Thüringer Wald Im Dienst für die Waldbesucher - die Naturparkmeisterei

Umgestürzte Wegweiser, abgerissene Schilder, marode Bänke: nicht überall im Thüringer Wald finden Wanderer die besten Bedingungen. Um das zu ändern und die Waldbesucher auf attraktiven Wegen zu halten, hat der Naturpark Thüringer Wald in den vergangenen Jahren sogenannte Naturparkmeistereien eingerichtet. Drei Stützpunkte gibt es mittlerweile, seit Mai auch in Marksuhl im Wartburgkreis.

Ein Mann steht neben einem Schild in einem Wald
Typische Arbeit für die Naturparkmeisterei: Eine schiefe Infotafel an der Geopark-Route 9 bei Ruhla. Da muss das Fundament erneuert werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Mit Kontrollblick fährt Chris Roth mit seinem Allrad-Dienstwagen durch den Wald zwischen Thal und Ruhla. Das sei die Hauptaufgabe, sagt er: Alles im Griff zu haben. Da steht leicht schief eine Infotafel an der Georoute 9. Vermutlich ist ein Holzlaster dagegen gestoßen, sagt Roth. Nur gerade ziehen, das wird nicht reichen. Die Tafel muss abgebaut werden, ein neues Fundament her. Inklusive Entsorgung des alten Fundaments vermutlich zehn Stunden Arbeit. Es soll ja halten.

Trümmer einer Sitzgruppe

Arbeit liegt hier überall an der Georoute 9, diesem Wanderweg im UNESCO-Geopark bei Ruhla. Ein Trümmerhaufen aus Holzteilen in der sogenannten Öhrenkammer: Da ist kurz nach Pfingsten eine große Sitzgruppe zusammengebrochen, 24 Jahre lang hatten dort Wanderer Pause gemacht. Jetzt hat der Forst Chris Roth mit ABM-Kräften unterstützt und die Teile schon mal grob zersägt. Roth wird sie noch weiter zerkleinern und entsorgen. Er will eine neue Sitzgruppe bauen, vielleicht noch in diesem Jahr, aber an einen anderen Standort, weil der private Waldbesitzer mit dem Neubau nicht einverstanden war.

Eine kaputte Hütte in einem Wald
Da ist nichts mehr zu machen. Die Trümmer müssen entsorgt werden. Bildrechte: MDR/Marco Fischer

Ranken zurückschneiden, Löcher stopfen

Nächster Stopp: zwei weitere Infotafeln an einem Hang oberhalb des Hauptwegs. Der steile Pfad dorthin ist zugewachsen. Roth holt die elektrische Heckenschere aus seinem Auto. Flink hat er Brombeerranken und Gras gestutzt. Aber auch an diesen Tafeln muss er später noch einmal nacharbeiten: bei einer schaut das Fundament aus dem Boden, der Platz davor ist ziemlich schmal, ein Stamm als Befestigung morsch und schon leicht abgerutscht. Weiter geht es Richtung Königshäuschen: da, erzählt Chris Roth, hat er vor vier Wochen viele Löcher gestopft, weil der Weg stark ausgewaschen war.

Lebenstraum ist wahr geworden

Chris Roth hat Werkzeugmacher gelernt und 21 Jahre lang in der Diakonie gearbeitet, er hat Vorrichtungen für Menschen mit Behinderungen gebaut, damit sie Maschinen leichter bedienen können. Eigentlich ein Traumjob, sagt er. Mit Wald hat der Ruhlaer aber auch immer zu tun gehabt, ist seit 29 Jahren bei der Bergwacht, wandert und klettert gern. Aber als er dann im vergangenen Jahr mitbekam, dass Naturparkmeistereien aufgebaut wurden, hat er den Traumjob aufgegeben für "einen Lebenstraum: den ganzen Tag draußen sein und damit seine Brötchen verdienen".

Waldarbeit Die Aufgaben eines Naturparkmeisters

Ein Mann arbeitet mit einer Heckenschere in einem Wald
Auch das Freischneiden von Wegen, Infopunkten und Aussichten gehört zu den Aufgaben der Naturparkmeisterei. Da kommt die Heckenschere zum Einsatz. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Mann arbeitet mit einer Heckenschere in einem Wald
Auch das Freischneiden von Wegen, Infopunkten und Aussichten gehört zu den Aufgaben der Naturparkmeisterei. Da kommt die Heckenschere zum Einsatz. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Mann steht neben einem Schild in einem Wald
Typische Arbeit für die Naturparkmeisterei: Eine schiefe Infotafel an der Geopark-Route 9 bei Ruhla. Da muss das Fundament erneuert werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Mann arbeitet mit einer Heckenschere in einem Wald
Fitness gehört zum Job: Chris Roth schneidet die Fläche am Steilhang unterhalb der Tafeln zurück. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Chris Roth steht hinter einem Auto
Seit Mai baut Chris Roth die Naturparkmeisterei im Gerstunger Ortsteil Marksuhl auf. Bisher arbeitet er dort allein, aber hat sich bereits ein Netzwerk geschaffen mit Kommunen, Wegewarten und Forstleuten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Eine kaputte Hütte in einem Wald
So sah die Sitzgruppe in der Ruhlaer Oehrenkammer kurz nach Pfingsten aus: Da war für Chris Rothnichts mehr zu retten. Bildrechte: MDR/Marco Fischer
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Von der Landesgrenze nach Hessen bis zum Inselsberg

Die Naturparkmeisterei im Gerstunger Ortsteil Marksuhl ist für den westlichen Teil des Thüringer Walds zuständig - von der Brandenburg bei Lauchröden bis zum Inselsberg. Bisher haben in diesem Bereich die Kommunen Gerstungen, Eisenach, Ruhla, Bad Liebenstein und Bad Tabarz Kooperationsverträge mit der Naturparkmeisterei abgeschlossen. Den Bedarf dieser Gemeinden klärt Chris Roth als Stützpunktleiter ab – vor allem mit den Wegewarten, die sich vor Ort am besten auskennen, aber auch mit den Förstern. Bei größeren Vorhaben bekommt er Hilfe von diesen Partnern. Kommunikation sei ganz wichtig, sagt Roth, damit Arbeit sich nicht doppelt. Abklären, was getan werden muss.

Einheitliche Schilder in ganz Thüringen

In der ersten Zeit ging es vor allem darum, Wegweiser zu reparieren und gleich mit den neuen, thüringenweit einheitlichen Schildern auszustatten. Denn Ziel sowohl des Naturparks wie auch des Forsts ist es, die Besucher im Naturpark zu lenken. Damit sie nicht irgendwo herumlaufen, sondern auf attraktiven Wegen – und dort auch bleiben. Außerdem sollen die Naturparkmeistereien die 18 sogenannten "Naturparktore" umsetzen: als Portale in das Schutzgebiet, mit Wanderparkplatz, Infohütte und Bio-Toilette. In Ruhla soll das Tor beispielsweise an der Schanzenanlage "Alte Ruhl" entstehen, in Steinbach im Schleifkotengrund.

Chris Roth steht hinter einem Auto
Seit Mai baut Chris Roth die Naturparkmeisterei im Gerstunger Ortsteil Marksuhl auf. Bisher arbeitet er dort allein, aber hat sich bereits ein Netzwerk geschaffen mit Kommunen, Wegewarten und Forstleuten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Ehrgeiz und Durchhaltevermögen

Zum neuen Traumjob gehören mehr Sitzungen und Bürokratie als gedacht, sagt Chris Roth. Auch muss er einiges einarbeiten in das Internet-Portal "outdooractive", aber das sei auch schön, halte ihn "am digitalen Leben". Er genießt es, allein draußen zu sein in der Natur. Was es braucht für die Arbeit bei der Naturparkmeisterei? Körperliche Fitness, Liebe zu Natur und Wanderwegen, zählt Roth auf. Aber auch einen gesunden Ehrgeiz, "um dran zu bleiben". Und Durchhaltevermögen, weil man nicht gleich alles schön machen kann. Was in den letzten 30 Jahren vernachlässigt wurde, sei nicht auf einmal aufzuholen. Aber eben nach und nach. Er habe tolle Wege in der Region gefunden, sagt Chris Roth. "Wir haben es wirklich schön".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 17. August 2021 | 18:00 Uhr

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