Corona-Bekämpfung Sachsens Kultusminister Piwarz skeptisch bei Luftfiltern an Schulen

Müssen die Schulkinder ab Herbst wieder bei offenem Fenster frieren? Sachsens Kultusminister Piwarz hält Lüften für effektiver als die Anschaffung von Luftfiltern. Der CDU-Politiker verwies insbesondere auf das Verhältnis von Kosten und Nutzen. Prüfen will er den Einsatz spezieller Luftfilter zusammen mit den Schulträgern aber dennoch.

Lehrerin schreibt auf Tafel,
Wahrscheinlich gehört der dicke Pullover im Herbst weiter zur Ausrüstung von Schulkinder. Gegen Coronaviren im Klassenzimmer dürfte häufig gelüftet werden. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz hält Luftfilter im Klassenzimmer nicht für unbedingt notwendig - will den Einsatz mit Blick auf das neue Schuljahr aber prüfen. "Das Allheilmittel, wie es gern einige hätten, wird es nicht sein", sagte der CDU-Politiker. Zudem warnte Piwarz vor Millionen-Investitionen, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnten. "Wir haben immer gesagt, dass einfaches Lüften wesentlich effektiver ist als der Einsatz dieser Geräte."

Sachsen müsste zehn Millionen Euro beisteuern

Die Bundesregierung fördert seit kurzem auch mobile Luftfilter in Schulen - für schlecht belüftbare Räume. Dazu sollen den Ländern 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Bisher hat der Bund nur den Einbau fester Anlagen unterstützt. Auf Sachsen entfallen laut Piwarz rund zehn Millionen Euro an Bundesmitteln. Um sie abzurufen, muss das Land die gleiche Summe dazugeben. "Nun schauen wir, wo das Geld herkommt." Derzeit würden mit dem Bund die genauen Modalitäten verhandelt - unter welchen Bedingungen der Einbau mobiler Anlagen gefördert werden kann.

Umweltbundesamt empfiehlt Luftfilter

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz in seinem Büro.
Kultusminister Piwarz sieht Luftfilter nur in einzelnen Schulräumen für sinnvoll und kann sich dort einen Testbetrieb vorstellen. Bildrechte: MDR

Das Umweltbundesamt hatte sich in Studien zunächst skeptisch gegenüber Luftfiltern gezeigt, im Juli aber seine Angaben konkretisiert. Nun empfiehlt das Amt mobile Geräte in den Räumen, die nicht anderweitig gut belüftbar sind. Damit könne die Virenlast bis zu 90 Prozent reduziert werden. "Es wird sicherlich an der einen oder anderen Schule solche Räume geben, die infrage kommen", sagte Sachsens Kultusminister.

Mit einer hohen Nachfrage rechnet Piwarz zwar nicht, wolle sich aber mit den kommunalen Verbänden als Schulträger verständigen. Bisher seien die meisten Schulträger angesichts der Kosten eher skeptisch, was Luftfilteranlagen angeht. Einige könnten sich jedoch den Einsatz im Testbetrieb oder auch regulär vorstellen. "Die Frage ist, ob es den Aufwand wert ist, den wir hier betreiben."

Quelle: MDR/lam/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 27. Juli 2021 | 07:00 Uhr

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