätze innerhalb dieser Vorsorgegebiete seien vom Programm ausgeschlossen, weil für diese ohnehin eine gesetzliche Messpflicht gelte.

Die Anmeldung ist über die Website der Nuclear Control & Consulting GmbH möglich.

Die Messbox soll laut Umweltministerium ein Jahr lang möglichst im Wohn- oder Schlafzimmer ausgelegt und im Anschluss zurückgesendet werden. Danach würden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Auswertung und mögliche Handlungsempfehlungen erhalten, wie zum Beispiel häufigeres Lüften. Im Extremfall könnte auch eine bauliche Veränderung notwendig sein. Dazu sei aber niemand verpflichtet.

Erhöhte Gefahr durch Radon in Sachsen-Anhalt

Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz sind im Süden und Westen Sachsen-Anhalts die Radonwerte in der Luft und im Boden erhöht. Das Edelgas komme natürlich im Boden vor, sei radioaktiv und könne in hoher Konzentration Lungenkrebs verursachen.

Das Land Sachsen-Anhalt hat Ende 2020 insgesamt 15 Gemeinden in den Landkreisen Harz und Mansfeld-Südharz zu sogenannten Radonvorsorgegebieten erklärt. Dort gelten laut Strahlenschutzgesetz des Bundes besondere Schutzregeln. Beispielsweise sind Bauherren verpflichtet, bei Neubauten zu verhindern, dass das Gas ins Gebäude eindringen kann und an Arbeitsplätzen muss die Konzentration gemessen und gegebenenfalls verringert werden.

Diese Gemeinden sind Radonvorsorgegebiete

  • Landkreis Mansfeld-Südharz: Arnstein, Hettstedt, Mansfeld, Mansfelder-Grund-Helbra, Lutherstadt Eisleben, Allstedt, Sangerhausen, Goldene Aue, Südharz
  • Landkreis Harz: Ilsenburg, Oberharz am Brocken, Thale, Harzgerode, Falkenstein/Harz, Wernigerode

Radioaktives Radon kann man nicht sehen oder schmecken, die Gesundheitsgefahr für den Menschen ist aber umso realer.

Armin Willingmann Umweltminister
Armin Willingmann
Umweltminister Armin Willingmann hatte schon im Frühjahr angekündigt, künftig verstärkt Radon zu messen. Bildrechte: Armin Willingmann

"Radioaktives Radon kann man nicht sehen oder schmecken, die Gesundheitsgefahr für den Menschen ist aber umso realer", erklärte Umweltminister Armin Willingmann (SPD). Im kommenden Jahr solle es in mehreren Kommunen im Land Außenmessungen geben, um mögliche Risiken genauer einschätzen und die Bevölkerung informieren und beraten zu können.

dpa, MDR (Moritz Arand, Maren Wilczek)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. August 2022 | 16:00 Uhr

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