Hände mit einem Messer halten Blüten 2 min
Auch wenn die Erdbeerernte erst in den Sommermonaten ansteht, aktuell ist sie wegen der frostigen Temperaturen in Sachsen-Anhalt in Gefahr. Bildrechte: MDR
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Bei Temperaturen deutlich unter Null sind viele Kulturen erfroren, weil die Natur schon erstaunlich weit war. Was wir im Garten leichter verkraften, ist für die Bauern und Winzer ein ernstes wirtschaftliches Problem.

MDR FERNSEHEN Do 25.04.2024 14:00Uhr 01:36 min

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Obst- und Weinernte Frostschäden: Teilweise Totalausfall bei den Winzern, Obstbauern bangen weiter

26. April 2024, 18:22 Uhr

Nach den Frostnächten der vergangenen Tage hat die Winzervereinigung Freyburg eine erste Schadens-Bilanz gezogen. Teilweise ist von einem Totalausfall die Rede. Bei den Obstbauern sind die Frostschäden ebenfalls groß. Sie schauen mit Sorge auf die kommende Ernte. Wie hoch der Ausfall und damit der Schaden tatsächlich ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Einige Winzer können auf Entschädigungen hoffen.

Nach den Frostnächten der vergangenen Tage hat die Winzervereinigung Freyburg eine erste Schadens-Bilanz gezogen. Je nach Rebsorte seien 80 bis 100 Prozent der Flächen von Schäden betroffen. Geschäftsführer Hans Albrecht Zieger sagte, die Haupt-Augen der jungen Triebe seien durch den Frost zerstört. Sie werden in den kommenden Tagen eintrocknen und abfallen.

Danach treiben die sogenannten Beiaugen aus – eine Art Reserve-knospe mit jedoch deutlich weniger Ertrag. Der Chef der Winzervereinigung erwartet einen Ertrags-Verlust von mindestens 50 Prozent. Vom Schadens-Umfang sei es einer der stärksten Spät-Frostschäden, die er in den vergangenen 20 Jahren erlebt habe.

Winzer: zahlreiche Weintriebe erfroren

Große Sorgen um die Ernte macht sich auch der Weinbauverband Saale-Unstrut in Freyburg (Burgenlandkreis). Geschäftsführerin Anja Polomski sagte MDR SACHSEN-ANHALT, zahlreiche Triebe an den Reben seien erfroren. Das Problem: Wegen des warmen Aprilwetters waren sie zwei Wochen früher als sonst ausgetrieben. Man müsse sich definitiv auf einen Ertrags-Einbruch einstellen, so Polomski. Genau könne man diesen noch nicht beziffern. Eine erste Umfrage unter Winzern und Guts-Betreibern habe ergeben, dass es großflächige Schäden gebe. Auch die eigens zum Frostschutz entfachten Feuer hätten kaum Wirkung gehabt.

In den sozialen Medien berichten namhafte Weingüter wie Pawis oder Beyer sowie viele nebenberufliche Winzer entlang der Unstrut von deutlichen Verlusten. Winzer im Saale-Tal verzeichnen teils Totalausfälle. Auch Winzer bei Höhnstedt an den Mansfelder Seen sind betroffen. Üblicherweise bleiben die Reben nach Frösten wie diesem zwar am Leben, aber die betroffenen Stöcke werden dieses Jahr kaum Ertrag bringen. Derzeit erfragt der Weinbauverband unter der Winzerschaft das Ausmaß der Schäden.

Einige Winzer könnten nach Angaben von Wirtschaftsminister Sven Schulze durch vom Land unterstützte Versicherungen bei den Frostschäden entschädigt werden. Der CDU-Politiker sagte MDR SACHSEN-ANHALT, im Weinbereich unterstütze das Land die Winzer seit 2021, wenn sie eine Versicherung gegen solche Vorfälle abschließen. Demnach bietet das Land an, die Hälfte der Versicherungssumme zu übernehmen. Dieses Angebot hätten einige Unternehmen in Sachsen-Anhalt in einer Größenordnung bis 200 Hektar in Anspruch genommen.

Obstanbau ebenfalls von Frostschäden betroffen

Die frostigen Nachttemperaturen der vergangenen Tage haben in Sachsen-Anhalt auch Schäden beim Obstanbau angerichtet. Vor allem Erdbeeren sind bei Temperaturen bis zu minus 5 Grad Celsius erfroren. Ingo Hindorf vom Spargel- und Erdbeerhof Langeneichstädt am Geiseltalsee (Stadt Mücheln, Saalekreis) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, in der Nacht zum Mittwoch seien Teile der Erdbeer-Ernte unwiederbringlich zerstört worden. Der Frost sei sogar durch ein eigens zum Schutz aufgespanntes Vlies gekrochen. Auch dem Spargel setzten die Temperaturen zu. Den Pflanzen sei Kraft entzogen worden. Dadurch werde das  Wachstum verzögert. Der Schaden hier sei aber "keine große Sache", so Hindorf.

Frost-Schäden an Birnenbaum: links ein Baum mit wenig Schäden

 Ein Birnbaum mit vielen Blättern
Bildrechte: Sabine Hornemann
 Ein Birnbaum mit vielen Blättern
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Ein Birnbaum mit wenig Blättern
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Sabine Hornemann vom Obsthof Hornemann in Sülzetal zieht ebenfalls ein gemischtes Fazit. Vor allem Bäume mit wenig Laub und in Senken seien erfroren. Äpfel und Birnen konnten nicht geschützt werden. Diese seien vom Frost in ihrer empfindlichsten Phase getroffen worden. Aber es gebe auch Bäume mit guten, nicht erfrorenen Früchten. Eine richtige Auswertung sei erst in vier Wochen möglich, wenn es darum geht, welche Blüten überhaupt angesetzt haben.

Erfrorene Obstblüte (rechts) am Obsthof Sülzetal

Eine Obstblüte, die den Nachtfrost im April überlebt hat
Bildrechte: Sabine Hornemann
Eine Obstblüte, die den Nachtfrost im April überlebt hat
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Eine erfrorene Obstblüte
Bildrechte: Sabine Hornemann
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Gefahr durch Frost für heimisches Obst wie Aprikosen, Äpfel und Kirschen

Von den niedrigen Temperaturen im Land sind auch Obstbauern wie Matthias Sommer von der Agrargenossenschaft Helmsdorf betroffen. Sommer sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sei die Temperatur für längere Zeit unter minus 2 Grad Celsius gefallen, könnten große Ernteausfälle vor allem bei Apfel-, Aprikosen- und Kirschbäumen die Folge sein.

Zwar könnten Landwirte ihre Pflanzen mit Gasbrennern oder verschiedenen Lampen wärmen. Sommer verweist allerdings darauf, dass fossile Brennstoffe immer teuer werden würden.

Obstbauern vor ungewisser Saison

Diese Problematik kennt auch Alexander Müller vom Obsthof Müller in Querfurt. Er wärmt einen Teil seiner Pflanzen mit Planen und Gas-Heizanlagen, wie er im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT berichtet. Für alle Pflanzen würde es allerdings nicht reichen: "Alles können wir nicht schützen, dafür haben wir die Möglichkeiten nicht und deswegen haben wir gesagt, wir nutzen alles, was wir können und bearbeiten hier bei uns von unseren 15 Hektar ungefähr acht bis zehn Hektar, in der Hoffnung, dass wir das halten."

Beim Rest hoffe er, dass die Bäume ausreichend Blüten haben, die die kalten Temperaturen überstehen und dann für eine "ordentliche Ernte reichen". "Aber ob das alles funktioniert, werden wir in vier Wochen wissen. Dann sind wir etwas schlauer als heute."

Wetteraussicht fürs Wochenende

Es bleibt bei Aprilwetter in Sachsen-Anhalt. Grund ist derzeit ein Tiefdruckgebiet. Der Donnerstag wird regnerisch, am Wochenende scheint die Sonne und die Temperaturen steigen. In der Nacht zum Freitag fallen anfangs noch Schauer, später bleibt es trocken. Es kühlt ab auf 3 bis 0 Grad, im Oberharz bis minus 2 Grad, und es friert in Bodennähe. Am Freitag wird es wärmer als an den Vortagen mit 12 bis 15 Grad, im Harz 7 bis 11 Grad. Trocken und bewölkt geht es in der Nacht zum Samstag bei 5 bis örtlich 0 Grad weiter. Am Wochenende zeigt der April sein frühlingshaftes Gesicht: Die Sonne scheint fast überall bei 18 bis 22 Grad, im Harz 15 bis 19 Grad.

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MDR (Marc Weyrich, Frank Nowak, Karin Roxer, Linus-Benedikt Zosel, Anne Gehn-Zeller, Fabian Brenner, Guido Hensch, Susanne Ahrens) | Erstmals veröffentlicht am 23.04.2024

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. April 2024 | 07:30 Uhr

10 Kommentare

zenkimaus vor 3 Wochen

Ja den Satz,das ist halt die Natur, hätte ich noch dazu schreiben sollen.
Wie war doch gleich der Spruch. April April der weiß nicht was er will. Einmal Regen, einmal Sonnenschein und dann schneit es wieder zwischendrein.

Fakt vor 4 Wochen

@W. Merseburger:

Und wieder einmal der Hinweis, dass man Klima und Wetter nicht in einen Topf werfen sollte. Es sind zwei unterschiedliche Phänomene.

W.Merseburger vor 4 Wochen

Das Frohlocken über die "böse" und ständige Klimaerwärmung ist in diesen Tagen mit der Realtät konfrontiert worden. Eine aussergewöhnlich starke und anhaltende Kaltwetterlage hat für die Obst- und Weinbauern riesige Schäden verursacht. Solche Wetterlagen sind Gott sei Dank eher die Ausnahme und nicht die Regel, aber sie kommen immer wieder vor.

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