Bahn Erstmals Güterzug auf Schnellstrecke Leipzig/Halle - Erfurt gefahren

Knapp sieben Jahre nach Inbetriebnahme ist erstmal ein Güterzug auf der Eisenbahn-Schnellstrecke Leipzig/Halle - Erfurt gefahren. Das Bahnunternehmen IntEgro aus Reichenbach im sächsischen Vogtland schickte nach eigenen Angaben am Mittwochabend einen mit Flüssigkeiten beladenen Kesselwagenzug über die Strecke.

Ein Kesselwagen-Güterzug auf der Elster-Saale-Talbrücke der Schnellstrecke Leipzig/Halle - Erfurt südlich von Halle.
Ein Güterzug ist erstmals auf der Schnellstrecke nach Erfurt gefahren. Bildrechte: Oliver Winner/IntEgro Verkehr GmbH

Als Grund gab die Firma an, Alternativrouten seien wegen Bauarbeiten gesperrt oder nur eingeschränkt nutzbar gewesen. Weil für die Schnellstrecke das digitale Sicherungssystem ETCS vorgeschrieben ist, wurde eine damit ausgerüstete Lok angemietet.

Bahn: ETCS-System nur auf wenigen Strecken verbaut

Das System ETCS gilt als Hauptgrund dafür, dass die für Personen- und Güterzüge erbaute Schnellstrecke ansonsten nur von Personenzügen der Deutschen Bahn und von Flixtrain befahren wird. Zwar ist es möglich, ETCS in den Lokomotiven nachzurüsten. Die Kosten dafür liegen pro Lok im sechsstelligen Bereich. Diese Investition scheuen die Betreiber auch deswegen, weil ETCS nur auf wenigen Strecken als einziges Sicherungssystem verbaut ist und üblicherweise Alternativrouten genutzt werden können.

Keine Anmeldungen für planmäßigen Güterverkehr

Nach Angaben der Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz als Betreiber des Schnellstrecke liegen bis Ende 2023 keine Anmeldungen für einen planmäßigen Güterverkehr vor. Solche Fahrten könnten aber auch kurzfristig angemeldet werden. IntEgro erklärte dazu, wenn es sich ergebe, wolle das Unternehmen die Schnellstrecke erneut nutzen.

MDR (seg/fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. August 2022 | 16:00 Uhr

7 Kommentare

Tobias Koe vor 7 Wochen

Hallo zusammen! Warum regt sich denn hier jemand über diesen Artikel auf? Ist doch insgesamt ein gut recherchierter und erklärter Artikel! Dass die Streckenführung München Berlin über Erfurt Irrsinn war ist richtig. Aber interessant ist doch warum in der Praxis kein Güterzug dort lang fährt. Und das wird doch hier gut erklärt. Vermutlich war einfach ein slot verfügbar, dass auch mal Langsamverkehr entlang fuhr. Später soll der Güterverkehr über die ausgebaute Sachsen-franken-magistrale fahren.

Peter Mueller vor 7 Wochen

Es erscheint wie ein Witz, dass ein einzelner simpler Güterzug dem MDR eine Meldung wert ist. Wenn man aber weiß, dass die betroffene Strecke die teuerste Deutschlands ist, die nur mit Massen von Güterzügen volkswirtschaftlich „rentabel“ zu rechnen war, nach dem Bau aber bisher kein einziger Güterzug gefahren ist (und der eine jetzt auch nur, weil er keine andere Wahl hatte), dann wird der Nachrichtenwert verständlich. Schön wäre noch eine Einordnung des Skandals durch den MDR gewesen, denn es gibt im Thüringer Verkehrsministerium immer noch Leute, die diese unglaubliche Geldvernichtung als „Erfolgsmodell“ bezeichnen.

Tamico161 vor 7 Wochen

Sie haben völlig Recht und genau wie der Ausbau des Flughafens Erfurt Projekte von Bernhard Vogel. Mit dem Geld was die ICE Strecke durch den Thüringer Wald gekostet hat, hätte man sowohl die Saalebahn Berlin-München als auch die Strecke Frankfurt/M - Dresden mit einem Knotenpunkt Jena Göschwitz und Natürlich einem Halte Punkt in Erfurt bauen können. Dazu wäre auf diesen Strecken auch der Güterverkehr ohne Probleme machbar!

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