Nordsachsen Massives Fischsterben im Großen Teich in Torgau

17. August 2021, 14:03 Uhr

Statt mit landschaftlicher Idylle macht der Große Teich im nordsächsischen Torgau derzeit aus einem anderen Grund von sich reden: Tausende Fische sind dort in den vergangenen Tagen verendet. Der Betreiber schätzt den Schaden auf reichlich 20 Tonnen. Bereits seit vielen Jahren wird in dem Gewässer Fischzucht betrieben, doch so ein Massensterben hat es laut Betreiber bisher nicht gegeben.

Wer dieser Tage am Großen Teich im nordsächsischen Torgau spazieren geht, bemerkt einen unangenehmen fauligen Geruch. Rund um den Teich liegen in großen Mengen tote Fische, vor allem Karpfen.

Der Teich ist gekippt, so dass es keinen Sauerstoff mehr für die Fische gibt.

Thomas Plate Torgauer Betriebsleiter der Teichwirtschaft Wermsdorf-Torgau

Verwesende Algen verbrauchen Sauerstoff im Wasser

Der Torgauer Betriebsleiter der Teichwirtschaft Wermsdorf-Torgau, Thomas Plate, macht eine massive Zunahme von Blau- und Sichelalgen und warmes Teichwasser dafür verantwortlich. "Algen sind ein wichtiger Sauerstoffproduzent im Gewässer. Wenn sie sich allerdings zu stark vermehren und dann innerhalb kurzer Zeit absterben, kommt es zu einem Sauerstoffmangel." In dieser Form habe es das noch nie gegeben.

Im Zuge des Klimawandels haben die Blau- und Sichelalgen deutlich zugenommen. Dennoch haben die Fische in ähnlichen Situationen in früheren Jahren immer einen Platz im Teich gefunden, wo noch Sauerstoff war. Das scheint jetzt anders zu sein.

Thomas Plate Torgauer Betriebsleiter der Teichwirtschaft Wermsdorf-Torgau

Einen Verlust, wie er sich gegenwärtig abzeichnet, hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bisher nicht verkraften müssen.

Aktuell schätzt der Betriebsleiter den Schaden auf 15 bis 20 Tonnen tote Fische. Insgesamt befinden sich in dem 175 Hektar großen Teich reichlich 80 Tonnen Fisch. "Noch zu DDR-Zeiten waren es 400 Tonnen. Trotzdem ist so etwas damals nicht passiert", sagte Plate. Um die verbliebenen Fische zu retten, ist eine Rettungsaktion angelaufen. "Seit Freitag früh leiten wir in die zwei Gräben, mit denen der Teich geflutet wird, Frischwasser ein." Der höhere Sauerstoffgehalt locke die Fische an, die anschließend entnommen und in andere Teiche der Region Torgau gebracht würden. Die Aktion werde voraussichtlich noch die ganze Woche weitergehen, so Plate.

Fische werden in speziellen Containern entsorgt

Gleichzeitig entsorge man die toten Fische. "Dafür gibt es spezielle Container der Tierkörperbeseitigungsanstalt im Priestewitzer Ortsteil Lenz", sagte der Betriebsleiter. Für die Menschen, die rund um den Teich in Torgau unterwegs sind, bestehe unterdessen keine Gefahr. "Die Leute sollten die Fische natürlich nicht anfassen. Ansonsten riecht es lediglich, aber gefährlich ist es nicht", sagte Plate.

Fischexperten schließen Infektion aus

Das bestätigte auch der Fischgesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse auf Anfrage von MDR SACHSEN. Die Experten waren am Montag gemeinsam mit Kollegen des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes Torgau vor Ort. Sie empfahlen zudem, dass beispielsweise Hunde nicht aus dem Gewässer trinken und auch kein Bad nehmen sollten. Infektiöse Ursachen für das Fischsterben könne man ausschließen, da auch bei kräftigem Wind der Sauerstoffgehalt im ufernahen Bereich nahe Null gelegen und sich über dem Bodengrund eine faulende Schicht gebildet habe, hieß es. Neben den hauptsächlich vorkommenden Karpfen sind den Angaben zufolge auch Hechte, Barsche und Aale verendet.

Unklar ist deshalb, was mit dem traditionellen Abfischen im Herbst wird, zu dem Menschen aus der gesamten Region Leipzig herbeiströmen. "Dazu kann ich derzeit keine Aussage machen", so Plate.

Torgauer Fischsterben momentan ein Einzelfall

Ähnliche Probleme wie in Torgau gibt es aktuell an anderen sächsischen Teichen und Seen nicht. "Das ist ein Einzelfall", sagte die Sprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Karin Bernhardt.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 17. August 2021 | 13:30 Uhr

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