Steigende Preise Wie stark die Inflation Ihren Einkauf verteuert – und wo Sie sparen können

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Quark, Butter, Sonnenblumenöl: Die Preise für Lebensmittel sind in den vergangenen Monaten durch die Inflation spürbar angestiegen. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass sie ihren Alltag nicht mehr finanzieren können. Wie genau Ihr persönlicher Wocheneinkauf vom Preisanstieg betroffen ist, können Sie mit dem neuen MDR-Inflationsrechner ganz einfach untersuchen.

Eine Einkaufskiste mit Lebensmitteln steht auf einem Küchentisch
Innerhalb eines Jahres sind die Nahrungsmittelpreise im Supermarkt im durchschnittlich 20 Prozent angestiegen. Bildrechte: dpa

Was ist der MDR-Inflationsrechner und wie funktioniert er?

Von Inflation spricht man, wenn die Preise für Waren und Dienstleistungen ansteigen. Je höher die Inflationsrate ist, desto deutlicher ist der Preisanstieg. Das gilt auch für Lebensmittel. Der MDR-Inflationsrechner zeigt daher auf einfache und nachvollziehbare Art, wie stark die Lebensmittelpreise in den vergangenen Monaten angestiegen sind. Im Durchschnitt sind die Preise im Supermarkt innerhalb eines Jahres nach Angaben des Statistischen Bundesamts um rund 20 Prozent angestiegen, allerdings ist der Preisanstieg von Lebensmittel zu Lebensmittel äußerst unterschiedlich.

Wie sehr die Inflation Sie bei Ihren Einkäufen beeinflusst, können Sie mit dem MDR-Inflationsrechner ganz einfach selbst nachrechnen. Wählen Sie dazu beliebig viele Waren aus – beispielsweise Olivenöl, Vollmilch, Brot und Brötchen. Anhand der Auswahl wird dann sowohl die Preisentwicklung jedes einzelnen Nahrungsmittels angezeigt als auch die Gesamtveränderung automatisch errechnet.

Sie können zudem noch auswählen, für welchen Zeitraum Sie die Preisentwicklung angezeigt haben möchten:

  • 1 Monat
  • 3 Monate
  • 6 Monate
  • 12 Monate (1 Jahr)

Woher stammen die Lebensmittelpreise?

Natürlich variieren die Lebensmittelpreise von Region zu Region und Markt zu Markt. Um möglichst realistische Preisangaben zu erhalten, wurden in der Recherche daher die Lebensmittelpreise ermittelt, die in Mitteldeutschland im November 2022 durchschnittlich bezahlt werden mussten. Stellvertretend wurden dabei Supermarktpreise aus Magdeburg als Grundlage genommen. Für jedes Produkt, das im MDR-Inflationsrechner auswählbar ist, wurden möglichst viele Preisangaben aus unterschiedlichen Segmenten berücksichtigt – also sowohl günstige Eigenmarken als auch namhafte Markenprodukte berücksichtigt.

Die so ermittelten Durchschnittswerte für verschiedene Lebensmittel wurden dann im Anschluss mit einer umfangreichen Liste des Statistischen Bundesamts kombiniert, das Monat für Monat berechnet, um wie viel Prozent ein Nahrungsmittel deutschlandweit im Preis gestiegen oder gesunken ist. Beispiel Vollmilch: Im November 2022 kostete ein Liter Vollmilch in Mitteldeutschland im Schnitt 1,09 Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch 73 Cent. Innerhalb eines Jahres ist der Preis also um rund 33 Prozent gestiegen. Jeden Monat wird der MDR-Inflationsrechner mit den neuen Preissteigerungen aktualisiert.

Inspiriert ist das Tool vom Inflationspreisrechner von BR24.

Welche Lebensmittel sind besonders von Inflation betroffen – und welche nicht?

Nach Angaben der Verbraucherzentrale sorgen mehrere Faktoren für die deutlichen Preisanstiege für Nahrungsmittel. Dazu gehören vor allem gestiegene Energiekosten sowie die schwierige internationale politische Lage durch Russlands Angriffskrieg in der Ukraine sowie ein allgemeiner Arbeitskräftemangel. Daraus resultierende Preissteigerungen waren besonders in der Gruppe der "Fette" (Sonnenblumen- und Rapsöl, Butter) und der Milchprodukte (Quark, Sahne, frische Milch) festzustellen.

Obst hingegen ist hingegen kaum im Preis gestiegen, statistisch betrachtet sank der Preis für Birnen sogar innerhalb eines Jahres. Die Verbraucherzentrale rät in diesem Zusammenhang, besonders darauf zu achten, welches regionale Gemüse und Obst gerade Saison hat. Denn ohne aufwendigen Transport und energieintensives Kühlen sind diese Produkte in der Regel verhältnismäßig günstig. Auch der Einkauf auf dem Wochenmarkt kann unter Umständen günstiger sein als im Supermarkt. Weitere Spar-Tipps der Verbraucherzentrale sind:

  • Statt Butter lieber auf Margarine, Frischkäse oder andere Brotaufstriche ausweichen,
  • Fleisch, Wurst und Fisch durch pflanzliche Lebensmittel ersetzen,
  • einen Essensplan aufstellen und anhand dessen einkaufen, um Spontankäufe zu vermeiden.

Wie aussagekräftig ist der MDR-Inflationsrechner?

Der MDR-Inflationsrechner arbeitet mit Durchschnittspreisen eines herkömmlichen Supermarkts. Natürlich kann sich das persönliche Einkaufsverhalten auch sehr von diesen standardisierten Werten unterscheiden, da jeder Einkauf individuell ist und laut Marktforschungsinstitut GfK unter anderem von folgenden Faktoren abhängt:

  • Wird im Discounter eingekauft, im Supermarkt oder im Bio-Markt?
  • Besteht der Einkauf ganz oder teilweise aus Eigenmarken-Produkten und solchen, die im Angebot sind?
  • Wie viel Prozent des Einkaufs sind Lebensmittel, die besonders teuer geworden sind?
  • Arbeitet man im Homeoffice und muss deshalb auch für das Mittagessen einkaufen?

Auf den Cent genau lässt sich die ganz persönliche Inflationsrate also wahrscheinlich nicht ermitteln, sehr umfangreiche Einblicke in die Preisentwicklung und das Erkennen möglicher Einsparpotenziale hingegen sind auf alle Fälle möglich.

MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. November 2022 | 14:40 Uhr

65 Kommentare

Germinator aus dem schoenen Erzgebirge vor 9 Wochen

"Gas und Öl aus Russland importieren, eine weit höhere Inflationsrate als Deutschland haben, finde ich durchaus bemerkenswert."

Können sie, aber die Inflation ist nicht an Gas und Öl gekoppelt, sonst hätte es ja in den letzten Jahren keine Inflation gegeben.


☝️🍀

Kritische vor 9 Wochen

Dass sich die Menschen kein gesundes Essen (mehr) leisten können, halte ich für ein Gerücht. Schon vor der Inflation hatten sehr viele Leute Fertigprodukte und ungesundes Zeug im Korb, sehr viel Bier, Schnaps, Chips, fertige Pizzen, Kartoffelsalat aus dem Eimer, Joghurt mit 50 % Zucker, Maggi-Fix etc. Wenn ich sehe, dass ein Bund Möhren 1,19, ein Netz voll Rosenkohl 99 Cent, Kartoffeln, Blumenkohl und andere Wintergemüse der Saison sehr wenig kosten, teilweise nur knapp über einem Euro, dann kann ich das nicht gelten lassen. Die Leute sind zu faul zum Kochen, haben keine Ahnung und reden sich dann mit der Inflation raus. Die einfachen Gerichte wie Kartoffeln mit Quark, Möhrensuppe, Linseneintopf, Rosenkohlauflauf, Blumenkohl mit Käse überbacken, Pasta, Reis etc. sind immer noch sehr günstig. Und wenn man nach Frankreich oder Spanien schaut, dann stehen wir noch richtig gut da. Dort zahlt man locker das Doppelte...Selbst erlebt.

Peter vor 9 Wochen

O.B.: Dass Ungarn und die Türkei, Länder, welche nach wie vor große Mengen Gas und Öl aus Russland importieren, eine weit höhere Inflationsrate als Deutschland haben, finde ich durchaus bemerkenswert.

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