Ein Mann raucht einen Joint.
Ab 1. April 2024 ist in Deutschland für Erwachsene der Konsum und Besitz von Cannabis-Produkten in bestimmten Mengen straffrei. Eine kontrollierte Abgabe über Vereine soll den Schwarzmarkt eindämmen. Bildrechte: picture alliance/dpa/Christoph Soeder

Gesundheit Cannabis-Freigabe: Thüringer Fachleute warnen vor Risiken für Jugendliche

21. Februar 2024, 20:26 Uhr

Eigenanbau und Besitz bestimmter Cannabis-Mengen soll für Volljährige ab 1. April zum Eigenkonsum erlaubt werden. Die Thüringer Landesärztekammer warnt vor der geplanten Teillegalisierung von Cannabis. Ihr Präsident, ein Kinderarzt, hat vor allem die Gesundheitsrisiken für Heranwachsende im Blick.

Ärzte und Suchtexperten in Thüringen fordern angesichts der geplanten kontrollierten Freigabe von Cannabis mehr Angebote, um Kinder und Jugendliche über die gesundheitlichen Risiken des Drogenkonsums aufzuklären.

Das Festhalten der Bundesregierung an den Freigabeplänen trotz Vorbehalten und gut begründeter Bedenken von Politikern und Wissenschaftlern sei "geradezu deprimierend", erklärte der Präsident der Landesärztekammer, der Erfurter Kinderarzt Hans-Jörg Bittrich. Aus seiner Sicht wird eine Droge verharmlost, "die nachgewiesenermaßen abhängig macht". Bittrich rechnet bei einer kontrollierten Freigabe mit einer verstärkten Inanspruchnahme medizinischer Hilfe.

Kinder und Jugendliche über Risiken aufklären

Umso wichtiger seien Präventions- und Frühinterventionsprogramme für Kinder und Jugendliche. Auch die Fachstelle Suchtprävention in Thüringen forderte begleitende finanziell gut ausgestattete Präventionsangebote für Kinder und Jugendliche. "Man muss auf vielen Ebenen dagegen kämpfen, dass es aus dem Rahmen gerät", sagte die Psychologin und Fachreferentin bei der Fachstelle, Tina Wohlfarth.

Zwei Finger drehen eine Zigaretter mit Canabis 4 min
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Kinder und Jugendliche kämen aber auch jetzt schon an die Drogen heran. Teils seien diese verunreinigt - mit einer Regulierung sei nun auch die Hoffnung verbunden, dass dieses Problem abnehme, sagte Wohlfarth. Sie persönlich glaube, dass der Versuch richtig sei. "Das, was bisher getan wurde, hat ja offenbar nicht so gut funktioniert."

Weiter sagte Wohlfarth: "Aus meiner Sicht darf man das nicht nur medizinisch betrachten, weil Menschen nicht immer schlaue Entscheidungen treffen. Viele essen auch Zucker, rauchen oder trinken, obwohl sie wissen, dass das schädlich ist." Daher gebe es schon die Hoffnung, dass mit einer Regulation auch die Konsumkompetenz der Menschen gefördert werde. "Das kann dem ein oder anderen helfen, keine blöden Entscheidungen zu treffen."

Gesetzespläne im Bundestag 

Der Gesundheitsausschuss des Bundestags hat am Mittwoch die Gesetzespläne der Ampel-Koalition zur Cannabisfreigabe mit mehreren Änderungen gebilligt. Der Bundestag soll sie voraussichtlich an diesem Freitag beschließen.

Eigenanbau und Besitz bestimmter Mengen soll für Volljährige ab 1. April zum Eigenkonsum erlaubt werden. Vorgesehen sind zahlreiche Regeln und Vorgaben. Begleitend lässt das Verkehrsministerium von einer Expertengruppe ermitteln, wie ein gesetzlicher Grenzwert für den berauschenden Wirkstoff THC gefasst werden könnte. Ergebnisse dazu sollen im Frühjahr vorliegen.

Tüv Thüringen äußert Bedenken

Die Verkehrspsychologin Marie-Christin Perlich vom Institut für Verkehrssicherheit des Tüv Thüringen forderte am Mittwoch, der Cannabis-Grenzwert müsse so gestaltet sein, dass jede ernstzunehmende Gefährdung ausgeschlossen werde. Derzeit liege der gesetzlich festgelegte Grenzwert bei einem Nanogramm pro Milliliter THC im Blut. 

MDR (mm), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR AKTUELL | 22. Februar 2024 | 19:30 Uhr

7 Kommentare

Nur Echt von hier vor 7 Wochen

Allerdings, gibt inzwischen auch gute Studien dazu. Dopamin-Ausschüttung bei Zuckergenuss und süchtig machende Wirkung werden seit ein paar Jahren genauer erforscht.

zenkimaus vor 7 Wochen

Lieber Herr Präsident der Ärztekammer.
Wenn sie bei cannabis Risiken sehen und es verboten bleiben sollte, dann bitte auch alle legalen Drogen verbieten. Alkohol, Zigaretten, Zucker, Kaffee. Dies alles hat eine brauschende und süchtig machende Wirkung. Wer unbedingt cannabis rauchen möchte,besorgt es sich auch so.

part vor 7 Wochen

Es stimmt, Konsumenten kommen auch illegal an die Droge heran, was jedoch mit einer Kriminalisierung und Beschaffungskriminalität verbunden ist. Aber gerade diese Beschaffungskriminalität ist der Knackpunkt oder irgendwelche Vorstrafenregister, die dann anfallen und Betroffene weiter in einen gesellschaftlichen Sumpf ziehen. Es gibt Staaten und Countys, die den Anbau legalisiert und fiskalisiert haben, die Statistiken dazu brauchen aber wohl noch etwas Aufklärung. Im Straßenverkehr aber hat die Droge nichts verloren, hier sollten weiterhin gewisse Grenzwerte eingehalten werden, wobei dann aber auch von Konsum des Passivrauchens ausgegangen werden muss. Bedenken muss man aber auch, wie viel künstliche Drogen in Umlauf oder neu kreiert werden, die ihrerseits eine viel größere Gefahr für die Gesellschaft darstellen. Ich finde, der Staat sollte sich hier das Monopol sichern und zudem dafür sorgen, dass Jugendlichen gesunde Perspektiven geboten werden, gerade wenn sie in Probleme haben.

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