Vitrine im Grünen Gewölbe
Nach dem Juwelendiebstahl wurde die Vitrine im Grünen Gewölbe wieder bestückt. Ein Teil der fehlenden Schmuckstücke kann nun bald zurückkehren. Bildrechte: picture alliance/dpa/Staatliche Kunstsammlungen Dresden | Alexander Peitz

Juwelendiebstahl Scheiterte der Verkauf des Schatzes aus dem Grünen Gewölbe?

18. Dezember 2022, 15:01 Uhr

Nach drei Jahren ist ein Teil des aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlenen sächsischen Staatsschatzes wieder aufgetaucht. Ein Kunstexperte vermutet, dass sich die wertvollen Stücke schlecht verkaufen ließen.

Nach dem Fund der Beute aus dem Grünen Gewölbe zeigt sich der Kunstdiebstahl-Experte Willi Korte überrascht: Er sei nach dem Einbruch vor drei Jahren davon ausgegangen, dass sich die Täter bereits vor der Tat um den Absatz der Beute gekümmert hätten und sie deshalb nicht wiedergefunden werde.

"In dem Fall lag ich mit meiner Meinung gerne falsch", sagt der Provenienzforscher, der sich mit länger zurückliegenden Kunstdiebstählen beschäftigt. "Ich bin überrascht, dass die Sachen noch in Berlin aufgefunden worden sind. Ich hätte gedacht, dass sie Deutschland schon längst verlassen hätten."

Experte: Kunst klauen ist einfacher, als sie zu verkaufen

Nach seiner Einschätzung sollte die Beute die Zeit seit dem Diebstahl gut überstanden haben. "Da es ja überwiegend Edelmetalle und Steine sind, muss man nicht so sehr auf die Temperatur achten", sagt Korte. "Ich denke, dass die Sachen noch in einem relativ guten Zustand sein dürften." Beim Kunstraub gebe es eine alte Regel, sagte Korte. "Das Klauen ist leichter als das Absetzen." Er habe den Einbruch immer eher als Juwelen-, statt als Kunstraub gesehen.

Juwelendiebstähle für Behörden schwer zu ermitteln

"Ich dachte, dass sie die Juwelen rausbrechen und einzeln verkaufen werden, nicht die Kunst als Ganzes." Ermittlungsergebnisse bei Juwelendieben sind nach Ansicht von Korte üblicherweise nicht sehr gut. Bei Kunstdiebstahl sei die Ermittlungsarbeit auch schwer, aber es gebe immer wieder Fälle, bei denen die Beute teils erst nach Jahren gefunden werde.

Die Freude über den Fund sei groß. "Die Objekte sind als unwiederbringlich einzuschätzen", so der Kunstdiebstahl-Experte. "Sowas kann man nicht ersetzen." Nun bleibe nur zu hoffen, dass der Rest der Beute ebenfalls auftauche. "Das wäre schön, wenn alles erhalten geblieben wäre."

Ich dachte, dass sie die Juwelen rausbrechen und einzeln verkaufen werden, nicht die Kunst als Ganzes.

Willi Korte Kunstexperte

Großteil des Schatzes am Sonnabend sichergestellt

Ein Großteil der historischen Stücke wurde in der Nacht zum Sonnabend in Berlin sichergestellt - einige davon wohl auch vollständig. Der Einbruch am frühen Morgen des 25. November 2019 war einer der spektakulärsten Kunstdiebstähle in Deutschland.

Die Täter schlugen mit einer Axt Löcher in eine Vitrine und rissen die Juwelen heraus. Sie stahlen Schmuckstücke mit insgesamt 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen Euro. Danach entbrannte eine Diskussion über die Sicherheitsvorkehrungen in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), die bis heute anhält.

Darf man mit dem Remmo-Clan dealen?

Nach der Rückführung der Schmuckstücke gab es unter anderem Lob für die Ermittlungsbehörden von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU). Auch die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Marion Ackermann, sagte, dass sie auf Polizei und Staatsanwaltschaft in Sachsen stolz sei. Sie sprach von einem "echten Weihnachtswunder".

In den sozialen Netzwerken hat sich dagegen eine Debatte über die Rechtmäßigkeit eines solchen Deals sowie über die Leistung von Polizei und Staatsanwaltschaft entzündet. Damit habe der Remmo-Clan den Rechtsstaat an der Nase rumgeführt, heißt es unter anderem. Mitglieder dieser arabischstämmigen Großfamilie aus Berlin stehen seit fast einem Jahr wegen des Einbruchs vor Gericht.

Der Landesgeschäftsführer der Linken in Sachsen, Thomas Dudzak, schrieb auf Twitter: "In fast jedem Beitrag bedankt sich irgendwer für die 'gute Polizeiarbeit'. Wenn die Infos stimmen, war es aber ein Deal und die Polizeiarbeit bestand darin, pünktlich in einer Kanzlei zu sein."

Große Spannung vor dem nächsten Prozesstag

Mit dem Fund des Staatsschatzes könnte auch der Prozess vor dem Landgericht Dresden eine Wendung bekommen. Er soll am kommenden Dienstag fortgesetzt werden.

MDR-Redakteurin Heike Römer-Menschel, die den Prozess verfolgt, hält den Zeitpunkt für den Deal für bewusst gewählt: "Dass die Rückgabe jetzt erfolgt ist, spricht dafür, dass die Angeklagten und ihre Verteidiger von einer Verurteilung und langen Haftstrafen ausgehen. Sonst hätten sie das, glaube ich, nicht gemacht." Kurz vor Ende des Prozesses habe man diese Karte gezogen, so Römer-Menschel.

Fraglich sei, ob auch der Rest der Beute - darunter sind noch einige besonders wertvolle Stücke wie die Epaulette mit dem "Sächsischen Weißen" und die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste - wieder den Weg nach Dresden finden. "Die Behörden haben nicht mehr allzu viel in der Hand", so die Prozessbeobachterin.

MDR (sth)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 18. Dezember 2022 | 19:00 Uhr

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