Studieren und Corona Hochschulvertreter und Politik fordern Ausweitung des Bafög

Hochschulen und Universitäten sind nach wie vor im Krisenbetrieb. Das führt zu längeren Studienzeiten und größeren finanziellen Belastungen für Studierende. Beate Schücking von der Universität Leipzig fordert darum eine Anpassung des Bafög.

Studierende mit Mund- und Nasenmaske sitzen in einem Hörsaal
Auch in diesem Sommersemester bleiben Präsenzveranstaltungen die große Ausnahme. Für viele Studierende ist das aber nicht die einzige Sorge. Bildrechte: dpa

Beate Schücking hofft, dass das kommende Wintersemester wieder halbwegs normal wird. Die Rektorin der Universität Leipzig glaubt, dass im Herbst ausreichend Studentinnen und Studenten geimpft sein werden – und damit endlich wieder Präsenzveranstaltungen stattfinden können: "Hoffen wir doch mal, dass die Bundesregierung mit ihrem Versprechen, bis zum September allen ein Impfangebot gemacht zu haben, weiterhin Wort halten kann."

Das heißt aber auch: Bis dahin bleibt alles beim Alten. Online-Vorlesungen, Online-Seminare. Fast keine Praktika. Und so ist das bundesweit. "Nullsemester", nennen das die Universitäten. Derzeit läuft das dritte hintereinander. Vor allem für ärmere Studierende ist das nur schwer zu stemmen, zumal in der Coronakrise auch Nebenjobs weggefallen sind.

Weniger studentische Nebenjobs während Corona

Ob das Studium weitergeht, entscheidet sich für viele am Bafög. Das aber sei sowieso viel zu knapp bemessen, findet Beate Schücking: "Es erhalten im Moment viel zu wenige Studierende Bafög. Also die Gruppe derer, bei denen die Eltern gerade so viel verdienen, dass die Kinder nicht mehr bafög-berechtigt sind, ist viel zu groß. Die ganze Bafög-Konzeption muss angepasst werden und damit die Situation vieler Studierender verbessert werden."

Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig
Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig Bildrechte: dpa

Wie viele Studierende kennen sie, die keine Nebenjobs haben?

Beate Schücking Rektorin der Universität Leipzig

Bafög gibt es nur in der Regelstudienzeit. Die Landesregierungen haben daher kürzlich erneut die Regelstudienzeit verlängert, damit Studierende bei der Bafög-Unterstützung keine Probleme bekommen, erklärt Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow.

Verlängerte Regelstudienzeit auch für Wintersemester möglich

Justizminister Sebastian Gemkow
Sebastian Gemkow, Sachsens Wissenschaftsminister Bildrechte: MDR/Cindy Baumgart

Das kommende Wintersemester könnte ein weiteres Nullsemester werden. Damit könne – falls das Infektionsgeschehen wieder an Fahrt aufnimmt – die Regelstudienzeit weiter verlängert werden, erklärt Sebastian Gemkow. Diejenigen, die auf Bafög angewiesen sind, würden die Unterstützung so auch dann bekommen, wenn sie ihr Studium nicht in der normalen Regelstudienzeit ableisten könnten.

Eine Dauerlösung ist das ständige Verlängern der Regelstudienzeit aber nicht, klagt Rektorin Beate Schücking. Das findet auch Anna Gorskih, die Sprecherin für Hochschulpolitik der Linken im sächsischen Landtag. Zumal Studierende das halbe Bafög später ja auch mal zurückzahlen müssen. Und was ist außerdem mit Studenten, die kein Bafög bekommen und trotzdem keine reichen Eltern haben?

Junge am Schreibtisch 29 min
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Linke fordert Bafög-Reform

Anna Gorskih bei der Landesvertreterversammlung der sächsischen Linken im Congress-Center.
Anna Gorskih, Sprecherin für Hochschulpolitik der Linken im sächsischen Landtag Bildrechte: dpa

Anna Gorskih fordert: "Da müsste man wenigstens das Bafög für alle Studierenden in der Pandemie öffnen. Und das Bafög müsste dann angehoben werden." Laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts könnte der Bafög-Bedarf sogar verfassungswidrig sein, weil er unter dem notwendigen Existenzminimum liege, sagt Gorskih. "Ganz grundsätzlich müsste man das Bafög reformieren."

Auch für den Staat ist die Corona-Hängepartie an den Universitäten übrigens teuer. Ein Student oder eine Studentin bekommt in Deutschland im Schnitt 514 Euro Bafög pro Monat. Da heißt, jedes Nullsemester kostet den Staat insgesamt reichlich 1,5 Milliarden Euro, von denen er nur einen Teil zurückgezahlt bekommt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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