Menschen an Computern
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor der Landtagswahl Bürger wollen Verständnis von Politik

In Haldensleben, knapp 30 Kilometer nordwestlich von Magdeburg, wohnen etwa 19.000 Menschen. Für Wahlforscher ist die Stadt sehr interessant. Denn das Wahlergebnis in Haldensleben war dem landesweiten bei der Landtagswahl 2011 am nächsten. Deswegen wollte MDR SACHSEN-ANHALT von 15 Haldenslebern wissen, wie es ihnen vor der Wahl geht und wie die politische Stimmung in der Gemeinde ist. Dafür führte das Institut infratest dimap acht Interviews. Hier lesen Sie die Kernaussagen der Studie.

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Starke Verbundenheit mit Haldensleben, weniger mit Sachsen-Anhalt

Bei den Interviews geben die Haldensleber an, zu "ihrer Stadt" eine starke Verbundenheit zu verspüren. Dabei beschreiben sie die Stadt als optisch anziehend, wirtschaftlich stark, mit guter Verkehrsanbindung nach Magdeburg, ohne soziale Spannungen, idyllisch in der Natur gelegen.

Ihr Bild von Sachsen-Anhalt hingegen ist ein anderes. In den Gesprächen wird das Bundesland als blass, verschlafen und oftmals belächelt beschrieben. Im Gegensatz zu Haldensleben gibt es kaum Angebote zur Identifikation - außer die Natur.

Landespolitik wirkt uninspiriert und wenig eigenständig

Die Befragten stellen der Landespolitik allgemein und der Landesregierung speziell kein gutes Zeugnis aus. Erstere gilt den Teilnehmern der Studie als uninspiriert und wenig eigenständig.

Bei der Frage nach besonderen Impulsen der Regierung in der laufenden Legislaturperiode kann kaum einer besondere Impulse nennen.

Als einzige Entscheidung mit Tragweite nennen die Haldensleber die Personalkürzung bei der Polizei. Alle Teilnehmer kritisieren diese Entscheidung jedoch, da aus ihrer Sicht Sicherheit und Ordnung so nicht mehr gewährleistet werden könne.

Bildung ist wichtig, wird aber nicht ausreichend finanziell unterstützt

Als wesentlichen Zukunftsfaktor für Sachsen-Anhalt nennen alle Befragten die Bildung. Nach Ansicht der Gesprächsteilnehmer steht für den Bildungsbereich jedoch zu wenig Geld zur Verfügung. Als Beispiele nennen sie Schließungen von Kitas und Schulen und den gravierenden Lehrermangel an Schulen.

Dies führt laut den Interviewpartnern zu Wettbewerbsnachteilen Sachsen-Anhalts bei jungen Menschen.

Wegzug junger Menschen ist ein wahrnehmbares Problem

Trotz der Beschreibung von Haldensleben als einem wirtschaftlich starken Standort, stellt der Wegzug junger Menschen aus der Region ein Problem dar. Das liegt u.a. an mangelnder Förderung von Innovationen und Technologien sowie kreativen Berufen.

Außerden nennen die Befragten als Gründe für den Wegzug junger Menschen Arbeitslosigkeit und Niedriglohn. Einhergehend mit der Perspektivlosigkeit der jungen Generation sehen die Studienteilnehmer eine problematische Überalterung vor allem in den ländlichen Regionen.

Tiefe Kluft zwischen Bürgern und Politikern

Die Befragten haben das Gefühl, dass die Politiker sich nicht für die Bürger einsetzen und die Bedürfnisse der Menschen nicht kennen. Bei den Interviewpartnern ist die Politik eine "Parallelwelt", die "intransparent ist" und "am Bürger vorbei" kommuniziert.

In den Gesprächen wird der Wunsch nach wahrer Bürgernähe laut. Die Studienteilnehmer fordern von den Lokalpolitikern Dialogbereitschaft und Kommunikation auf Augenhöhe – und das Ganze nicht nur im Wahlkampf

Parteien nutzen zu wenig Social Media

Um die Kommunikation mit den Wählern zu verbessern, wünschen sich die Befragten niedrigschwellige Angebote. Besonders wird die Nutzung von sozialen Netzwerken genannt.

Gerade die etablierten Parteien sollen hier stärker agieren. Bisher sei Social Media fast ausschließlich durch rechte Strömungen belegt.

Als weitere Möglichkeiten des Bürgerkontaktes geben die Interviewten lockere Veranstaltungen mit der Möglichkeit zum persönlichen Gespräch und moderierte Diskussionen an – wie zum Beispiel die Interviews dieser Studie.

AfD wird deutlich rechts verortet, zeigt aber Bürgernähe

Ein Großteil der Studienteilnehmer bezeichnen die Alternative für Deutschland als volksverhetzend, undemokratisch und fremdenfeindlich. Der Entwicklung der Partei "immer weiter nach rechts" stehen fast alle Befragten mit Ablehnung und großer Sorge gegenüber.

Im Gegensatz zu den etablierten Parteien bescheinigten die befragten Haldensleber der AfD ein bewusstes Eingehen und Aufgreifen der Sorgen der Bürger. Die Partei tritt nach Angaben der Interviewten sehr emotional auf und kommuniziert sehr verständlich. Damit verbunden sei es gefährlich, dass die AfD nur agitiere und fordere, statt Lösungen anzubieten.

Flüchtlingsthematik ist Alltagsthema im Privaten

In ihrem persönlichen Umfeld ist das Thema "Flüchtlingskrise" allgegenwärtig, beschreiben die Teilnehmer der Studie. Ein Kernaspekt der Gespräche ist das als katastrophal erlebte Management der Flüchtlingssituation.

Alle Befragten stimmen zu, dass es moralische Verantwortung Deutschlands ist, von Krieg und Vertreibung fliehenden Menschen Schutz zu bieten und sie auzunehmen.

Forderung von Obergrenzen und Integration

Ein Großteil der Studienteilnehmer fordert eine Obergrenze für die Aufnahme von Asylsuchenden. Der Wunsch nach dieser Grenze geht einher mit der Forderung nach Solidarität der anderen europäischen Staaten.

Besonders die Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt bereitet den Befragten Sorge, denn sie schreiben der Politik Schwächen bei den ersten Schritten – Registrierung und Unterbringung – zu.

Chancen und Risiken

Chancen und Risiken des Flüchtlingszuzugs halten sich in der Wahrnehmung der Befragten ungefähr die Waage. Als Probleme benennen sie das Potenzial sozialer Unruhen, den zunehmenden Rassismus und hohe Kosten. Als Chancen identifizieren sie, dass durch die Flüchtlinge dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden kann. Außerdem hoffen die Studienteilnehmer, dass die Integrationsförderung und Werte-Vermittlung langfristig als Entwicklungshilfe in die Herkunftsländer ausstrahlt, wenn die Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückkehren sollten.

Studie zum Download

Die detaillierte Studie ist umfangreich und tiefergehender, als die oben aufgeführten Kernthesen. Hier können Sie die Studie herunterladen:

Die Eckpunkte der Studie Befragte: 15 Personen, die in Haldensleben wohnen und arbeiten; sie bilden Wähler und Nichtwähler sowie das politische Spektrum der wichtigsten in Sachsen-Anhalt vertretenen Parteien ab

Zeitraum: 14. bis 16. Januar 2016

Ort: Haldensleben, Mehrgenerationenhaus "ehfa – ein haus für alle"

Methode: Duale Tiefeninterviews mit je zwei miteinander befreundeten oder bekannten Personen, die allerdings politisch nicht immer einer Meinung sind / offene Gesprächsführung auf Basis eines Leitfadens durch Moderatorin

Im Unterschied zu Repräsentativerhebungen liefert die Studie keine quantifizierbaren Ergebnisse ("wieviel?"), sondern ermöglicht diese eine tiefergehende Betrachtung des "Warum?".

Interviewdauer: 60-90 Minuten Quelle: Infratest Dimap

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2016, 16:29 Uhr

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38 Kommentare

19.02.2016 22:26 Maria Anna.V. 38

Zu ekkehard Kohlfeld:
Sie sind peinlich,weil sie andere User angreifen,was denken sie wer sie sind?? Sie ertragen keine andere Meinung,sehr intolerant und feige!Schämen sie sich!

19.02.2016 15:25 Ekkehard Kohfeld 37

@33. M.p.BW.:Wenn sie hier schreiben müßen sie auch mit Gegenargumenten oder anderen Meinungen klarkommen,das ist Demokratie und Meinungsfreiheit,wenn sie das nicht können müßen sie halt nicht in offenen Foren schreiben und andern den Mund verbieten.
@34. M.A. Beamtin:Genause erstaunlich ist das die Jury und sie wohl auch nicht mitbekommen und schlecht reschaschieren haben das dieses Wort auch je nach einsatz
auch für andere Sachen steht nicht nur für hilfreiche Menschen
sondern unter anderm auch (Gutmensch) für gutgläubige Menchen
die der Politik und den Medien alles glauben,halt etwas naiv.
Und da giebt es noch andere Verwendungen für.Alles schön oder gutreden usw.

19.02.2016 13:32 M.A. Beamtin 36

Zu 35:So viel Blödsinn!Abschalten und Leben geniesen sie "Mensch".