Großveranstaltungen in Zeiten des Coronavirus Wegen des Coronavirus: Veranstalter rechnen mit finanziellen Schäden

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Der Coronavirus bestimmt derzeit das Weltgeschehen. Italien wird zur Sperrzone, Fußballmannschaften spielen vor leeren Rängen, nach und nach werden sämtliche Großveranstaltungen abgesagt. Das sorgt nicht nur für Frust bei den Zuschauern, sondern auch für erhebliche finanzielle Einbußen bei Veranstaltern. Im Ernstfall können die Ausfälle die Insolvenz für Subfirmen bedeuten. Trotzdem mahnen die Betreiber zur Ruhe – und sind zuversichtlich, Lösungen zu finden.

Brian May (r), Gitarrist aus Großbritannien, und Adam Lambert, Sänger aus den USA, treten mit ihrer Band Queen bei einem Konzert im Rahmen des Festivals «Concert for National Bushfire Relief» im ANZ Stadium auf
Momentan werden zahlreiche Großveranstaltungen abgesagt (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Der Magdeburger Oberbürgermeister Trümper Lutz (SPD) hat den uneinheitlichen Umgang mit dem Coronavirus in Deutschland kritisiert. Bisher sei es Sache der Kommunen, zu entscheiden, wie zum Beispiel bei Veranstaltungen zu verfahren sei. Damit sei man schlecht vorbereitet. Es brauche bundesweite, einheitliche Regelungen für solche Krisen, sagte Trümper MDR SACHSEN-ANHALT.

Magdeburg hatte als erste Stadt Sachsen-Anhalts Veranstaltungen ab 1.000 Personen verboten. Das hat Auswirkungen auf viele Betreiber großer Arenen und Veranstaltungsorte, die Veranstalter und Künstler selbst und natürlich die Zuschauer. Auch kleinere Veranstaltungen können betroffen sein, wenn sich aus Sicherheitsgründen dazu entschieden wird. Bisher ist die Lage dort aber noch ruhig. Johanna Bratke von der Konzertagentur Känguruh Productions in Halle, die zum Beispiel Konzerte mit Fatoni oder Peter Maffay organisiert, gibt an, von den Ausfällen bisher kaum betroffen zu sein.

Bisher haben wir noch kaum Ausfälle, da unsere Veranstaltungen normalerweise kleiner sind als 1.000 Personen.

Johanna Bratke, Känguruh Konzertagentur

Man habe aber die Hygienevorschriften erhöht, um eine Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten. So gebe es zum Beispiel an allen Veranstaltungsorten mehr Desinfektionsmittel, das Kassenpersonal trage Einmalhandschuhe und es sollen Plakate aufgehängt werden, die über korrektes Händewaschen informieren sollen.

Großveranstalter rechnen mit gewaltigen Schäden

Hände halten Röhrchen mit Aufschrift Corona
Der Coronavirus ist gegenwärtig omnipräsent Bildrechte: Colourbox.de

Bei Großveranstaltern geht man hingegen von großen finanziellen Schäden und vielen Ausfällen aus. Steffen Schüller, Geschäftsführer der Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg, die vermehrt große Locations wie die MDCC und die Getec-Arena, die Stadthalle Magdeburg oder die Magdeburger Messe betreibt, rechnet auf Grund des Coronavirus mit vielen Ausfällen und dementsprechend hohen Einbußen. Schüller ermutigt die Menschen aber trotzdem, Ruhe zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass Lösungen für die ungewöhnliche Situation gefunden werden.

Der potentielle Schaden hängt natürlich auch davon ab, wie lange jetzt Veranstaltungen ausfallen werden. Das ist aber noch nicht wirklich abzusehen. Es ist aber in jedem Fall mit gewaltigen Schäden zu rechnen.

Steffen Schüller, Geschäftsführer Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg

Unklarheiten erschweren Lösungssuche

Um ideale Absprachen zu treffen und möglichst gut auf Ausfälle zu reagieren zu können, stehe man in engem Austausch mit allen Veranstaltern, so Steffen Schüller. Wird eine Veranstaltung abgesagt, sollen nach Möglichkeit Ersatztermine gefunden oder Rückerstattungen gezahlt werden. Unklar ist bisher noch, wie sich diese Ausgleiche in den konkreten Fällen genau organisieren lassen. Das liegt laut Steffen Schüller unter anderem daran, dass es aktuell schwierig ist, Ersatztermine zu planen.

Die MDCC-Arena in Magdeburg ist weihnachtlich geschmückt.
Bald erstmal nur mit leeren Rängen? Die MDCC Arena. Bildrechte: MDR/ Daniel George

So ein Termin muss dann ja auch in den Zeitplan der Band und am besten auch der Zuschauer passen und wir wissen ja noch nicht, wie sich die Lage wegen des Virus entwickelt, und ob beispielsweise im Mai wieder Veranstaltungen stattfinden können.

Steffen Schüller, Geschäftsführer MVGM

Zum anderen wisse man noch nicht, inwiefern Ausgleichszahlungen von Seiten der Politik zu erwarten seien. Diese Planungsunsicherheit mache es besonders schwierig, auf die Ausfälle zu reagieren. "Wir hatten ja schonmal Ausfälle, damals, als wir vom Hochwasser betroffen waren", sagt Schüller. "Damals wussten wir aber, wie lange das ungefähr dauert. Diesmal ist das alles noch unklar."

Besonders kleine Dienstleister für große Veranstaltungen betroffen

Besonders betroffen von möglichen Ausfällen wären laut Schüller die kleineren Dienstleister bei Veranstaltungen. "Wir als große, kommunale Betreiber, wir kommen schon irgendwie klar. Aber die kleinen Dienstleister, zum Beispiel kleine Cateringfirmen ohne große Rücklagen, die bei unseren Veranstaltungen arbeiten, die werden teilweise sehr kämpfen müssen. Sowas kann im Ernstfall zur Insolvenz führen." Deswegen hätte er sich auch größere Zusagen von Seiten der Politik gewünscht. Dennoch mahnt er zur Ruhe.

Wir werden nach und nach Lösungen finden, die sowohl Betreibern, als auch Veranstaltern, Künstlern und Publikum gerecht werden.

Steffen Schüller, Geschäftsführer MVGM
Festivalbesucher stehen vor einer Bühne.
Viele Konzerte mussten schon abgesagt werden. Bildrechte: dpa


Auch Johanna Bratke gibt sich zuversichtlich. Sollte doch mal etwas ausfallen, werde man erstmal versuchen, Ersatztermine zu organisieren und so die Schäden gering zu halten. Dies werde dann von Fall zu Fall in enger Absprache mit den beteiligten entschieden, so Bratke.

Überrascht trotz Notfallteam

Obwohl das Team von Steffen Schüller bereits vor 14 Tagen eine Notfall-AG wegen der drohenden Ausfälle eingerichtet hat, zeigt sich der Geschäftsführer etwas überrascht, wie schnell und stark Magdeburg nun doch auch bei regionalen Veranstaltungen betroffen ist. Schüller findet: "Das war so vor dem Wochenende nicht abzusehen. Die Empfehlungen des Robert Koch Instituts, Veranstaltungen abzusagen, beziehen sich ja auf Veranstaltungen mit überregionalem Einzugsgebiet. Das trifft ja auch jetzt gerade noch nicht auf uns zu."

Jetzt müsse man eben abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Und so lange das Beste geben, um alles zu regeln.

Leonard Schubert
Leonard Schubert Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Leonard Schubert arbeitet seit Februar 2020 in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Interessensschwerpunkte sind Politik, Umwelt und Gesellschaft. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er beim Charles Coleman Verlag, für das Outdoormagazin Walden und beim ZDF.

Nebenher arbeitet er an seinem Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung. Über den Umweg Leipzig kam der gebürtige Kölner 2016 nach Magdeburg, wo er besonders gern im Stadtpark unterwegs ist. In seiner Freizeit steht er mit großer Leidenschaft auf den Poetryslambühnen Sachsen-Anhalts oder sitzt mit einem Eisbärbier am Lagerfeuer, irgendwo in Skandinavien.

Quelle: MDR/ls

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. März 2020 | 08:12 Uhr

3 Kommentare

Denkschnecke vor 16 Wochen

Die beiden erste Kommentare stecken das Spektrum der Volksmeinung sehr präzise ab:
Die Politik reagiert viel zu spät.
Die Politik verbreitet Panik.
Grund genug, dass ich gerade nicht Bundesgesundheitsminister oder überhaupt in politischer Verantwortung sein möchte.

jackblack vor 16 Wochen

Ihr werdet schon sehen, wie auf Grund dieser Panikmache die Wirtschaft und das öffentliche Leben ZUSAMMENBRICHT. Ich freu mich schon auf den Stitstorm.

Steffen 1978 vor 16 Wochen

Diese Maßnahmen kommen viel zu spät man siehe Italien wie immer reagiert unsere Politik viel zu spät da wirtschaftliche Interessen wichtiger sind als Menschenleben jetzt lässt sich der Virus nicht mehr eindämmen und die Verantwortung wird schön auf jeden Mitbürger abgewälzt

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