Münzen und Stift auf Wohngeldantrag
Nach Ansicht von Experten beantragen deutlich weniger Haushalte Wohngeld als dazu berechtigt wären. Bildrechte: IMAGO / Andreas Gora

Miet-Unterstützung Über ein Jahr nach Wohngeld-Reform: Mitunter noch monatelanges Warten auf Bescheide

25. Mai 2024, 15:47 Uhr

Seit der Wohngeld-Reform zum 1. Januar 2023 sind auch in Thüringen deutlich mehr Haushalte bezugsberechtigt. Die Folgen: eine Antragsflut und lange Wartezeiten, bis Menschen das Geld auch auf dem Konto hatten. An einzelnen Wohngeldstellen dauerte das bis zu einem halben Jahr. Wie steht es jetzt um die Wartezeiten?

Porträt-Collage Online-Redakteur Lukas Schliepkorte
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Fast eineinhalb Jahre nach der Wohngeld-Reform sinken in Thüringen vielerorts die Wartezeiten für Antragsteller. Das ergab eine Umfrage von MDR THÜRINGEN unter den Landkreisen und kreisfreien Städten. Nur noch in einzelnen Wohngeldstellen müssen Haushalte demnach mehrere Monate auf einen bearbeiteten Antrag warten.

Reform: Mehr Empfänger und höheres Wohngeld

Die Reform zu Jahresbeginn 2023 hatte oft höheres Wohngeld zur Folge, vor allem aber auch deutlich mehr empfangsberechtigte Haushalte. Das führte in den Wohngeldstellen zu einem Antragsstau und teilweise bis zu einem halben Jahr Wartezeit, bis Anträge bewilligt waren. Mehrere der Behörden schufen daraufhin zusätzliche Stellen zur Bearbeitung.

Erfreuliche Nachrichten gibt es seitdem für Wohngeldhaushalte im Kreis Hildburghausen. Während Mitte 2023 Anträge noch in drei bis sechs Monaten bearbeitet wurden, ist Angaben des Landratsamts zufolge ein Bescheid aktuell innerhalb von 14 Tagen fertig - sofern die Unterlagen vollständig bei der Wohngeldstelle landen.

Wartezeiten bis zu vier Monaten in einigen Kreisen

In einzelnen Kreisen warten mögliche Wohngeldempfänger laut MDR-Umfrage aber noch immer bis zu vier Monate auf ihre Bescheide. Dies gilt für die Kreise Greiz und Gotha. Dort hatte die Wartezeit im Oktober allerdings mitunter noch bei mehr als sechs Monaten gelegen. Auch im Wartburgkreis ist die Bearbeitungszeit seitdem etwas geringer geworden. Im Oktober dauerten Anträge noch fünf bis sechs Monate, mittlerweile sind es laut Kreis noch drei bis vier.

Im Saale-Orla-Kreis hat sich die Wartezeit seit Oktober mit bis zu vier Monaten dagegen kaum verändert. Der Kreis erwartet aber, dass bis Jahresende Menschen nur noch acht Wochen warten müssen. In Gera warten Antragsteller aktuell etwa drei Monate - in Erfurt‚ Suhl, Jena und Weimar zwei bis drei. Im Kreis Sömmerda schwankt die Bearbeitungszeit zwischen unter einem Monat und mehr als zwei.

Etwa sechs bis maximal acht Wochen dauert ein Antrag in den Kreisen Sonneberg und Nordhausen, dem Kyffhäuser- und Unstrut-Hainich-Kreis sowie im Altenburger Land. Das Gleiche gilt für das Eichsfeld. Hier lag die Wartezeit Ende Oktober noch bei drei Monaten. Im Saale-Holzland- und Ilm-Kreis warten Antragsteller aktuell etwa einen Monat auf ihren Bescheid.

Kreise bemängeln: Viele Anträge unvollständig

Wohngeld können diejenigen beantragen, die keine Sozialleistungen bekommen, aber trotzdem über wenig Geld verfügen. Der Anspruch hängt dabei etwa von der Zahl der im Haushalt lebenden Menschen, deren monatlichem Gesamteinkommen und der Kaltmiete ab. Anträge können bei den Landratsämtern, den kreisfreien Städten und den Städten Gotha, Sondershausen, Ilmenau, Rudolstadt und Saalfeld gestellt werden.

Nahezu alle angefragten Landkreise und kreisfreien Städte berichten von zahlreichen unvollständigen Anträge, die die Bearbeitungszeiten in den Wohngeldstellen verlängern. Wie Sie Wohngeld beantragen, lesen Sie im folgenden Artikel:

Der Wartburgkreis stellt Musteranträge und ein eigenes FAQ bereit.

Seit Jahren steigende Antragszahl in Thüringen

Die Zahl der Wohngeldanträge in Thüringen steigt laut Thüringer Infrastrukturministerium seit Jahren. Demnach lag im gesamten Jahr 2023 - dem ersten nach der Reform - die Zahl der Anträge bei 97.577. Im Vorjahr waren es nur etwa 78.000. 2021 waren es noch gut 62.500 Anträge.

Seit der Reform hat zudem die Zahl der empfangsberechtigten Wohngeldhaushalte in Thüringen zugenommen. Ministeriumsangaben zufolge stieg die Zahl der bewilligten Haushalte von 24.000 im Jahr 2022 auf aktuell gut 38.500.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. Mai 2024 | 12:00 Uhr

2 Kommentare

Peter vor 3 Wochen

NochJemand: Sie sind nicht auf dem Laufenden.
Ich zitiere von der Web-Site der Caritas Leipzig: "Seit 2023 gibt es das WohngeldPlus, mit dem auch Heizkosten bezuschusst werden."

NochJemand vor 3 Wochen

Wohngeld gibt es nur für die Kaltmiete. Die ist aber vielfach gar nicht das Problem, sondern die sprunghaft angestiegenen Nebenkosten. Somit geht das Konzept am Bedarf etwas vorbei.

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