Jutta Müller, frühere Eiskunstläuferin und Trainerin
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Eiskunstlauf Eiskunstlauf-Ikone Jutta Müller ist tot

03. November 2023, 17:27 Uhr

Das deutsche Eiskunstlaufen verliert die wohl größte Trainerin aller Zeiten. Jutta Müller ist nach MDR-Informationen am Donnerstagvormittag (02.11.2023) im Alter von 94 Jahren in einem Pflegeheim gestorben. Die Chemnitzerin formte in ihrer aktiven Zeit als Eiskunstlauftrainerin zahlreiche Weltmeister und Olympiasieger.

Die große Dame des Eissports hat sich mit 57 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften in die Geschichtsbücher geschrieben. Sie formte große Sportler und Sportlerinnen auf dem Eis, wie ihre Tochter Gaby Seyfert, Jan Hoffmann, Anett Pötzsch und Katarina Witt. "Mit ihr verliert die Eiskunstlauf-Welt eine der größten Trainerpersönlichkeiten", sagte Andreas Wagner, Präsident der Deutschen Eislauf-Union.

"Ihre Erfolge sprechen für sich"

Auch Anett Pötzsch äußerte sich tief betroffen vom Tod ihrer einstigen Trainerin. "Ich muss das erstmal verarbeiten. "Wir haben viele Jahre zusammengearbeitet, gemeinsame Ziele gehabt und verfolgt. Da wächst man schon sehr zusammen", sagte die erste deutsche Eiskunstlauf-Olympiasiegerin am Freitag im Interview mit Sport im Osten. "Sie hat ihr ganzes Leben dem Eissport gewidmet und dem Eissport untergeordnet. Die Erfolge, die sie erzielt hat, die sprechen ja für sich."

Anett Pötzsch-Rauschenbach 9 min
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Anett Pötzsch äußerte sich tief betroffen vom Tod ihrer einstigen Trainerin Jutta Müller. Im Interview mit Sport im Osten erinnert sich die erste deutsche Eiskunstlauf-Olympiasiegerin an die gemeinsame Zeit.

Fr 03.11.2023 15:58Uhr 09:27 min

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Anlässlich ihres 80. Geburtstages wurde Müller zur Ehrenbürgerin der Stadt Chemnitz ernannt. "Mit Jutta Müller verliert Chemnitz nicht nur eine Ehrenbürgerin. Sie war eine Institution im Chemnitzer Sport, den sie über viele Jahrzehnte geprägt hat wie wenige andere. Ihr Ruf ging weit über unsere Stadt hinaus", sagte Sven Schulze, Oberbürgermeister von Chemnitz. 

Erste Erfolge mit Tochter Gaby Seyfert

Ihre Karriere als Trainerin begann 1955 beim SC Karl-Marx-Stadt. Als aktive Läuferin war sie 1949 Paarlauf-Meisterin der DDR geworden. Aber hinter der Bande sollten die richtig großen Erfolge kommen. Zunächst mit ihrer Tochter Gaby Seyfert, die zwei Mal Weltmeisterin wurde. Es folgten in den 70er Jahren Anett Pötzsch und Jan Hoffmann. Pötzsch holte zwei WM-Titel, wurde bei den Spielen in Lake Placid mit gerade einmal 19 Jahren Olympiasiegerin. "Ich bin dankbar, sie an meiner Seite gehabt zu haben. Ohne sie hätte ich es wohl nicht so weit geschafft", sagte die gebürtige Chemnitzerin. Hoffmann stand ebenfalls bei Weltmeisterschaften zwei Mal ganz oben, in Lake Placid wurde es Silber.

Müller und Witt machen sich unsterblich

Mit Katarina Witt verband Müller aber eine ganz besondere Beziehung, nicht nur wegen der großen gemeinsamen Erfolge. Von 1982 bis 1988 war das "schönste Gesicht des Sozialismus" praktisch unschlagbar, gewann vier WM-Titel und Gold bei den Olympischen Spielen 1984 und 1988. Unvergessen, die Carmen auf dem Eis, die auch ihre große Rivalin Debbie Thomas aus den USA bei der Kür lief. Den letzten EM-Titel holte Müller mit Evelyn Großmann 1990 in Leningrad. Und auch als Witt 1994 bei den Spielen in Lillehammer noch einmal den Schritt auf das Eis wagte, wurde sie von Jutta Müller trainiert. Es gab einen respektablen achten Platz.

Jutta Müller und Tochter Gaby Seyfert 5 min
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Ihre Schützlinge Gaby Seyfert, Anett Pötzsch, Jan Hoffmann oder Kati Witt gehören zum Who-is-Who im Eiskunstlauf. Jutta Müllers Gabe: Sie wusste, wer das Zeug zum Olympiasieger hatte. (MAZ von 2008)

MDR FERNSEHEN So 14.12.2008 22:05Uhr 04:39 min

https://www.mdr.de/geschichte/stoebern/damals/video-eiskunstlauf-ddr-jutta-mueller-kati-witt-100.html

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Kati Witt sagte immer "Sie"

Dabei war Müller stets die gestrenge Trainerin und doch auch immer eine enge Bezugsperson. "Jeder fragt uns: 'Du sagst immer noch Sie?' Ja, das werde ich immer! Frau Müller ist für mich immer Frau Müller. Aus Respekt! Und trotzdem ist sie mir ganz nah", erinnerte sich Olympiasiegerin Katarina Witt anlässlich des 90. Geburtstages von Müller. "Sie hat Talent erkannt und war selbst getrieben, dass man dies nicht vergeudet", sagte Witt über ihre Trainerin. "Da war sicherlich ein großer Teil eigener Ehrgeiz bei ihr dabei. Aber eben so, dass sie sich verantwortlich fühlte, das Beste gemeinsam mit dem Sportler herauszuholen." Sie sei eine Trainerin aus Passion gewesen, die "eigentlich nur ans Eiskunstlaufen gedacht und nichts dem Zufall überlassen" habe. 

2022 - Umzug ins Pflegeheim

Im Sommer 2022 musste Müller ihre geliebte Heimatstadt Chemnitz aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Ihre Tochter Gaby Seyfert holte sie in ein Pflegeheim nach Bernau in ihre Nähe. Zuvor hatte sie in einem Elfgeschosser in einer 100 Quadratmeter großen Wohnung in der sächsischen Großstadt gelebt.

Jutta Müller 45 min
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red

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 02. November 2023 | 17:45 Uhr

17 Kommentare

Dresden Siggi vor 36 Wochen

Aufrichtige Anteilnahme auch von mir. Jutta Müller wird mir immer in bester Erinnerung bleiben. Eiskunstlaufen hatte zu ihrer aktiven Zeit einen ganz anderen Stellwert als heute. Sie hatte mit Inge Wischnewski ein starke Trainer Kollegin im eigenen Land. Ich erinnere mich an Olympia 1984 das Duell Katharina Witt gegen Rosalynn Sumners, oder 1988 Olympia Katharina Witt gegen die hoch gehandelte Debi Thomas.
Man könnte noch lange darüber reden.

MDR-Team vor 37 Wochen

Hallo Ulrich 88, leider war eine frühere Sendezeit nicht zu realisieren. Für derartige Sendungen müssen Rechte und Lizenzen geklärt werden, dies beansprucht in der Regel einige Stunden - daher der gewählte Sendeplatz.
Zusätzlich wird am kommenden Sonntag, 5.11., 20:15 Uhr „Die Eiskönigin aus Chemnitz – Ein Abend für Jutta Müller“ 90‘ gesendet. Des weiteren wird „Damals war’s“ am 12.11. um 20:15 Uhr gesendet.
Liebe Grüße

Barrackler vor 37 Wochen

Sicher hatte sie auch Binges "im Griff". Nicht zuletzt soll sie ja auch nicht unbeteiligt gewesen sein, dass man die Auer Fußballer heute als Veilchen kennt...
Zweifellos eine Ikone mit großer Aura.
Möge sie in Frieden Ruhen!