Wandern mit App Falsche Wege in Wander-Apps: Die Tücken der Technik

MDR THÜRINGEN-Reporter Jonas Wölke
Bildrechte: MDR/Christin Gertler

Per App durch den Thüringer Wald oder den Harz wandern, das machen immer mehr Menschen auch in den mitteldeutschen Wandergebieten. Doch nicht immer ist der Weg, den die App anzeigt, auch der richtige. Unterwegs im Thüringer Wald und im Nationalpark Harz.

Eine Wander-App auf einem Smartphone, dahinter ein Wanderwegweiser
Sich auf Wander-Apps zu verlassen, ist momentan noch Glücksache. Bildrechte: MDR/Jonas Wölke

  • Falsche Wege in Wander-Apps können die Natur zerstören.
  • Grund dafür sind oft falsch eingegebene Daten der öffentlichen Karten-Datenbank.
  • Mitarbeiter des Nationalpark Harz kontrollieren mittlerweile ihr Revier auch digital.
  • Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich vorher die offiziellen Wegekarten beschaffen.

Was waren das noch für Zeiten, als man sich seine Wanderschuhe schnürte, die Wanderkarte studierte und dann trotz genauster Planung irgendwie doch nicht da landete, wo es eigentlich hingehen sollte?

Wander-Apps wie "Komoot" oder "Outdooractive" sind da eine echte Hilfe. Sie schlagen direkte Routen in der Umgebung vor und inspirieren auch mal, neue Pfade auszuprobieren. Kniffelig wird es dann, wenn der Weg, den die App anzeigt, gar kein offizieller Weg ist.

Inoffizielle Wanderwege können Natur zerstören

Denn so entstehen neue "illegale" Wanderwege und das hinterlässt dann mitunter unschöne Spuren im Wald, wie Lennart Ender, Ranger im Nationalpark Harz, erzählt. So erwischt er in den letzten Monaten immer wieder mal Wanderer, die ihrer App ein bisschen zu sehr vertraut haben.

Eine Karte zeigt das Wanderwegenetz in Plaue
Auf Wanderkarten mit offiziellen Wegen, wie in Plaue im Ilm-Kreis, schauen viele Nutzer von Wander-Apps nicht mehr. Bildrechte: MDR/Jonas Wölke

"Ignorant sind die meisten Wanderer nicht, sie wissen nur nicht, dass sie auf einem Weg sind auf dem sie nicht sein dürfen. Das bedeutet für uns einfach nur viel Aufklärungsarbeit.", sagt Ender.

Die meisten reagieren verständnisvoll auf unsere Hinweise.

Lennart Ender Ranger im Nationalpark Harz

Mitarbeiter des Nationalparks Harz führen Gebietskontrollen durch

Um zu verhindern, dass Menschen die falschen Wege gehen, haben die Mitarbeiter des Nationalparks Harz neuerdings eine weitere Aufgabe in ihrem Tagesgeschäft: digitale Gebietskontrolle. Das heißt, die Mitarbeiter schauen in die verschiedenen Apps und suchen dort aktiv nach falsch eingetragenen Wegen.

Um zu verstehen, wie diese Arbeit funktioniert, muss man wissen, dass die Wander-Apps auf Open-Street-Maps, eine öffentliche Kartendatenbank, zugreifen und über diese die Informationen in die Apps einspielen.

Nationalpark-Ranger Lennart Ender in einem Waldstück
Lennart Ender ist Ranger im Nationalpark Harz und macht mit seinen Kollegen neuerdings auch digitale Gebietskontrollen. Bildrechte: MDR/Jonas Wölke
Nationalpark-Ranger Lennart Ender in einem Waldstück 2 min
Bildrechte: MDR/Jonas Wölke

Entdecken Ender oder seine Kollegen dann einen solch falschen Weg, müssen sie die entsprechenden Daten in der Datenbank löschen. Damit können die Apps dann wieder zuverlässig die Routen anzeigen.

Offizielle Wanderwege werden durch Nationalparkverwaltung festgelegt

Denn die offiziellen Wanderwege werden alle zehn Jahre neu bekannt gegeben durch die Nationalparkverwaltung. Die Wegeführungen orientieren sich dann unter anderem an den Schutzzeiten der dort lebenden Tiere.

Um wirklich sicher zu gehen, dass man den richtigen Weg erwischt, empfiehlt Ranger Ender, sich vorher entweder auf der Seite des Nationalparks Harz die aktuell gültigen Wege herunterzuladen oder sich in den Informationen mit aktuellen Karten zu versorgen.

Probleme mit falschen Wegen in Wander-Apps auch in Thüringen

Das Problem mit den falschen Wegen schilderten MDR THÜRINGEN auch mehrere Nutzer unseres Instagram-Kanals. So schreibt ein Nutzer "Häufig kommt es vor, dass man mit Wander-Apps auf einmal nicht mehr weiterkommt." So seien beispielsweise fehlerhafte Wege eingezeichnet auf einer Route in der App "Komoot" in der Nähe der Drei Gleichen zwischen Gotha und Arnstadt.

Bei einer Stichprobe in der Nähe von Plaue konnte MDR THÜRINGEN keine falsche Wegeführung entdecken, es bleibt jedoch der Eindruck, dass die Apps ohne Ortskenntnis und vorherige Recherche der Wegelage eher mit Vorsicht zu genießen sind. Nationalpark-Ranger Lennart Ender will die Wander-Apps nicht verurteilen, er meint "Die sind schon ganz gut, aber eben noch nicht perfekt."

Blick auf den Ort Großbreitenbach im Ilm-Kreis
Das schönste an einer Wanderung: Der Blick von oben auf die Welt. So wie auf Großbreitenbach im Ilm-Kreis. Bildrechte: MDR/Jonas Wölke

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MDR (jw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 12. November 2022 | 08:42 Uhr

1 Kommentar

Sascha Ulmen vor 11 Wochen

Gerade in Thüringen sind nach meiner Erfahrung Wanderwege häufig sehr lückenhaft oder uneindeutig ausgeschildert, so dass man sich zwangsläufig einen Pfad suchen muss. Das ist schon immer so! ::::::: Man ist höchstens froh, wenn man nun dank App etwas weniger als früher umher irren muss! :::::::: Mein Wunsch: Nicht nur digital löschen, sondern in der Realität schauen, ob jeweils reale Beschilderung nachgebessert werden muss.

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