Gedenkveranstaltungen: gegen den Holocaust in Chemnitz
Bei der Holocaust-Gedenkveranstaltung in Chemnitz mahnte Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD), dass sich solche schrecklichen Ereignisse nie wiederholen dürfen. Bildrechte: Harry Härtel

Holocaust Sachsen gedenkt Opfern des Nationalsozialismus

28. Januar 2024, 10:32 Uhr

Der 27. Januar ist seit 1996 offizieller Gedenktag in Deutschland. Er erinnert an die Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 79 Jahren. In Sachsen fanden am Sonnabend zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt.

Am Holocaust-Gedenktag haben am Sonnabend auch in Sachsen zahlreiche Menschen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Am Vormittag gab es unter anderem Kranzniederlegungen in Chemnitz, Borna, Bautzen, Görlitz und Plauen. Die zentrale Veranstaltung fand am Nachmittag an einem Mahnmal im Leipziger Stadtteil Abtnaundorf statt.

Jugendinitiative organisiert Mahnwache in Leipzig

Die Jugendinitiative"Peace Harmony Collectiv" - zu der Jugendliche verschiedener Leipziger Schulen gehören - hatte eine Mahnwache an der Zentralstraße organisiert. Damit wollten sie nicht nur die Erinnerung an die Zerstörung der Leipziger Synagoge zur Reichspogromnacht 1938 wach halten.

"Wir erinnern an jüdische Kinder und Jugendliche, die in Leipzig gelebt haben und in der Zeit des Nationalsozialismus gestorben sind", sagte der 18 Jahre alte Theodor Böddener. Die Schüler haben Hunderte Steckbriefe von Kindern und Jugendlichen jüdischer Herkunft unter anderem mithilfe von Stolpersteinen zusammengetragen und recherchiert.

Ein junger Mann steht auf der Straße.
Theodor Böddener hat gemeinsam mit anderen Jugendlichen eine Mahnwache am Ort der zerstörten Synagoge in Leipzig organisiert. Bildrechte: MDR/ Philipp Brendel

Leipzigs Oberbürgermeister warnt vor Antisemitismus

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am Mahnmal in Leipzig-Abtnaundorf sprach Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) von Auschwitz als "Sinnbild der Vernichtung". Im Konzentrationslager Abtnaundorf - einem Außenlager des Vernichtungslagers Auschwitz - waren rund 1.000 Menschen inhaftiert. 80 Menschen wurden hier in den letzten Kriegstagen 1945 von SS-Einheiten in einer Baracke lebendig verbrannt. 

Antisemitismus war schon immer da. Aber nie war er so sichtbar wie jetzt.

Burkhard Jung Oberbürgermeister von Leipzig

Mit Blick auf die Schrecken der Vergangenheit, sollte es jedem zu Denken geben, dass "Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder Angst haben, sich zu erkennen zu geben" betonte Jung. "Antisemitismus war schon immer da. Aber nie war er so sichtbar wie jetzt", sagte Jung. Die aktuellen Demos gegen Rechts stimmten Jung optimistisch. Aber: "Wir müssen uns alle kümmern um unsere Demokratie." Rund 100 Menschen nahmen nach Einschätzung eines MDR-Reporters an der Veranstaltung teil.

Gedenkveranstaltungen zum Holocaust in Leipzig
Christian Clemen will zum Holocaust-Gedenktag in Leipzig ein Zeichen setzen. "Gerade mit Blick auf die Gewalt heutzutage, ist es wichtig, dass junge Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen", sagt der 18-Jährige. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Offizielle Kranzniederlegung in Freital abgesagt

In Freital wurde die offizielle Kranzniederlegung aus Sicherheitsgründen abgesagt. Dort sollte ursprünglich ein AfD-Vertreter die Gedenkrede halten. Etwa 80 Menschen sind am Sonnabend dem Aufruf zu einem Demokratiespaziergang gefolgt. Die Teilnehmerzahl beruht auf Angaben der Polizei.

Eine Frau mit Brille und blauer Kleidung schaut in die Kamera. 1 min
Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid
1 min

Sa 27.01.2024 15:01Uhr 00:40 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/freital-pirna/video-freital-ns-gedenken-holocaust-afd-rede-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Bautzen gedenkt an KZ-Außenlager der Opfer

In Bautzen fand die Gedenkveranstaltung am Gedenkstein für die Opfer des Außenlagers des KZ Groß-Rosen statt. In seiner Ansprache gedachte Oberbürgermeister Karsten Vogt (CDU) der Opfer des Nationalsozialismus und betonte die Wichtigkeit der Erinnerung an die Gräueltaten dieses dunklen Kapitels deutscher Geschichte.

Ein Mann hält eine Rede.
Bautzens Oberbürgermeister Karsten Vogt (CDU) und die Beigeordnete des Landrates, Romy Reinisch, gedachten in Reden der Opfer des Nationalsozialismus. Bildrechte: Stadtverwaltung Bautzen

Oberbürgermeister von Chemnitz erinnert an Verantwortung

In Chemnitz wurde die Gedenkveranstaltung am Mahnmal im "Park der Opfer des Faschismus" abgehalten. Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD), Vertreter der Stadtratsfraktionen, sowie weitere Vertreter der Stadt legen Kränze und Blumen nieder. "Wir sind hier zusammengekommen, um aus diesen schrecklichen Ereignissen die richtigen Lehren zu ziehen und sicherzustellen, dass sich so etwas nie mehr wiederholt", sagte Schulze in seiner Rede. "Das ist unsere Verpflichtung und Verantwortung. Und dieser wollen und werden wir uns stellen - gerade heute mehr denn je."

Demos gegen Rechtsextremismus in mehreren Städten

Parallel zum Holocaust-Gedenken gehen in vielen Städten auch wieder Menschen gegen Rechtsextremismus und für Demokratie auf die Straße. In Sachsen gab es Kundgebungen in Plauen, Bautzen, Chemnitz und Döbeln.

In Bautzen nahm Sachsens Innenminister Armin Schuster an der Versammlung "Gemeinsam gegen Rechtsextremismus! Gemeinsam für Menschlichkeit und Demokratie!" teil. 1.500 Menschen schlossen sich der Veranstaltung an. Vereinzelt gab es laut Polizei Gegenreden, es blieb jedoch friedlich.

Was ist der Internationale Holocaust-Gedenktag? Der Internationale Holocaust-Gedenktag wurde 2005 von den Vereinten Nationen eingeführt und auf den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau gelegt.

MDR (ali/phb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 27. Januar 2024 | 19:00 Uhr

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