Weihnachtsgeschäft Verkaufsoffener Sonntag in vielen Thüringer Städten zum zweiten Advent

Während das explosive Wachstum des Online-Handels aus der Corona-Zeit vorerst beendet scheint, blicken die stationären Einzelhändler in Thüringen trotz Energiekrise vorsichtig optimistisch aufs Weihnachtsgeschäft. Am ersten Adventssonntag war die Resonanz in den Städten gut, aber nicht überwältigend - die größeren Städte im Freistaat folgen fast alle am zweiten Advent.

Passanten bei Weihnachtseinkäufen.
Weihnachtsgeschenke kaufen: Viele haben damit schon begonnen. Bildrechte: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

In Saalfeld hat sich der Werbering der Stadt mit den Feengrotten abgestimmt. Dort ist am zweiten Adventswochenende "Grottenadvent". Deshalb seien die Händler für den verkaufsoffenen Sonntag auf den ersten Advent gegangen. "Wie in den letzten Jahren vor Corona eigentlich auch", sagt Oliver Brömel, Vorsitzender des Werberings.

Der Verein organisiert den verkaufsoffenen Sonntag für die Händler, kümmert sich um die Vermarktung. Die Stadt sei am 27. November gut gefüllt gewesen, auch der Weihnachtsmarkt ziehe viele Menschen aus der Region an.

Vom Weihnachtsmarkt zur Shopping-Meile

Ähnlich sieht man es in Bad Salzungen. "Die Händler müssen ja auch Präsenz zeigen", heißt es vom Handels- und Gewerbeverein. Weihnachtsmarkt und geöffnete Geschäfte belebten sich gegenseitig. Gerade in kleineren Städten allerdings dürfe man die Anziehungskraft nicht überbewerten. "Die Leute gehen dann meist in ihrer eigenen Stadt einkaufen, ein paar kommen aus umliegenden Gemeinden."

Ähnlich sieht das auch Knut Bernsen, Chef des Handelsverbands Thüringen. Einkaufen werde immer mehr zum Ereignis - und da profitierten Orte mit breitem Sortiment. "Und eine Krämerbrücke hat eben nicht jede Stadt." Erfurt sei da im Vorteil. Bernsen sieht die Stimmung rund ums Weihnachtsgeschäft bisher als schwach, es gebe aber Lichtblicke.

Verkaufsoffener Sonntag am zweiten Advent: Erfurt: 12-18 Uhr
Rudolstadt: 13-18 Uhr
Jena: 13-18 Uhr
Arnstadt: 12-18 Uhr
Artern: 12-18 Uhr
Eisenach: 13 -18 Uhr
Eisfeld
Gera: 13-18 Uhr
Gotha: 12-18 Uhr
Heiligenstadt: 13-18 Uhr
Nordhausen: 13-18 Uhr
Rudolstadt
Weimar: 13-19 Uhr
Zeulenroda: 13-18 Uhr

IHK: Manche Warenpreise sinken

Grundsätzlich sei die Stimmung immerhin besser als in den beiden vergangenen Corona-Jahren, heißt es von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Erfurt. Allerdings sei das Preisbewusstsein wegen der aktuellen Krise besonders hoch. Tatsächlich würden manche Warenpreise bereits erstmals seit dem Jahr 2020 wieder sinken. "Das könnte ein Indikator dafür sein, dass der Höhepunkt der Inflation erreicht ist", sagt Cornelia Haase-Lerch, Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt.

Die größeren Thüringer Städte, darunter die Landeshauptstadt, ziehen mit ihren verkaufsoffenen Sonntagen am zweiten Advent nach. In Jena zum Beispiel erwartet die Initiative Innenstadt viele Besucher. Der verkaufsoffene Sonntag im Sommer sei wegen großer Hitze gescheitert. "Da war kaum jemand unterwegs." Inzwischen hätten sich die Menschen auch wieder daran gewöhnt, in Geschäfte zu gehen, die Erwartungen ans Weihnachtsgeschäft seien gut. Es sei eher so, dass die Besuche in den Geschäften angenehmer werden, wenn die Einkaufstage entzerrt werden. "Der eine Sonntag entlastet die Samstage", sagt Citymanagerin Kati Cornelia Fischer-Haasis.

Händler: Nach Online-Boom kaufen Kunden wieder mehr lokal

Es werde aber wieder mehr lokal eingekauft, berichteten ihr die Händler der Jenaer Initiative. Das hatte auch eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland zuletzt ergeben. Die Erwartungen an den zweiten Advent sind hoch - auch wenn in Leipzig und Erfurt ebenfalls geöffnet ist.

Deshalb hätten sich die Händler in der Saalestadt etwas einfallen lassen: "Es gibt eine ganze Reihe von Aktionen", sagt Fischer-Haasis. Schokoladen-Verkostungen, Filmfiguren aus dem Disney-Streifen "Die Eiskönigin“ seien in einem Einkaufszentrum zu Gast, die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs am Sonntag ist kostenlos - und ab 18 Uhr lockt Musik vom "Muweika", dem täglichen musikalischen Weihnachtskalender.

Nach dem zweiten Advent ist Schluss

Die Citymanagerin sagt aber auch, dass dann zu Jahresbeginn die Nachfrage wieder einbrechen könnte, die jetzt noch sehr robust sei. Gerade in der letzten Vorweihnachtswoche erwarten viele Händler nach Auskunft des Handelsverbands erneut einen Nachfrageschub. Es sei bedauerlich, dass dann kein weiterer Sonntag für Verkäufe offenstehe.

Denn weitere verkaufsoffene Sonntage nach dem zweiten Advent lässt das Thüringer Ladenöffnungsgesetz nicht zu. Das besagt nämlich ganz klar in Paragraf 10, Absatz 2: "Der Karfreitag, die Adventsonntage und die übrigen Sonn- und Feiertage im Dezember dürfen mit Ausnahme wahlweise des ersten oder zweiten Adventsonntags nicht freigegeben werden." Der dritte und vierte Advent sind also tabu für Verkäufe im stationären Einzelhandel - zum Missfallen der Einzelhändler. Handelsverbands-Geschäftsführer Bernsen sagt es so: "Der dritte oder vierte Advent wären sicher noch umsatzträchtiger."

Kurz vor Weihnachten geht es ins Nachbarland

Wer dann noch einkaufen will, fahre zum Beispiel nach Sachsen-Anhalt. Dort seien zwei Adventssonntage potenziell für Öffnungen freigegeben. In Erfurt findet Citymanagerin Patricia Stepputis ebenfalls, man könne die Sonntagsregelung liberalisieren. Weil nur zwei Sonntage vor Weihnachten dafür offen seien, machten sich viele Städte gegenseitig Konkurrenz, obwohl sie das eigentlich gar nicht wollten. "Mit vier Sonntagen könnten wir uns untereinander besser abstimmen." Und in diesem Jahr habe es auch wegen Corona eigentlich nur zweieinhalb verkaufsoffene Sonntage gegeben.

Mitarbeiter für die Aktionstage zu finden, sei indes kein Problem, trotz Personalknappheit. "Da helfen die Zuschläge, besonders bei jüngeren und ungebundenen Mitarbeitern", sagt Bernsen. Es gehe ja auch nicht um 20 oder 30 Sonntage pro Jahr, sondern um vier. Das mache es leichter.

MDR (fg,mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. Dezember 2022 | 19:00 Uhr

11 Kommentare

knarf vor 8 Wochen

Reuter4774:Sie kennen mich gar nicht also empfehle ich Ihnen mit Begriffen wie "Egomane"vorsichtig umzugehen!
Übrigens wie sollte sich die Kundschaft strukturieren und planvoll handeln um Ihnen zu Willen zu sein?Das wird wohl Ihr ewiger Traum bleiben!

Reuter4774 vor 8 Wochen

Weil kaum eine Verkäuferin dafür Freizeitentschädigung sieht oder Geld, das wissen Egomanen wie Sie aber auch! Nun due nächste Branche der die Leute fortlaufen und dann muss die Kundschaft umdenken und andere Öffnungszeiten akzeptieren. Oder sich vielleicht mal strukturieren und planvoll handeln.

knarf2 vor 8 Wochen

Reuter4774:Wo ist Ihr Problem?Gehen Sie am Woche de und nach 18:00Uhr
einfach nicht einkaufen!Natürlich muß auch meiner Meinung nach nicht bis Ultimo geöffnet sein. Die Realität sieht eben anders aus.

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