Fußball | Bundesligen Weg für Investor nach DFL-Entscheid frei - So haben RB Leipzig und Magdeburg abgestimmt

12. Dezember 2023, 07:45 Uhr

Im zweiten Anlauf hat der deutsche Profifußball den Weg für den Investoren-Einstieg freigemacht. Bei der Versammlung der 36 Vereine am Montag in Frankfurt/Main ist die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zustande gekommen - wenn auch knapp. Das Votum von RB Leipzig und dem 1. FC Magdeburg fiel unterschiedlich aus.

Die Vertreter der 36 Erst- und Zweitligisten haben den Weg für den geplanten Milliarden-Deal der Deutschen Fußball Liga mit einem Investor frei gemacht. Ein entsprechender Antrag hat nach Informationen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) am Montag (11.12.2023) auf der DFL-Mitgliederversammlung in einem Frankfurter Flughafen-Hotel mit 24 Ja-Stimmen gerade so die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit erhalten. Die Wahl wurde in geheimer Abstimmung abgehalten. Wie DFB-Geschäftsführer Marc Lenz auf einer Pressekonferenz mitteilte, hätten zehn Profiklubs gegen den Antrag gestimmt, zwei Vereine hätten sich enthalten.

Ostdeutsche Klubs: RB Leipzig dafür

Von den ostdeutschen Profiklubs hat sich nur Bundesligist RB Leipzig offen für den Investoren-Einstieg ausgesprochen. Johann Plenge, Geschäftsführer von RB Leipzig, begründete bei "Sport im Osten" die Entscheidung so: "Unser Ja zu einer strategischen Vermarktungspartnerschaft ist darin begründet, dass mit den Erlösen dringend benötigte Investitionen in die digitale Infrastruktur der DFL, also eine Stärkung des Zentralprodukts der TV-Vermarktung insbesondere im internationalen Bereich, sowie außerdem eine gesteigerte Förderung von Auslandsmaßnahmen der Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga vorgenommen werden sollen. Dies ist von maßgeblicher Bedeutung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga im globalen Kontext."

1. FC Magdeburg stimmt für Nein

Der 1. FC Magdeburg hat dagegen für Nein gestimmt. "Es gilt, die Solidarität unter den 36 Vereinen weiter zu stärken und nicht zu schwächen. Bei Beteiligungen durch Dritte bleiben immer auch Ungewissheiten, die genau abgewogen werden müssen. Insgesamt gab es aus unserer Sicht zu viele Bedenken, die zu unserem Votum geführt haben", begründet der Verein diesen Schritt und hält sich damit an die Empfehlung der Gremien und der Mitglieder, die sich bei der FCM-Mitgliederversammlung gegen eine Beteiligung Dritter ausgesprochen haben. 

Ein Blockadehaltung wolle der FCM nach dem positiven Votum aber keinesfalls einnehmen, heißt es weiter. Unklar ist, wie sich Union Berlin Hansa Rostock verhalten haben.

Verhandlungen können beginnen

Die Geschäftsführung der Dachorganisation des deutschen Profi-Fußballs kann nach der nun erfolgten Abstimmung konkrete Verhandlungen mit einem strategischen Vermarktungspartner aufnehmen. Sechs Unternehmen sollen ihr Interesse an einer Partnerschaft mit der DFL bekundet haben. Für eine prozentuale Beteiligung an den TV-Erlösen soll ein Finanzinvestor eine Milliarde Euro zahlen. Der Vertrag soll eine Maximallaufzeit von 20 Jahren haben und bis zum Beginn der Saison 2024/25 unterzeichnet sein. 

Die DFL will das Geld vornehmlich für den Ausbau ihrer Infrastruktur nutzen. Dazu zählen eine weitere Digitalisierung und Internationalisierung sowie der Aufbau einer eigenen Streamingplattform. Im Mai dieses Jahres war das Vorhaben noch gescheitert. Damals war die dafür nötige Zwei-Drittel-Mehrheit knapp verfehlt worden. 

Gegen den Willen der Fans

Aus dem Fan-Lager hatte es bis zuletzt Widerstand gegen einen solchen Deal gegeben. Die Anhänger, die ihren Protest auch am zurückliegenden Wochenende in vielen Stadien auf Spruchbändern zum Ausdruck brachten, befürchten durch den Einstieg eines Investors eine Wettbewerbsverzerrung. Das Fan-Bündnis "Unsere Kurve" bekräftigte kurz vor dem Treffen noch einmal: "Wir sehen die geplante Abstimmung zum Einstieg eines Investors bei der DFL kritisch und lehnen dieses Vorhaben in Gänze ab."

Die DFL-Geschäftsführer Marc Lenz und Steffen Merkel hatten dagegen vor der Abstimmung erneut darauf verwiesen, dass dem künftigen Partner nur limitierte Mitspracherechte im wirtschaftlichen Bereich eingeräumt werden sollen. "Akzeptiert ein möglicher Partner die roten Linien nicht, ist er nicht der Richtige für uns", bekräftigte Lenz.

dpa/red

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Sport bei MDR AKTUELL | 11. Dezember 2023 | 14:40 Uhr

72 Kommentare

SGDHarzer66 vor 22 Wochen

So ist es Maza - und ich hoffe deshalb auf einen "Knall" dieser Geldblase. Denn irgendwann ist auch dort der letzte Gewindegang erreicht!
Euch und damit meiner ehem. Bezirkshauptstadt wünsche ich alles Gute beim jährlichen Kampf vor allem um das finanzielle Überleben.

Voice vor 22 Wochen

Könnten wir bitte mal aufhören, immer von wahren Fußballfans zu fabulieren. Zumal jeder für sich selbst deiniert, was "wahre" Fußballfans sind.
Die Traditionalisten tönen seit Jahren in Diskussionen mit zB Konstruktfans, sie würden lieber auf ewig in die Kreisliga gehen, als "so jemandem" hinterher zu hecheln.
Nun schafft besagte Entscheidung genau dafür die Voraussetzungen, nämlich, dass jeder gern seinem Verein - in welcher Liga auch immer - die Stange halten kann. Nun ist es auch wieder nicht recht.
Wann begreift denn endlich auch der Letzte, dass die Fans bei dieser Entscheidung Null Mitspracherecht hatten. Das ist und das war nie vorgesehen. Die Meinung der Fans interessiert dabei schlicht nicht. Es geht um wirtschaftliche Belange. Wie in einer Firma. Auch dort gibt es keine Demokratie, sondern der Chef sagt quasi als Diktator, wo es in der Firma lang geht.Sozialismus hatten wir im Osten lange genug. Und ich für meinen Teil bin froh, dass dieser Quatsch schon lange vorbei ist.

Maza vor 22 Wochen

Du hast vollkommen Recht, dass die Kluft zwischen Bundesliga und 3.Liga dadurch immer größer wird.
Aber das stört z.B. die Ja-Sager der Brausetruppe gar nicht. Jetzt haben die Typen noch mehr Millionen zur Verfügung, wenn die mit ihrer zusammen gekauften Truppe, auf Werbetour unterwegs sind!! Um den Fußball geht es denen doch von Anfang an nicht...!!!

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