eine Kerze wird entzündet
Woran der Buß- und Bettag erinnert Bildrechte: Colourbox.de

Buß- und Bettag | 21. November 2018 "Und vergib uns unsere Schuld"

Er gilt als Tag der Besinnung und des stillen Gebets: der Buß- und Bettag. Im kirchlichen Festkalender ist er ein fester Termin, als gesetzlichen Feiertag gibt es ihn nur noch in Sachsen.

eine Kerze wird entzündet
Woran der Buß- und Bettag erinnert Bildrechte: Colourbox.de

Der Buß- und Bettag ist ein Feiertag der Evangelischen Kirchen und wurde offiziell erstmals 1523 in Straßburg eingeführt. Der Buß- und Bettag ist ein Tag, der die vierte Bitte des Vaterunsers "Und vergib uns unsere Schuld" aufgreift. Der Tag soll daran erinnern, dass Scheitern zum Leben dazu gehört, und mahnt, sich immer wieder neu auf das Leben zu besinnen und neu zu orientieren.

Obwohl der Festtag im kirchlichen Leben der Protestanten tief verankert ist, verlor er im Jahr 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung seinen gesetzlichen Schutz. Nur in Sachsen ist der Buß- und Bettag noch ein gesetzlicher Feiertag.

Von Buße und Sühne

Buße und Sühne gehören in den christlichen Konfessionen zum geistlichen Alltag, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen. Schon in frühchristlicher Zeit gab es besonders angesetzte Bußtage, die jedoch weniger von der Kirche als viel mehr von weltlichen Herrschern angesetzt wurden. In besonderen Notfällen oder bei drohenden Katastrophen wurden Sühnetage ausgerufen. Schon Karl der Große verordnete besondere Bußtage aus Gründen besonderer Not. Das Mittelalter folgte diesem Vorbild, die Reformation übernahm diese Ordnung. Trotz der Kritik Luthers an den so genannten Quatembertagen schrieben evangelische Kirchenordnungen der Reformationszeit Buß- und Bettage vor, die häufig zu den überlieferten Zeiten, an manchen Orten sogar monatlich, abgehalten wurden.

Nach Kriegen und bei Notständen von der Obrigkeit verordnet

Ein Land, ein Staat verfügte einen Bußtag oft nach Ausbruch eines Krieges, um die Menschen vor Gott mit der Bitte um Vergebung, um Abnahme der Schuld für die Gewaltanwendung zu bitten. Während des Dreißigjährigen Krieges häufte sich die Zahl der Buß- und Bettage auf wöchentliche Wiederholungen. Dies konnte dann auch mehrmals im Jahr der Fall sein. Den aktuell begründeten Bußtagen folgten agendarisch geordnete Bußtage, um das Kirchenvolk zur Buße bei allgemeinen Volksnöten aufzurufen. In den 28 deutschen Ländern des Reiches von 1871 gab es 47 verschieden datierte Bußtage. Gegen diese Vielzahl schlug die evangelische Eisenacher Konferenz bereits 1852 einen einheitlichen Buß- und Bettag am Mittwoch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr vor - aber ohne Erfolg. Erst die Preußische Generalsynode 1892 schuf dann zu diesem Datum einen einheitlichen Bußtag für das Staatsgebiet in Mittel- und Norddeutschland.

Einzelne Evangelische Landeskirchen behielten jedoch zusätzlich noch andere Buß- und Bettage bei; die Evangelische Lutherische Landeskirche Sachsens beispielsweise hat neben dem Herbstbußtag auch noch einen Frühjahrsbußtag am Mittwoch nach dem Sonntag Reminiszere.

Vom öffentlichen Gebet zur persönlichen Abbitte

Der ursprünglich staatlich-öffentliche Charakter des Buß- und Bettages ist uns nicht mehr bekannt. Heutzutage ruft keiner mehr die gesamte Bevölkerung auf, angesichts von Notständen und Gefahren zu beten und Buße zu tun. Heute versteht man den Buß- und Bettag individuell, auf den einzelnen Christen bezogen. Aus dem einst öffentlichen Gebet und kollektiver Schuldsuche ist eine persönliche Gewissensprüfung und Bitte geworden.

Was sind die Quatembertage? Die Quatembertage werden abgeleitet von "Tour tempora", den vier Jahreszeiten. Der Begriff kommt aus dem Rom des  8. Jahrhunderts.  Er bezeichnet den Mittwoch, Freitag und Samstag in vier Wochen des Jahres, die ungefähr mit dem Beginn der jeweiligen Jahreszeit zusammenfallen. 

Papst Gregor VII. (1073-1085) hat auf der römischen Synode 1078 die Termine der Quatembertage festgelegt. Sie fallen danach in die erste Fastenwoche, die Wochen nach Pfingsten und nach Kreuzerhöhung (14. September) und in die Woche nach Lucia (13. Dezember). Inhaltlich geht es um die geistliche Erneuerung der christlichen Gemeinde durch Fasten und Beten und das Tun guter Werke. Das Fasten während der Quatembertage war genau geregelt: Es gab nur eine sättigende Mahlzeit am Tag und es durfte nur fleischlos gegessen werden. Die Quatembertage wurden nach dem II. Vatikanischen Konzil ( 1962-1965) und der Liturgiereform 1969 in der katholischen Kirche inhaltlich und kalendarisch neu aufgestellt.

Buchtipps Karl-Heinrich Bieritz:
"Das Kirchenjahr",
München: Verlag C.H. Beck 2014,
ISBN: 978-3-406-65901-0.

Manfred Becker-Huberti:
"Lexikon der Bräuche und Feste", Freiburg i.B.: Herder Verlag 2007, ISBN 978-3-451-28533-2.

Georg von Gynz-Rekowski:
"Der Festkreis des Jahres",
Berlin: Union Verlag 1981,
Nur noch antiquarisch!

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Gedanken zum Buß- und Bettag | 20. November 2018 | 18:50 Uhr