23.08.2019 | 14:32 Uhr Oberlausitz braucht Grundschullehrer: "Die Lage ist prekär"

In Löbau gibt es eine neue Ausbildungsstätte für Grundschullehrer. Für 25 Referendare hat dort am Donnerstag die Ausbildung begonnen. Sie werden dringend in der Region gebraucht. Denn gerade Grundschullehrer sind in der Oberlausitz Mangelware. Jens Drummer vom Landesamt für Schule und Bildung in Bautzen spricht mit MDR SACHSEN über die Situation.

Jens Drummer
Jens Drummer, Sprecher vom Landesamt für Schule und Bildung in Bautzen Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Herr Drummer, wie sieht die Personalsituation an den Grundschulen in der Oberlausitz aus?

Jens Drummer: Es ist prekär. Die Lage ist nicht schön. Ich kann allerdings sagen, und das ist das Positive: Wir haben vor jeder Klasse einen Lehrer stehen. Jede Klasse hat einen Klassenlehrer. Wir können allerdings nicht garantieren, dass der Unterricht durchgängig durchgeführt wird.

Wie viele Grundschullehrer fehlen denn noch in der Oberlausitz?

Wir haben 95 Einstellungen geplant. Davon haben wir 34 besetzen können. Wenn wir das ausrechnen, sind wir bei 61 Grundschullehrern, die uns da noch fehlen.

Wie sichern Sie da den Unterricht ab?

Da haben wir einen Masterplan. Die Kollegen am Landesamt für Schule und Bildung mit den Lehrkräften und den Schulleitern haben es zusammen geschafft, einen Großteil der Stunden für die Kinder abzudecken - durch Abordnungen, durch Mehrarbeit, durch Kollegen, die aus dem aktiven Schuldienst ausgeschieden sind und sagen, ich mach doch noch mal ein paar Stunden in der Schule.

Aber manche Stunde muss wegfallen...

Das müssen wir leider so sagen. Es wird einen planmäßigen Ausfall geben. Ich möchte das aber relativieren: Die Lehrpläne sind alle auf 27 Unterrichtswochen angelegt. Wir haben aber im Kalender 36 Unterrichtswochen, in diesem Jahr sind es sogar 37. Das heißt, wir haben im Lehrplan einen Puffer. Es ist nicht schön, wenn dieser Puffer wegfällt. Weil, darin haben die Lehrer immer die Möglichkeit, sich mit Projektarbeit und zusätzlichen Dingen mit den Schülern zu beschäftigen und mit den Kindern etwas Interessantes zu machen.

Wo ist die Situation besonders schwierig?

Je näher wir nach Dresden herankommen, um so besser wird die Lage. Also Schulen, die am Randgebiet von Dresden sind, dort haben wir weniger Probleme. Schulen, die in Görlitz, Zittau, Löbau sind, dort haben wir große Probleme, die Jugendlichen, die ihre Ausbildung als Lehrer beendet haben, dort hinzubekommen. Die haben die ganze Zeit in Dresden und Leipzig gelernt und finden die Großstadt toll und meinen, das kann ich jetzt alles so beibehalten.

Deswegen gibt es ja jetzt seit August eine neue Ausbildungsstätte für Referendare in Löbau. 25 angehende Grundschullehrer haben dort am Donnerstag ihre Ausbildung begonnen ...

Ja. Unsere Hoffnung ist, dass die Referendare, die in Löbau ausgebildet werden, dann hier in der Gegend ja auch verwurzelt sind. Dass sie sagen: Okay, es geht auch in dieser Region, wir haben die Schule in der Ausbildung gehabt und finden, dass die Region toll ist.

Wann treten diese Referendare in den Lehrerdienst?

Das Referendariat dauert anderthalb Jahre. Und dann hoffen wir, dass der Klebeeffekt funktioniert und diese 25 Referandare uns für die Region zur Verfügung stehen.

Wie sieht es bei den anderen Schularten mit den Lehrerstellen aus?

Je höher wir kommen, umso besser. Die Gymnasien sind noch fast am besten ausgestattet, dort haben wir weniger Probleme. Dagegen haben alle Förderschulen deutschlandweit Probleme, weil es keine Sonderpädagogen gibt.

Nun gibt es immer mal wieder Fälle, wo Lehrer in die Region kommen wollen und sie kriegen hier keine Stelle. Wie kann das sein?

Es sind verschiedene Aspekte. Teilweise sind es auch falsche Informationen, die von Schulleitern gegeben werden. Da wird gesagt, ich habe hier jemanden, der geht, die Stelle ist frei. Und die Lehrer schießen sich genau auf diese Stelle ein. Aber wir als Amt kennen Altersabgänge schon zwei, drei Jahre in Vorfeld und da wird natürlich schon gesteuert. Und Lehrkräfte, die schon im System verortet sind, haben natürlich Vorrang gegenüber Neueingestellten. Also Lehrer, die bereits vor einigen Jahren einen Versetzungsantrag gestellt haben, weil sie an einem Ort arbeiten, wo sie eigentlich gar nicht hinwollten, die haben Vorrang. Und ich denke, das wird auch jeder verstehen.

Wie wollen Sie Bewerber in die Oberlausitz locken?

Mit weichen Faktoren: der Schönheit der Landschaft, mit dem Schüler- und Menschenklientel. Und wir haben noch einen kleinen harten Faktor, den wir den Referendaren anbieten können: Wenn sich ein Referendar entscheidet, in den ländlichen Bereich zu kommen, hat er die Möglichkeit, 1.050 Euro im Monat zusätzlich zu bekommen. Das heißt, wir haben die bestbezahlten Referendare. Die einzige Verpflichtung ist, dass sie dann auch später im ländlichen Bereich arbeiten werden.

Wird sich da im laufenden Schuljahr noch etwas ändern, indem Lehrer dazukommen?

Das Einstellungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben noch 80 Bewerber, denen wir ein Angebot gemacht haben. Und wir hoffen, dass sich der eine oder andere Bewerber diesen Schritt überlegt und sagt, ich unterschreibe das Angebot. Wir habe auch Lehrer, die sich schon beworben haben, wo wir wissen, sie werden kommen. Dort hängt es teilweise noch an Kündigungsfristen. Es wird sich also noch ein bisschen verbessern. Aber es sieht trotzdem für das Schuljahr schwer aus.

Einstellungen in der Oberlausitz zum Schuljahresbeginn
Schulart benötigte neue Lehrer realisierte Einstellungen
Grundschule 95 34
Oberschule 52 22
Gymnasium 10 11
Berufsbildende Schule 14 11
Förderschule 14 9

Das Interview führte Viola Simank.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.08.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 14:32 Uhr

1 Kommentar

Lehrernachwuchs vor 3 Wochen

Hallo,
Immer wieder liest und hört man in den Medien das unglaubliche viele Grundschullehrer fehlen! Deswegen und weil ich gerne wieder in die Heimat zurück möchte habe ich mich im April diesen Jahres als Quereinsteiger beworben!
Bis HEUTE habe ich keine Ablehnung noch Zusagen bekommen! Ich habe eine Wirtschaftsausbildung und ein Diplom! Im Telefonat mit den zuständigen Amt habe ich mehrfach mein Interesse am Umzug in die Oberlausitz geäußert!!Nicht desto trotz bekomme ich nicht mal eine Antwort! Sind wir doch mal ehrlich... so schlimm kann die Lage ja nicht sein!

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