Oberlausitz Euphorie über geplantes Astrophysikzentrum, aber Kritik am Standort

Die Stadt Görlitz und die Gemeinde Ralbitz-Rosenthal im Landkreis Bautzen werden Standorte des Deutschen Zentrums für Astrophysik, Forschung, Technologie und Digitalisierung, kurz DZA. Während in Görlitz ein Rechenforschungszentrum entstehen soll, ist in Ralbitz-Rosenthal ein Untergrundlabor zur Erforschung von Teleskop- und Messtechnik geplant. Die geplanten Investitionen sorgen für Euphorie auf der einen aber auch für Skepsis wegen des Standortes auf der anderen Seite.

Ein DZA-Campus soll in Görlitz entstehen.
Ein DZA-Campus soll in Görlitz entstehen. Bildrechte: Staab Architekten

Forschung von Weltrang in der Lausitz

In der Stadt Görlitz und in der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal sollen bald Zentren für Astrophysik entstehen. Die geplante Milliardeninvestition wird von den Oberlausitzer Kommunen begrüßt. Für das Astrophysikzentrum soll in Görlitz ein Rechenforschungszentrum gebaut werden. In Ralbitz-Rosenthal im Landkreis Bautzen ist ein Untergrundlabor zur Erforschung von Teleskop- und Messtechnik geplant.

Verfechter dieser Investitionen ist Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Man spüre bereits in den Regionen die Zuversicht, dass der Strukturwandel dieses Mal anders laufen könnte, als der kurz nach der Wende, sagte der CDU-Politiker bei der Vorstellung der Pläne des Bundesforschungsministeriums. "Es sollen zuerst neue Dinge entstehen, bevor Altes aufhört", so Kretschmer.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht die richtigen Weichen für den Strukturwandel in den Kohleregionen gestellt. Bildrechte: dpa

Wir wissen aus der Erfahrung der vergangenen 30 Jahre, dass das funktionieren wird.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Laut Kretschmer gehen mehr als 20 Prozent der sächsischen Kohlegelder in das DZA in der Oberlausitz sowie in ein Chemieforschungszentrum im Mitteldeutschen Revier. "Wir wissen aus der Erfahrung der vergangenen 30 Jahre, dass das funktionieren wird", sagte er. "Das ist genau der richtige Weg, ich glaube, die Menschen in den Regionen haben eine tolle Perspektive."

Die Astrophysik ist ein starker Treiber für die Verarbeitung riesiger Datenmengen zur Entwicklung neuartiger Anwendungen insbesondere im Bereich der Digitalisierung.

Stephan Meyer Landrat vom Kreis Görlitz

Görlitzer Landrat sieht Schritt für "Innovationsregion" Oberlausitz

Auch der Görlitzer Landrat Stephan Meyer sieht einen entscheidenden Schritt getan für "die Entwicklung der Oberlausitz zur Innovationsregion". Das werde die Landkreise Görlitz und Bautzen in den nächsten Jahrzehnten voranbringen. "Die Astrophysik ist ein starker Treiber für die Verarbeitung riesiger Datenmengen zur Entwicklung neuartiger Anwendungen, insbesondere im Bereich der Digitalisierung. Unser tägliches Leben ist damit bereits jetzt und wird in den nächsten Jahren noch stärker davon berührt sein", so Meyer. Das DZA biete große Chancen, jungen Menschen in der Oberlausitz eine spannende Perspektive vor Ort aufzuzeigen.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu, Astrophysikprofessor und DZA-Projektleiter Günther Hasinger und der Görlitzer Landrat Stephan Meyer sitzen an einem Tisch.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu, Astrophysikprofessor und DZA-Projektleiter Günther Hasinger und der Görlitzer Landrat Stephan Meyer sprechen über die Investition. Bildrechte: Stadtverwaltung Görlitz

Octavian Ursu, Oberbürgermeister von Görlitz, begrüßte das geplante Forschungszentrum und sprach von einem "Gamechanger" - also einer Investition, die die Zukunft der Oberlausitz bedeutend verändern wird. Auch Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh freut sich über die Ansiedlung des Astrophysikzentrums. Die Stadt Hoyerwerda begrüße und unterstütze sie ausdrücklich. Die Ansiedlung eines solchen Großforschungszentrums werde Wissenschaftler von Weltruhm in der Lausitz versammeln und der ehemaligen Kohleregion zu internationalem Wettbewerb verhelfen, so Ruban-Zeh.

TU Dresden plant neue Professuren

Internationale Strahlkraft erhofft sich die TU Dresden. "Die Entscheidung zum Aufbau dieses Zentrums ist wegweisend, ein Meilenstein für die Wissenschaft, für den Freistaat Sachsen und für die Menschen in der Lausitz", sagte die Rektorin der TU Dresden, Professorin Ursula Staudinger. Die TU Dresden wolle hier ihre herausragende Expertise etwa in den Bereichen Datenanalyse, Künstliche Intelligenz und Grüne Elektronik einbringen und weitere Verantwortung im Strukturwandel in der Region übernehmen.

Die Entscheidung zum Aufbau dieses Zentrums ist wegweisend, ein Meilenstein für die Wissenschaft, für den Freistaat Sachsen und für die Menschen in der Lausitz.

Ursula Staudinger Rektorin der TU Dresden

Die Technische Universität kündigte an, mit drei neuen Professuren die Lehre in der Astrophysik auszubauen. Außerdem sind für die Forschung an energieeffizienter Datenspeicherung zwei weitere Professuren vorgesehen.

Mertsching: Kritik am Standort

Antonia Mertsching, Lausitzer Abgeordnete und Sprecherin der Linksfraktion für Strukturwandel, begrüßt die Ansiedlungen zwar, sieht aber die Standorte schlecht gewählt. "Bedauerlicherweise geht die vom Kohleausstieg unmittelbar betroffene Region leer aus - das ist wieder einmal frustrierend."

Antonia Mertsching (Die Linke)
Für Antonia Mertsching von den Linken sind die Standorte für die Forschungszentren schlecht gewählt. Bildrechte: dpa

Bedauerlicherweise geht die vom Kohleausstieg unmittelbar betroffene Region leer aus - das ist wieder einmal frustrierend.

Antonia Mertsching Sprecherin der Linksfraktion für Strukturwandel

Zudem müsse sich erst zeigen, inwiefern die Themensetzung der Großforschungszentren tatsächlich Impulse für eine nachhaltige Entwicklung liefern wird. Mertsching findet Themen wie Bauen und Wohnen gewinnbringender für den dringend erforderlichen Klimaschutz. Auch hätte man hier vor Ort Erfahrungen und Traditionen anknüpfen können.

Hintergrund "Das Deutsche Zentrum für Astrophysik - Forschung. Technologie. Digitalisierung." ist eine gemeinsame Initiative der Astronomie und Astroteilchenphysik in Deutschland.

Zu den Antragstellern gehören namhafte Wissenschaftler, unterstützt von den großen deutschen Wissenschaftsorganisationen.
Das Forschungszentrum will Green Computing und die ressourcensparende Digitalisierung vorantreiben und neue Technologien für die Gesellschaft von morgen entwickeln.

Die Förderung sieht eine dreijährige Aufbauphase vor, bevor das Zentrum formal gegründet werden kann.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Artikels wurde auf einen offenen Brief von Oberlausitzer Bürgermeistern von August 2021 Bezug genommen. Dadurch entstand ein falsches Bild von der aktuellen Situation. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

MDR (ama)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Bautzen | 30. September 2022 | 16:30 Uhr

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