Mehrere Menschen, einer davon mit einer Eselsmaske, tanzen auf einer Bühne
Bildrechte: Ida Zenna

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.05.2018 | 20-23 Uhr Aufgefallen - das Kulturmagazin

"Aufgefallen" beschäftigt sich am Montagabend mit der neuen Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden "Rassismus. Die Erfindung von Menschenrassen" und hat sich "Ein Sommernachtstraum" in der Zwickauer Lukaskirche angesehen.

Mehrere Menschen, einer davon mit einer Eselsmaske, tanzen auf einer Bühne
Bildrechte: Ida Zenna

Gesehen: Rassismus - Die Erfindung von Menschenrassen im Hygienemuseum

Erst letzte Woche haben beim Filmfestival von Cannes 16 dunkelhäutige Schaupielerinnen ein Zeichen gegen Rassismus in der Filmbranche gesetzt. Auf dem roten Teppich an der Croisette posierten die Französinnen gemeinsam und streckten demonstrativ ihre Fäuste in die Höhe. Sie wollten auf die Unterrepräsentation von Dunkelhäutigen im französischen Film aufmerksam machen.

Abgrenzung, Ablehnung, Ausbeutung: Die Idee von "Menschenrassen" entstand lange vor der NS-Zeit. An die Anfänge des Übels erinnert nun eine Ausstellung in Dresden. Unter dem Titel "Rassismus. Die Erfindung von Menschenrassen" zeigt das Deutsche Hygiene-Museum Dresden seit dem 19. Mai diese Ausstellung. Gefragt wird nach dem Zusammenhang zwischen Rassismus und dem Begriff der "Rasse". Es geht dabei jedoch weniger um die Geschichte des gefährlichen Begriffs, sondern mehr um die Struktur und Wirkung dieser langlebigen Idee. Die Ausstellung nimmt vor allem den Alltagsrassismus in den Blick und schlägt einen zeitlichen Bogen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie analysiert die Methoden, mit denen dieses Denken entwickelt wurde. Die Ausstellung präsentiert Bilder und Medien, die zur Verbreitung beitrugen. Auch über die eigene Geschichte will sich das Museum dem Thema annähern:  Das Hygiene-Museum war zwischen 1933 und 1945 eine Institution, in der "rassenhygienische" NS-Propaganda wissenschaftlich ausgearbeitet und verbreitet wurde. Zudem kommen in der Ausstellung Personen und Bewegungen zu Wort, die sich kritisch mit rassistischen Ideologien auseinandersetzen.

Die Erfindung von Menschenrassen - Einblicke Wie unterschiedlich sind wir?

Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zielt mit seiner Rassismus-Ausstellung auf einen Wechsel unserer Perspektive. Rund 400 Exponate werden auf 800 Quadratmetern präsentiert. Auch Kunstwerke sorgen dafür.

Ausstellung Die Erfindung von Menschenrassen
Ein Blick in die Ausstellung zeigt die Vielzahl der Exponate. Bildrechte: Oliver Killig
Ausstellung Die Erfindung von Menschenrassen
Ein Blick in die Ausstellung zeigt die Vielzahl der Exponate. Bildrechte: Oliver Killig
Chris Buck - Let‘s talk about race, Fotografie, 2017
Chris Buck - Let's talk about race, Fotografie, 2017 Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden zielt mit seiner Rassismus-Ausstellung auf einen Wechsel unserer Perspektive. Auch Kunstwerke sorgen dafür. Rund 400 Exponate werden auf 800 Quadratmetern präsentiert. Bildrechte: Deutsches Hygiene-Museum Dresden /© Chris Buck
Tasha Dougé: This Land Is OUR Land, 2016
Tasha Dougé: This Land Is OUR Land, 2016 Die Künstlerin Tasha Dougé hat die Flagge der USA aus Materialien geknüpft, die auf die Rolle von Menschen afrikanischer Herkunft für die Geschichte des Landes symbolisieren: Die Sterne bestehen aus Baumwolle, dem wichtigsten US-amerikanischen Exportgut im 19. Jahrhundert, für dessen Produktion fast ausschließlich Schwarze ausgebeutet wurden. Der Antrieb für Dougés Arbeit war Donald Trumps Wahlkampfslogan "Make America Great Again". Der Titel des Werkes spielt auf den Song "This Land is Your Land" (1940) von Woody Guthrie an. Damit prangerte die Friedensbewegung der 1960er-Jahre die Rassentrennung an; es wurde zu einer alternativen Nationalhymne der USA. Bildrechte: Anthony Lewis
Werbung der Commission for Racial Equality zum Thema: Rassenunterschiede (ethnische Unterschiede), nationale Minderheiten, April 1996
Wie unterschiedlich sind wir? Werbung der Commission for Racial Equality zum Thema: Rassenunterschiede (ethnische Unterschiede), nationale Minderheiten, April 1996 - Kreiert von der Agentur Saatchi & Saatchi London Bildrechte: Deutsches Hygiene-Museum Dresden /© Equality and Human Rights Commission (EHRC)/Foto: Ben Nott
Hautfarbentafel nach Prof. Dr. Felix von Luschan, um 1900
Hautfarbentafel nach Prof. Dr. Felix von Luschan, um 1900 Das Exponat stammt aus dem Universitätsarchiv Jena. Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden / Universitätsarchiv Jena / Foto: Jan-Peter Kasper/FSU
Karte des britischen Weltreichs, 1886
Eine Karte des britischen Weltreichs, 1886 zeigt die Aufteilung der Welt in Kolonien, flankierend half die Einteilung der Menschen in höhere und niedere Rassen, um ihre Unterwerfung auch ideologisch begründen zu können. Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden
Nilpferdpeitsche, Fussfessel und Sklavenzügel aus Westafrika, vor 1888
Nilpferdpeitsche, Fußfessel und "Sklavenzügel" aus Westafrika, vor 1888 Die brutalen Alltagswerkzeuge der Versklavung gehörten der protestantischen Basler Mission, die 1862 an der Goldküste eine "Scalevenemanzipationskommission" einsetzte und Versklavung unter Strafe stellte. Einige Missionare kritisierten dieses Engagement als wirtschaftlich fatal und die Missionsarbeit behindernd. Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden / © Museum der Kulturen Basel, Foto: Derek Li Wan Po
Koffer eines Geisterjägers  (1926-1940)
Koffer eines Geisterjägers (1926-1940) Zu sehen sind Messinstrumente, Totenmasken, Talkpuder, Fotografien, Statistiken und Protokolle - sie stehen für den Versuch, Geistererscheinungen zu belegen und mit den Seelen Verstorbener Kontakt aufzunehmen. Die 1882 gegründete Londoner Society for Psychical Research erforschte solche parapsychologischen Phänomene. Ende des 19. Jahrhunderts nutzte die neue Kriminal- und Rassenanthropologie das gleiche Werkzeug, um Körperdaten zu erheben und zu berechnen, die als wissenschaftlich und objektiv galten. Die Ergebnisse sollten Maßnahmen im Sinne einer rassistischen Gesellschaftslehre legitimieren. Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden / Foto: bpk / RMN - Grand Palais
Tafel aus der Wanderausstellung "Ewiges Volk", 1937-1939 - Werkstätten des Deutschen Hygiene-Museums
Tafel aus der Wanderausstellung "Ewiges Volk", 1937-1939 Die Tafel bedient sich des Bildes der vier "Großrassen". In die Reihe wurde das Judentum als Rasse aufgenommen und als eigenständige Kultur gezeigt. Die europäische Moderne mit Expressionismus und Bauhaus-Stil wird dabei als "jüdisch" von der "deutschen Kultur" abgetrennt. Während das mit Deutschland verbündete Japan als hochstehende asiatische Kultur gezeigt wird, soll "die" Kultur Afrikas als primitiv erscheinen. Bildrechte: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Blick in die Wanderausstellung 'Blut und Rasse', ca. 1936
Blick in die Wanderausstellung "Blut und Rasse", ca. 1936 Die Wanderausstellung "Blut und Rasse" wurde unter Leitung des rassepolitischen Amtes der NSDAP vom Deutschen Hygiene-Museum zusammengestellt und von 1935 bis 1938 in Turnhallen, Gemeindesälen oder Parteidienststellen - zumeist in ländlichen Gebieten - gezeigt. Bildrechte: Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Der Film 'Wegweiser zur Gesundheit' dokumentiert die Arbeit des Museums im Dienst nationalsozialistischer Gesundheitspolitik.
Die Propaganda zur "Rassehygiene" Der Film "Wegweiser zur Gesundheit" dokumentiert die Arbeit des Hygiene-Museums im Dienst nationalsozialistischer Gesundheitspolitik. Bildrechte: Deutsches Hygiene-Museum Dresden /Boehner-Film, Dresden, Regie: Kurt Otto Albert Engel (1901-1977), Videostill / © Agentur Karl Höffkes
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Gesehen: "In den Gängen"

v.l.: Christian (gespielt von Franz Rogowski) und Thomas Stuber (gespielt von Peter Kurth)
Bildrechte: MDR/Sommerhaus Filmproduktion

Clemens Meyer verarbeitet in seinen Roman immer wieder auch autobiographische Elemente. Für eine seiner Kurzgeschichten griff Meyer auf seine Arbeit als Gabelstaplerfahrer in einem Großmarkt zurück. Gemeinsam mit Regisseur Thomas Stuber hat er dazu das Drehbuch für den Film "In den Gängen" geschrieben. Auf der Berlinale im Februar feierte die in der Nähe von Leipzig spielende Liebesgeschichte Premiere. Der Film spielt fast ausschließlich in der von kaltem Neonlicht beleuchteten Welt des Großmarktes. In diesem Reich verguckt sich Christian, ein schweigsamer junger Mann mit übler Vergangenheit, in die blonde Marion aus der Süßwarenabteilung. Bei der Berlinale wurde der Film von Presse und Publikum gefeiert. Jetzt kommt "In den Gängen" in die Kinos im Land  - unser Filmkritiker sagt Ihnen, wie er ihn gesehen hat.

Bewertet: "Ein Sommernachtstraum" in Zwickau

Mehrere Menschen, einer davon mit einer Eselsmaske, tanzen auf einer Bühne
Bildrechte: Ida Zenna

Das Sommerwetter mit Temperaturen bis zu 30 Grad ist leider erst einmal vorbei. Aber das Theater Plauen–Zwickau hat vorgesorgt. Mit seiner am 18. Mai aufgeführten Ballett-Premiere von William Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" dürfen sich die Zuschauer auf flirrende Abendluft, die nicht milder werden will, freuen. Ballettdirektorin Annett Göhre lässt in der Lukaskirche Zwickau den verzauberten Elfenwald im Glanz der blauen Stunde, die langsam die Geheimnisse der Dunkelheit preisgeben möchte, entstehen. Die Sinnlichkeit des Ortes hat es in sich - alles dreht sich um Liebe und vielleicht auch Triebe. In der Magie einer Sommernacht ringen vier junge Menschen, Hermia, Lysander, Helena und Demetrius, um die Erfüllung ihrer Liebessehnsüchte. Vielleicht erliegen auch unsere Hörerkritiker, die sich diese Premieren für Sie angesehen haben, diesem Liebeszauber. Sie erfahren es in "Aufgefallen".

Weitere Themen:

  • Gesucht: Sächsische Wörter des Jahres
  • Geehrt: Neiße Filmfestival ging gestern mit Preisverleihung zu Ende 
  • Verreist: Russlandreise Staatskapelle Dresden vom 21. bis 28. Mai
  • Gelesen: "Die Tyrannei des Schmetterlings" von Frank Schätzing
  • Nachgefragt: Wie realistisch ist der Vorschlag von Ministerpräsident Kretschmer zur Theaterfinanzierung

Programmablauf unter Vorbehalt, Änderungen sind möglich.

     

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