Ein Kirchenfenster mit einer Darstellung des Heiligen Geistes in Form einer Taube.
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Was feiern wir Pfingsten? "Feuer und Flamme sein"

Pfingstritt und Pfingsochse – woher kommen diese Bräuche? Und was haben eine Taube oder die Redewendung "Feuer und Flamme" mit Pfingsten zu tun. Fragen, die wir hier beantworten.

Ein Kirchenfenster mit einer Darstellung des Heiligen Geistes in Form einer Taube.
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Pfingsten ist nach Ostern und Weihnachten das dritte große Fest im Kirchenjahr. Das Wort Pfingsten entstand aus dem griechischem Wort "Pentecoste", was so viel heißt wie der fünfzigste Tag. Denn das erste Pfingstfest wurde, so die Apostelgeschichte, am "Fest der (Weizen-)Ernte" fünfzig Tage nach dem Passahfest, fünfzig Tage nach der österlichen Auferstehung, gefeiert.

Im Alten Testament war dieser Tag als Erntedankfest zum Abschluss der Getreideernte eines der drei großen Dankesfeste der Juden. Nach der Auferstehung Jesu soll an dem Tag die Urgemeinde von Jerusalem "zusammen mit Maria, der Mutter Jesu" (Apostelgeschichte 1,14), die von Jesus Christus verheißene Herabkunft des Heiligen Geistes (Apostelgeschichte 1,4-5) erfahren haben (Apostelgeschichte 1,5; 2,1-3).

Ein Mann hält Getreide in seiner Hand
Ursprung des christlichen Pfingsten ist das alte jüdische Erntedankfest. Bildrechte: colourbox


Den biblischen Berichten zufolge schenkt Gott seither seinen Geist nicht mehr einzelnen Auserwählten, sondern jedem Gläubigen. Pfingsten ist deshalb vor allem das Fest des Heiligen Geistes, also der schöpferischen Kraft Gottes. In Erinnerung an der in der Bibel geschilderten Ausgießung des Heiligen Geistes wird Pfingsten auch als der Geburtstag der Kirche verstanden. Auf die Pfingsterzählung des Neuen Testaments geht wohl auch die Redewendung "Feuer und Flamme sein" zurück.  Im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte heißt es: Bei dem Treffen der Jünger "sah man etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden von ihnen ließ sich eine Flammenzunge nieder".

Als das Pfingsfest kam, waren wieder alle, die zu Jesus hielten, versammelt. Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte und auf jedem ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.

Nach: Gute Nachricht Bibel, Stuttgart, Deutsche Bibelgesellschaft 1997

Taube und Feuerzungen als Symbole

Im Kirchenkalender endet mit Pfingsten die österliche Festzeit. Im Mittelalter inszenierte man  in den Kirchen die Ausgießung des Heiligen Geistes ganz real. An Stricken wurde eine hölzerne Taube durch eine Luke, das "Heilig-Geist-Loch", vom Dachboden in das Kircheninnere heruntergelassen und schwebte über den Köpfen der Gottesdienstbesucher.

Die Taube ist wohl deshalb ein Hinweis auf den Heiligen Geist, weil sie immer wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurück findet. Ähnlich führt der Geist den Menschen zu seinem Ursprung, zu seinem Schöpfer zurück. Als Jesus von Johannes getauft wird, kommt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf ihn herab (Matthäus 3,16).

An Pfingsten ist nach dem Bericht der Apostel keine Taube erschienen. Stattdessen berichten die Apostel von Feuerzungen. Sie befähigen die Jünger Jesu zum Predigen in verschiedenen Sprachen, so dass Menschen unterschiedlicher Herkunft sie verstehen können – das Pfingstwunder. Wenn in einigen Kirchen zu Pfingsten rote Blütenblätter auf die Gemeinde niederschweben, erinnert das an die Feuerzungen des ersten Pfingstfestes.

Pfingstritt – Segnung der Felder

Soll der Osterritt der Sorben die Botschaft der Auferstehung in die Dörfer tragen, so gilt der Flurumritt zu Pfingsten den Feldern. Ein Gebiet zu umreiten ist eine Segenshandlung, die der Saat Nutzen bringen soll. Ursprünglich mit Pfingsten verbunden war auch der große Wettersegen – ein Gebet für eine gute Ernte.

Ein einzigartiger Brauch lockt alljährlich viele Zuschauer nach Kötzing im Bayerischen Wald. Er geht auf ein Gelöbnis aus dem 15. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1412 konnte ein Priester von Kötzing, der zu einem Sterbenden geholt wurde, wegen nächtlicher Überfälle nur unter dem Schutz mehrerer beherzter Reiter im sechs Kilometer entfernten Dorf Steinbühl die Sterbesakramente spenden.

Im Jahr 2013 konnten viele Tausende Menschen den 600. Kötzinger Pfingstritt in alten Trachten begleitet von Kreuz- und Laternenträgern sowie Fanfarenbläsern und fast 900 Reitern bestaunen.

Kuhball und Pfingstochse

Der "Pfingstochse" wird meist auf ein geschmücktes Rind zurückgeführt, das zur Weide getrieben wurde - wie beim Harzer Kuhball in Tanne. Eher scheint der Begriff aber von dem Ochsen abgeleitet zu sein, der Pfingsten geschlachtet und zuvor geschmückt durch das Dorf geführt wurde. Vielleicht geht der Pfingstochse auf eine vorchristliche jahreszeitliche Opferhandlung zurück.

Die – immer negativ gebrauchte – Bezeichnung "Pfingstochse" bezieht sich auf einen, der zwar noch "schön" wirkt, aber nur, weil er noch nicht ahnt, dass er bereits verloren ist.

Der Kuhball in Tanne
Kuhball in Tanne: Zu Pfingsten werden wie hier im Harz der Viehaustrieb auf die Weide gefeiert. Bildrechte: Carsten Reuß

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 16:39 Uhr