Entscheidung ist gefallen Kulturhauptstadt Europas 2025: Magdeburg verliert gegen Chemnitz

Magdeburg hat das Rennen um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025" nicht gemacht. Die Stadt hat gegen Chemnitz verloren. Wegen Corona war die Entscheidung nicht vor Ort in Berlin, sondern per Livestream verkündet worden. Das Team der Kulturhauptstadt-Bewerbung hatte zum Public Viewing in die Festung Mark eingeladen.

Ein Bildschirm zeigt den Schriftzug Magdeburg gratuliert Chemnitz!
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Magdeburg wird nicht "Europäische Kulturhauptstadt 2025". Das hat die internationale Jury am Mittwoch bekannt gegeben. Der Titel ging an Chemnitz. Außerdem im Rennen waren auch Hildesheim, Hannover und Nürnberg.

Blick über Magdeburg vom Riesenrad im Stadtpark Rotehorn über die Elbe auf Magdeburg mit dem Dom und der backsteinernen Stadthalle im Bauhaus-Stil. 7 min
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Große Trübsal und Stille herrschte in Magdeburg nach der Entscheidungsverkündung, wer Kulturhauptstadt 2025 wird. Doch nun will die Stadt nach vorn blicken. MDR-Landeskorrespondentin Sandra Meyer im Gespräch

MDR KULTUR - Das Radio Mi 28.10.2020 14:00Uhr 06:39 min

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Viele der Projekte werden trotzdem umgesetzt

Magdeburgs Oberbürgermeister machte den Bürgern dennoch Mut, viele der Ideen und geplanten Projekte sollen trotzdem umgesetzt werden. Dazu gehörten die Sanierung der Hyparschale, der Stadthalle und des Technikmuseums. Es sei von vorn herein bei der Planung um Nachhaltigkeit gegangen, sagte Trümper. Magdeburg solle dazu zu einer europäischeren Stadt werden.

Lutz Trümper spricht in ein Mikrofon auf einer Bühne
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Wir haben nicht gewonnen, darum sind wir heute erstmal enttäuscht, aber diese Enttäuschung hält bei mir nur bis heute Abend. Morgen früh geht das Leben weiter.

Lutz Trümper, Magdeburgs Oberbürgermeister

Trotz der Enttäuschung gingen Glückwünsche nach Chemnitz per Twitter: "Wir gratulieren Chemnitz ganz herzlich und wünschen der Stadt alles Gute!"

Sachsen-Anhalts Staats- und Kulturminister Rainer Robra (CDU) erklärte in einer Pressemitteilung, er gratuliere Chemnitz zum Titel. Aber auch Magdeburg habe sich hervorragend präsentiert. In der Landeshauptstadt seien in den vergangenen Jahren "mit großem Elan Pläne geschmiedet" und Konzepte für die Zukunft der Stadt entwickelt worden. Die seien auch ohne den Titel Kulturhauptstadt erstrebenswert.

Kulturhauptstadt-Titel geht an Chemnitz Menschen in Magdeburg: "Wünsche mir, dass die Leute weiter an ihre Stadt glauben"

Eine Frau blickt bei einer Umfrage in die Kamera.
Ursula Schmidt
"Ich bin schon ganz schön enttäuscht. Wir waren ganz schön optimistisch, dass wir es werden können. Das war ein gutes Konzept das da über Jahre aufgestellt worden ist. Ich hoffe, dass das nicht alles vepufft, sondern irgendwie weiterlebt. Und ich wünsche mir, dass wir trotz Corona ein bisschen Kultur weiter erleben können. Mal sehen, was jetzt alles passiert."
Bildrechte: MDR/Janine Wohlfahrt
Eine Frau blickt bei einer Umfrage in die Kamera.
Ursula Schmidt
"Ich bin schon ganz schön enttäuscht. Wir waren ganz schön optimistisch, dass wir es werden können. Das war ein gutes Konzept das da über Jahre aufgestellt worden ist. Ich hoffe, dass das nicht alles vepufft, sondern irgendwie weiterlebt. Und ich wünsche mir, dass wir trotz Corona ein bisschen Kultur weiter erleben können. Mal sehen, was jetzt alles passiert."
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Eine junge Frau steht auf einem Platz und schaut in die Kamera.
Katharina Otto
"Magdeburg braucht etwas mehr Stolz auf die Stadt. Dass die Bürgerinnen und Bürger stolz sind auf das was, hier umgesetzt wird."
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Eine Frau blickt lächelnd in die Kamera.
Sophie Leschik
"Ich habe ganz fest daran geglaubt, dass Magdeburg das wird. Das Kulturbüro hatte so eine tolle Arbeit geleistet. Ich bin ganz schwer enttäuscht. Ich wünsche mir, dass doch etliche Projekte umgesetzt werden. Dass Kultur noch stärker verankert wird in der Stadt. Dass das Ziel, dass die Magdeburger mehr zusammen leben und freundlicher werden, erreicht wird."
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Ein Mann blickt bei einer Umfrage in die Kamera.
Marcel Böge
"Ich freue mich, dass der Titel in Ostdeutschland geblieben ist. Trotzdem ist es schade, dass es nicht Magdeburg geworden ist. Allerdings sind viele tolle Ideen hier auch nicht umgesetzt worden, weil es keine Kapazitäten gab. Trotzdem hat Magdeburg kreative Ideen und tolle Leute, die durch die Bewerbung aktiv geworden sind. Mit ihnen kann man in Zukunft viel erreichen, mit oder ohne Titel."
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Eine junge Frau mit Mund-Nasen-Schutz schaut bei einer Umfrage in die Kamera.
Anna Lena Schiemann
"Ich bin enttäuscht. Ich bin 2025 nicht mehr hier. Ich hoffe, dass es für alle anderen Projekte gibt, die umgesetzt werden und dass der Spirit erhalten bleibt. Ich wünsche mir, dass die Leute weiter an die Stadt glauben."
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Eine Frau mit Mund-Nasen-Schutz blickt bei einer Umfrage in die Kamera.
Irene Mihlan
"Man ist natürlich sehr enttäuscht und auch traurig. Ich hatte das aber schon befürchtet. Chemnitz war ein sehr starker Konkurrent. Aber das Leben geht weiter. Und wenn es so ist, wie der Oberbürgermeister sagt, dass wir viele Projekte trotzdem umsetzen, wäre das gut. Ich fänd es gut, wenn Stadt und Region zusammenwachsen, wenn man mehrere Projekte gemeinsam umsetzt."
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Ein Mann blickt bei einer Umfrage in die Kamera.
Lukas
"Ich freu' mich für Chemnitz", sagt Lukas, der seit zwei Jahren in Magdeburg wohnt. Magdeburg habe es seiner Meinung auch verdient. Es gebe viele kleine Dinge, die hier gewachsen sind und immer weiter wachsen. Der Titel hätte noch mehr Türen geöffnet, zum Beispiel für Projekte wie das "Schauwerk", wo er arbeitet.
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Eine Frau blickt bei einer Umfrage in die Kamera.
Katharina Berger
"Ich bin schon wirklich enttäuscht. Ich war super aufgeregt. Es wäre schade, wenn jetzt die ganze Motivation verloren ginge und alles abflacht. Wir haben echt etwas erreicht in den vergangenen Wochen und Monaten und es wäre toll, wenn es so weitergehen würde.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28.10.2020 | 13:30 Uhr

Quelle: MDR/ld
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Magdeburg hatte sich in der ersten Runde mit dem Motto "Out of the void" beworben – zu deutsch: Raus aus der Leere. Nachdem die Stadt im Vorentscheid erfolgreich war, entwickelte sie das Bewerbungskonzept unter dem Motto "Force of Attraction" – Anziehungskraft – weiter. Die Stadt gestaltete das Programm unter anderem internationaler.

Public Viewing zur Entscheidung

Menschen auf dem Hof der festung Marc.
Die Entscheidung wurde in der Magdeburger Festung Mark verfolgt. Bildrechte: MDR/Julia Heundorf

Wegen Corona konnte das Team des Bewerbungsbüros zur Entscheidung nicht nach Berlin fahren. Das Ergebnis wurde per Livestream verkündet. Dafür hatten die Verantwortlichen zum Public Viewing in die Festung Mark eingeladen. Seit dem Vormittag läuft dort ein ganztägiges Kulturprogramm, unter anderem mit Vereinen und Einrichtungen, die die Bewerbung unterstützt und mitgestaltet hatten.

Fast 10 Jahre in Planung

Im August 2010 hatte die Linkspartei die Bewerbung vorgeschlagen. Im Januar 2011 gab der Stadtrat grünes Licht. Dann kamen Vorbereitungen für die Bewerbung ins rollen, Geld wurde freigegeben, ein Organisationsbüro eingerichtet. 2016 teilte Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) mit, dass auch Halle den Ring in den Hut werfen wolle. Die Bewerbung wurde allerdings knapp ein Jahr später vom Stadtrat abgelehnt.

Im September 2018 begann die offizielle Bewerbungsphase. Im September 2019 gab Magdeburg das erste Bewerbungsbuch ab. Im Dezember schaffte es die Stadt gemeinsam mit vier Konkurenten in die engere Auswahl. Wegen der Corona-Pandemie änderte sich 2020 der ursprüngliche Zeitplan für das Bewerbungsverfahren. Außerdem mussten der Besuch der Jury, die finale Bewerbungspräsentation und die Entscheidung digital mit Livestreams zwischen den Städten stattfinden.

Quelle: MDR/jh,kl,ld,pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 26. Oktober 2020 | 08:30 Uhr

20 Kommentare

boellberger vor 4 Wochen

Ich bin beruflich oft in MD.
Keine Ahnung, wie sie zu dieser Ansicht kommen, aber was in Magdeburg seit Jahren entsteht und wie die Stadt sich entwickelt, sieht doch jeder.
Und warum sind denn so viele Baustellen? Weil investiert wird. Manchmal frage ich mich wirklich, was für Leute hier schreiben.
Du gehst bestimmt auch in Leipzig einkaufen, aber wenn man in Magdeburg die City dichter bebauten will, dann wird gemeckert LOL

Machdeburjer vor 4 Wochen

Dann auf Wiedersehen. Magdeburg hat genug Parks und Grünflächen zu bieten. Dass eine Innenstadt bebaut werden muss um urbaner zu werden, sollte auch ihnen einleuchten.
Kenne keinen Magdeburg der sowas schreiben würde mit keine Lust mehr hier zu bleiben. Schöner Fake

AufmerksamerBeobachter vor 4 Wochen

Man sollte es pragmatisch sehen. In der DDR waren Beide Bezirksstädte, Karl-Marx-Stadt mit Honnies Wahlkreis vlt. sogar eine etwas größere Nummer als MD. Nach der Wende ist in C administrativ das Meiste weggebrochen, einhergehend mit einem enormen Bedeutungsverlust. Selbst Biedenkopf hatte die Stadt eigentlich ignoriert, zeigte sich aber beim Besuch seines Elternhauses positiv überrascht.

MD ist Landeshauptstadt und wird es noch lange bleiben und hat allein dadurch enorme Möglichkeiten, C ist nun 2025 ein Jahr Kulturhauptstadt und muss erstmal was draus machen.

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